Am 13. Oktober 2016 luden „dieaufsteiger“, Coworking Imst, und die Rechtsanwaltskanzlei Schöffthaler zum 1. Imster Gründersymposium. In den Räumlichkeiten des Coworking Imst hatten sich zahlreiche Interessierte eingefunden, um sich mit mit dem Thema Unternehmensgründung auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt des Abends standen die Erfolgsgeschichten der zwei mehrfach ausgezeichneten Tiroler Firmen Polychromelab und Organoid. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch Impulsreferate über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die rechtlichen Grundlagen.

Vision als A und O

Steuerberater Mag. Dr. Martin Frötscher läutete das 1. Imster Gründersymposium mit einem Impulsvortrag über aktuelle wirtschaftliche Themen für KMUs und Einzelunternehmer ein. Zudem berichtete er vom Geschäftsmodell „dieaufsteiger“. „Die Wirtschaft ist ein kommunizierendes Gefäß – alles ist voneinander abhängig. Wenn man die Wirtschaft erschüttert, betrifft es alle!“, weiß Frötscher. Den Schritt sich selbstständig zu machen, sollte man nicht bloß von einer möglichen Förderung abhängig machen. „Eine Geschäftsidee muss auch ohne Förderung funktionieren. Ob eine Geschäftsidee gut ist, das weiß nur der Markt.“, informierte der Experte, der dazu rät zu Beginn vor allen Dingen Wert auf gute Organisation und ein gutes Rechnungswesen zu legen. Dennoch sei die Vision des Gründers/der Gründerin entscheidend. Ohne sie gäbe es weder erfolgreiche Unternehmen noch motivierte Arbeinehmer, so der Steuerberater. Das Portal „dieaufsteiger“ wurde als Unterstützung für JungunternehmerInnen eingerichtet. Es bietet verschiedene Serviceleistungen an, darunter belegloses Buchen, Online-Lohnabrechnung, die Finanzierung von Aufsteiger-Ideen, das Ausverhandeln wirtschaftlicher Verträge u.v.m.

„Schutz besser zu früh, als zu spät!“

Generell ist es empfehlenswert, sich bei der Gründung eines Unternehmens von Profis beraten zu lassen. „Wenn jemand gründen möchte, dann steckt eine Idee dahinter“, so Rechtsanwalt Dr. Christian Schöffthaler. Die bloße Idee an sich ist nicht schützbar. Erst, wenn sich diese manifestiert, ist es möglich sie als Werk, Design oder Marke abzusichern. Eine Idee, die als Werk, z. B. in Form eines Buches, Bildes oder Musikstückes umgesetzt wird, ist durch den Urheberrechtsschutz abgesichert. Dieser greift bei KünstlerInnen sobald ein Werk veröffentlicht wird. Für eine neue, gewerblichlich nutzbare Errungenschaft sollte allerdings ein Patentschutz angedacht werden. Die Investitionsdauer eines Patentes beläuft sich auf 20 Jahre und kostet etwa 5.000 Euro, während ein Gebrauchsmuster für etwa 1.500 Euro zehn Jahre Schutz bietet. Zudem können auch spefizische Designmerkmale geschützt werden. „Musterschutz schützt vor der Nachahmung des Designs“, verrät der Experte. Die Kosten dafür belaufen sich auf etwa 1.000 Euro für max. 25 Jahre. Darüber hinausgehend können auch Marken, im speziellen Wort-, Bild-, 3D- und Klangmarken, geschützt werden. „Der Vorteil einer Marke ist, dass der Schutz im 10-Jahres-Rhytmus immer wieder verländert werden kann“, hebt Schöffthaler die Besonderheit hervor. „Es ist sehr wichtig für Jungunternehmer sich alle Schritte gut zu überlegen und es auch gleich schützen zu lassen. Dennoch sind die Gründungskosten sehr hoch. Das sollte nicht unterschätzt werden. “

