Die Anton Rauch GmbH & Co. KG

Die Geschichte des Rauchunternehmens ist eine Aufsteigergeschichte par excellence. Anton Rauch gründete Anfang des 19. Jh. ein Unternehmen, das sich über die Jahrzehnte die Marktführung in Westösterreich sichern konnte. Im Gespräch erzählt der Geschäftsführer Andreas Rauch von der Firmengeschichte sowie den Stärken und Schwächen der Tiroler Unternehmenslandschaft.

Kann die Anton Rauch GmbH & Co. KG als Startup-Unternehmen bezeichnet werden?

Anton Rauch stammt aus einer Müllerfamilie, musste aber abseits seiner Heimat, dem Kaunerberg, Arbeit suchen, weil sein Vater während den Befreiungskämpfen 1809 starb. Zunächst arbeitete er in der Wienerberger Ziegelfabrik in Wien. Das war die unterste Arbeit der österreich-ungarischen Monarchie. Er war ein Sandler. Das bedeutete, dass er Formen mit Sand ausstreuen musste, woraus Ziegel gegossen wurden. Aus diesem Industrieproletariat hat er sich upstarten können: In Mühlau bei Innsbruck fand er dann eine Anstellung als Müller. Die Besitzer waren kinderlos, so konnte er gegen Leibrente die Mühle übernehmen. Geholfen hat ihm aber schon auch die Heirat mit einer reichen Gastwirtstochter.

Ohne Geld geht also nichts…

Aber auch ohne Tüchtigkeit geht nichts. Anton Rauch hat durch seinen Einsatz die Mühle erworben und dann mit Hilfe des Geldes seiner Frau im Getreidehandel viel Geld verdient. Es war auch wichtig, dass der Betrieb trotz Schwierigkeiten immer weiter gemacht hat. 1914 ist die Mühle eingestürzt, sie wurde aufgebaut, um 1919 wieder abzubrennen. Das war eine totale Katastrophe. Aber man hat sich immer wieder aufgerappelt.

Gab es wesentliche Innovationen, die das Unternehmen wettbewerbsfähig und erfolgreich machten?

Natürlich ist es wichtig, sich immer weiter zu entwickeln. Die Produktion hat ein paar entscheidende Innovationen hinter sich. Wesentlich war die Umstellung von Mahlsteinen auf Stahlwalzen gegen Ende des 19. Jh. Durch die Erfindung der Elektrizität wurden die Mühlen unabhängig vom Bachwasser und man konnte beliebig viel mahlen. Zur Rauchfamilie gehört neben der Mehlproduktion auch ein Tierfutterwerk in Hall und fast alle österreichischen Speiseöle sind aus der Rauchfamilie entstanden.

Die Kornkammer Österreichs liegt bekanntlich in Niederösterreich und auch sonst wachsen nicht viele Rohstoffe in Tirol. Ist Tirol ein schlechtes Pflaster für ein Startup-Unternehmen in der Lebensmittelproduktion?

Spezialitäten mit einer hohen Wertschöpfung haben in Tirol gute Chancen. Für Massengüter ist Tirol ein schlechter Standort. Die Handelsketten wollen immer einen Lieferanten z.B. für das gesamte Brot. Das ist in Tirol kaum möglich. Der Weizen, der in Tirol wächst, kann Tirol nur zwei Tage ernähren. Das war nicht immer so, aber jeder Kuhstall musste ja einem Hotel weichen…

Es müsste sich nur die Tiroler Hotellerie dazu aufraffen, Tiroler Lebensmittel zu verwenden, dann könnten wir alles erhalten: die Kühe, die Bäcker, die Fleischer, alles. In der Schweiz funktioniert das. Die Hotellerie müsste halt aufspringen auf die regionale Schiene.

Welche Tipps können Sie Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben?

Eine gute Vernetzung ist sehr hilfreich. Aber vor allem sollte man sich nicht einem Finanzierungssystem ausliefern, das man nicht vollkommen verstanden hat. Jede noch so komplexe Rechnung sollte man auf eine einfache Subtraktion oder Addition reduzieren können.

Wenn ich für mich sagen müsste, was ich Großes für die Rauch Firma getan habe, dann war das meine Entscheidung gegen die Finanzierungssysteme wie Swaps oder Caps in den 1990er Jahren. Alle, die sich darauf eingelassen hatten, verloren viel Geld.

Die Sprache sollte auch verständlich sein. In der Startup Szene werden oft viele Begriffe verwendet, die ich nicht richtig verstehe, wobei das vielleicht auch an mir liegt. Es kann sein, dass man diese Sprache jetzt braucht. Aber oft denke ich mir: Ein bisschen klarer könnte es schon sein.

Von einer Gewohnheit bin ich im Laufe der Jahre weggekommen. Am Anfang habe ich jeden Menschen, der mir ein Unternehmenskonzept vorgestellt hat, gefragt: Wo kommt das Geld rein? Das können Unternehmensgründer anfangs oft ganz schwer beantworten. Google oder Wikipedia hätten diese Frage am Anfang sicher auch nicht beantworten können. Man muss tätig sein, irgendetwas machen und dann kommt schon auch das Geld.

Die Ideen im Kopf, ein geschäftsfähiges Konzept auf dem Papier und das Geld in der Hand. Sind alle Hürden genommen?

Die Gesetze sind extrem lähmend. Wenn bei uns ein junger Mensch irgendetwas machen will, dann verheddert er sich ja schon bei den ersten Erkundigungen, wie man ein Unternehmen aufmacht. Ich wünsche mir von der öffentlichen Hand, die Gesetze nachvollziehbar und durchschaubar zu machen. Momentan sind die Gesetze wie ein Labyrinth, das hemmt. Deswegen wird in Asien produziert und in Europa verwaltet, so kommt es mir oft vor.

Und die Gesellschaft? Werden Unternehmer in Tirol gerne gesehen?

Das Unternehmertum ist sehr wohl hoch angesehen. Wenn ich irgendwo bin, dann brauche ich mich nie rechtfertigen, Unternehmer zu sein.