Wege, wie man es schaffen kann

Networking und Inspiration: Am 16.05.2017 fand die Start-Up Class #12 im Inncubator am WIFI Campus Innsbruck statt.  Das Team von Startalps.co war natürlich vor Ort. Mit dabei war auch Jannik Siebert von Icons.

„Die Start-Up Class ist ein geiles Event. Es ist immer toll zu hören, wie andere es geschafft haben“, sagt Robert Schimpf vom Inncubator. Das Konzept ist einfach: Zwei Speaker erzählen je 20 Minuten von ihren Gründungsgeschichten, danach gibt es Raum für Fragen aus dem Plenum. Anschließend gehen alle noch gemeinsam auf ein Bier. Das ist Networking in entspannter Atmosphäre.

„Gerade als junges Unternehmen ist ein funktionierendes Netzwerk unglaublich wichtig“

Moderator Dominik Jenewein – selbst Jungunternehmer – eröffnete den Abend mit einem kurzen Überblick über die Junge Wirtschaft (JW) und ihre Tätigkeiten. Die Interessensvertretung aller Jungunternehmer (alle unter 40 Jahren) konzentriert sich insbesondere darauf, einen kompetenten Service und ein Netzwerk für Gründer anzubieten. Sie setzt sich dafür ein, die Bürokratie zurückzuschrauben und die Bedingungen für Unternehmer in Österreich zu verbessern. Jenewein verwies auch auf weitere bevorstehende Veranstaltungen wie das Programm Start-Ahead, die Innovation-Days und die TV-Investorenarena der JW.

Speaker 1: Der Teufelskerl – Samuel Geisler von Peakmedia

Die Referenzen von Peakmedia haben es in sich. Zu den Kunden des jungen Unternehmens zählen Namen wie Red Bull, BMW, Allianz, Interspar und Kitz Galeria. Peakmedia hat heute zehn Mitarbeiter im Alter von 21 bis 32 Jahren. Bis dahin war es jedoch ein langer und durchaus steiniger Weg.

Suche nach dem Kick

Samuel Geisler ist ein richtiger Haudegen. Er begann seine berufliche Laufbahn beim Bundesheer, war mehrere Jahre bei Auslandseinsätzen dabei. Danach ging er zur Polizei, wo er bis heute angestellt ist. Zwischenzeitlich organisierte er zusammen mit ehemaligen Soldaten Expeditionen durch Kriegsgebiete in Afrika, „wegen der Suche nach dem Kick“, wie er sagt. Die Idee zum eigenen Startup kam durch das Organisieren von Sport-Events. Das viele Plakatieren war Samuel irgendwann zu mühsam, deshalb begann er Werbung auf USB-Sticks zu packen und über Monitore sichtbar zu machen.

Der Traum vom Porsche

Peakmedia startete als EPU im Wohnzimmer. Samuel gründete mit einem Freund, bald nahmen sie sich einen Freelancer zur Unterstützung dazu. Bemerkenswert ist, dass das Team ganze drei Jahre ohne Gehalt arbeitete – weil es nicht anders ging. Samuel hielt sich derweil mit seinem Job bei der Polizei über Wasser: „Man braucht Ausdauer und Ziele. Sonst wird es schwer.“ Sein Ansporn war der Traum vom Porsche als Firmenwagen.

Monitorwerbung und Digital Signage

Ihr Vorteil war, dass sie sehr früh mit dem Netzwerken begannen und nach und nach starke Partner gewinnen konnten. Der Durchbruch gelang, als sie einen Deal mit dem Supermarkt-Riesen Spar einfädelten. Sie statteten 800 Filialen mit einem speziellen Mitarbeiter-Info-System aus, dem sogenannten „Digitalen schwarzen Brett“. Ein weiteres Feld ist die Monitorwerbung und die Werbung über Videowalls. Bei BMW hat Peakmedia etwa die Wartebereiche und Lounges mit Bildschirmen und Inhalten versorgt.