„Auch Scheitern ist ganz wichtig. Das ist die Würze.“

Ein Unternehmen auf die Füße zu stellen, ist also eine Herausforderung. Darüber, dass es als Startup nicht so einfach ist, berichteten die zwei erfolgreichen Tiroler Unternehmen Polychromelab und Organoid. Alpine Proof, die weltweit höchstgelegene Forschungsplattform für Outdoor-Bekleidung, befindet sich am 2.436 Meter hoch gelegenen Schönjoch im Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis. Zuständig für diese ist Michele Stinco. Der Textilforscher und Extremsportler setzt sich bei Wind und Wetter mit Hilfe angewandter Forschung mit Outdoor-Bekleidung und deren Qualität auseinander. Auf diesem breit angelegten Wissensstand aufbauend, entwickelt und designt Stinco mit seiner Firma Polychromlab Design- und Outdoorbekleidung, die durch klare Form und innovatives Design besticht. Die hochwertigen Wendejacken überzeugen durch ihre Funktionalität, sind winddicht, wasserdicht, atmungsaktiv, gleichzeitig aber auch je nach Witterung wärmend oder kühlend. „Unsere Produkte sind für die Natur gemacht“, so Stinco, der Handwerk auf hohem Niveau verspricht. Mittlerweile hat sich die Extremsportmarke zu einer Edelmarke weiterentwickelt. „Wir haben etwas geschafft, das damals fast undenkbar war. Gründen hat immer einen Grund, aber, dass es nicht leicht ist, das weiß man am Anfang noch nicht. Wir haben die Hürden genommen und die Stoffentwicklung gestartet. Wir gehen mit Dingen auf den Markt, von denen wir Ahnung haben.“ Dennoch gesteht Stinco ein, dass auch das Scheitern ganz wichtig ist: „Das ist die Würze!“ Der Umzug ins Oberland hat sich in seinen Augen aber gelohnt. „Das Oberland ist ein ganz fruchtbarer Boden für gute Ideen.“ Derzeit ist Polychromelab auf der Suche nach einem/einer InnovationsassistentIn. „Wir suchen gute Leute, die bereit sind, sich weiterzuentwickeln.“, ruft Stinco auf.

„Es geht uns super in Tirol!“

Dieser Meinung ist Gründer Martin Jehart, dessen Firmensitz ebenfalls im Tiroler Oberland liegt. Die Firma Organoid, welche er 2012 gemeinsam mit Christoph Egger ins Leben rief, fertigt u.a. Dekorbeschichtungen, Akustikpaneele und Trägermaterialien. „Wir wollen die Materialienvielfalt der Natur nutzen – Farben, Gerüche und Eigenschaften! Jedes Stück ist sehr aufwändig und in Handarbeit produziert.“ Ein Beispiel dafür ist die Dekorbeschichtung „Wildspitze“. Auf dieser finden sich Heublumen wieder, die auf der Wildspitze von Hand gesenst und anschließend zur weiteren Verarbeitung in die Firma nach Fließ gebracht wurden. „Wir sind kein großindustrieller Produktionsbetrieb, sondern leisten qualitative Handarbeit. Wir verwenden echtes Material“, betont Jehart. So werden für die Dekorbeschichtungen verschiedenste Rohstoffe, darunter Blütenblätter, Kräuter, Gewürze, Moose, Flechten, Holz und Rinde, Getreide, Früchte uvm. verwendet. Bei der Herstellung wird mit naturbelassenen Materialien gerarbeitet. Diese werden im Rahmen des Produktionsprozesses auf die Trägerplatten gepresst, wodurch auch in weiterer Folge noch der natürliche Duft wahrnehmbar ist. Jeharts Tipp an JungunternehmerInnen ist, sich an folgendem Kerngedanken auszurichten: „Wo sind unsere Wurzeln und was ist uns wichtig.“ Dass man mit Orginalität und Naturbewusstsein punkten kann, zeigt sich am Beispiel der Firma Organoid, die mittlerweile auch in Zusammenarbeit mit Partnern Akustikleuchten, Brillenfassungen und Handycover fertigt.