Mitarbeiterführung entscheidend

Samuel Geisler hob in seinem Vortrag besonders die Wichtigkeit eines funktionierenden Unternehmensklimas hervor. Wenn alle an einem Strang ziehen, kann man sehr viel erreichen. Die Mitarbeiter gewann das Team von Peakmedia meist über Praktika – ein gutes Mittel um Menschen kennenzulernen und eventuell langfristig im Unternehmen anzustellen.

Speaker 2: One Day or Day One. You decide – Valentin Schütz von Gronda

Valentin Schütz beschreibt sich selber als rebellisch. Seine Mutter führt heute die Umbrüggler Alm hoch über Innsbruck, sein Vater ist Hotelier im Pitztal. Er selbst studierte BWL und begann dann bei einem Unternehmen in der Öl-Branche zu arbeiten. Er hatte einen gut bezahlten, sicheren Job mit internationalem Flair. Und dann kündigte er.

Eine vielversprechende Idee

Mit der Gastronomie hatte Valentin Schütz trotz seinem familiären Hintergrund beruflich nichts am Hut. Aber das Thema interessierte ihn zunehmend. Ihm fiel auf, dass es in der Gastronomie immer schwerer wurde, gutes Personal zu finden. Seine Idee: Connect hospitality professionals. Sein Problem: Er fand keinen Programmierer, der mit ihm gründen wollte. Seine Lösung: Während eines Auslandssemesters in Bologna baute er sich seinen eigenen Blog. Valentin schrieb ein paar Artikel und stellte sie auf Facebook. Nach drei Tagen schlug seine Web-Page voll ein. Über 50.000 Leute hatten sie besucht und Artikel geteilt.

Mein eigener Chef: Die ganze Welt und den Mars auch noch, wenn er besiedelt ist

Dann ging alles schnell. Valentins Ziel war es, eine fancy Seite oder App zu kreieren, mithilfe derer Gastronomen qualifizierte Mitarbeiter finden können. Er selbst fand einen Spanier, der programmieren konnte. Dann kam noch Tobias aus Hamburg dazu, der mit Valentin gründen wollte und dafür Harvard links liegen ließ. Zu dritt starteten sie in der Werkstätte Wattens ihr eigenes Unternehmen. Sie fanden Investoren und bauten ihr Angebot auf dem deutschsprachigen Markt aus. Heute hat Gronda 200 zahlende Kunden. Die globale Expansion steht nun bevor.

Unternehmenskultur: Wie kann ich machen, dass es cool ist – und zwar für jeden?

Von Anfang an legte Valentin Wert darauf, keinen klassischen Nine to Five-Job zu haben „Im Radio hört man immer: Endlich Wochenende! Oder man liest von den schrecklichen Montagen. Ich dachte mir: Sind denn eigentlich alle verrückt? Arbeit muss auch Leben sein und keine Qual.“ Gronda hat heute 15 Mitarbeiter, auch international, etwa in Ungarn oder Brasilien. Das Leitbild von Gronda: Jeder kann arbeiten wo und wann er will. Dass das funktioniert, erläutert Valentin mit einer Anekdote: „Ein Mitarbeiter sollte eigentlich mit uns im Büro arbeiten. Trotzdem war er irgendwie nie da. Aber die Aufträge waren immer fertig“. Des Weiteren gibt es bei Gronda keine fixen Stellen. Jeder macht, was ihm Spaß macht.

Das Konzept von Gronda schlug also voll ein. Das Erfolgsgeheimnis der Jungunternehmer ist die Mischung aus Flexibilität, Leidenschaft und kontinuierlicher Weiterbildung. Und natürlich der nötigen Coolness. Außerdem agierten sie immer sparsam und wollten profitabel bleiben.

Links

http://www.startupclass.at/

https://www.jungewirtschaft.at/jw/Tirol/index.html

https://www.peakmedia.at/

https://gronda.eu/home/