Im Interview mit Lukas Kinigadner, Clemens Müller und Bernhard Hauser von Anyline

Lukas Kinigadner ist gebürtiger Tiroler und hat im Jahre 2013 zusammen mit seinen Co-Foundern das Unternehmen Anyline gegründet. Geographisch ist das Startup, das (kurz gesagt) Smartphones das Lesen beibringt, auf Innsbruck, Wien und für den Sommer 2015 auch Berlin aufgeteilt. Zurzeit besteht das Team aus 17 smarten Köpfen, die normalerweise im Headquarter in der Wiener Zirkusgasse rauchen. Nur drei der Entwickler konnten von einem Umzug in die Hauptstadt nicht überzeugt werden und programmieren weiter fleißig in der Maximilianstraße in Innsbruck. Im Sommer 2015 hatte Anyline nun vorübergehend auch einen kleinen Office Space im Berliner Hubraum, dem Inkubator der Deutschen Telekom.

Für uns war es damals leider nicht möglich in Tirol zu gründen, da es hier an ganz elementaren Dingen fehlt, die aber in dieser Form in Wien oder Berlin definitiv vorhanden sind.

Lukas, wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Für Berlin haben wir eine klare Agenda, aber wir wollen jetzt nicht mit Anyline nach Berlin umziehen. Wir denken, dass unser Standort in Wien im Moment ein sehr guter Standort für uns ist. Für Anfang nächsten Jahres haben wir noch einen Trip ins Silicon Valley geplant. Wir haben bereits im Juni an der Augmented World Expo in Santa Clara teilgenommen, haben in San Francisco verschiedene Meetups besucht und haben erste Präsentationen und Talks gehalten. Bei der Go-Silicon Valley, eine Initiative der Wirtschaftskammer Österreich, haben wir einen Slot bekommen. Im Oktober sollte es dann eigentlich mit einem festen Standort dort losgehen. Geplant war ein eigenes Büro, aber aus unserer Sicht ist es im Moment noch zu früh, deswegen haben wir das nun auf Jänner verschoben. Soweit unsere geographische Roadmap für die Zukunft.

Was macht einen Standort für Startups attraktiv?

Wichtig ist, dass man sich überlegt, was einen Standort ausmacht: Was sind die Vor- und Nachteile des Standortes? Es gibt einfach bestimmte Dinge, die ein Startup unbedingt benötigt: super Leute, ein gutes Team, die nötige Infrastruktur. In Innsbruck gibt es viele smarte und talentierte Leute, ich denke auch, dass die Infrastruktur gut ist, ganz abgesehen von der Work-Life Balance. Was es in Innsbruck aber nicht gibt – was wir leider bei unserer eigenen Gründung erfahren mussten – ist das Risikokapital. Zumindest nicht in dem Ausmaß, in dem man es erwarten würde. Die Förderlandschaft ist unterrepräsentiert und vor allem das Mindset ist bei Weitem noch nicht so weit. Es gibt einfach keine Gruppenbildung, die das Silicon Valley Feeling erzeugt, das so dringend notwendig ist. Wenn man was Neues macht, braucht man Leute um sich, die Ja-Sager sind. Wir haben uns zum Beispiel investitionstechnisch in Wien den Hansi Hansmann an Board geholt, einen der renommiertesten Business Angels Österreichs. Wir haben eine Forschungsförderungsgesellschaftsförderung bekommen, wir sind mit einer 6-stelligen Summe von der Wirtschaftsagentur Wien gefördert worden, sind erneut von der FFG gefördert worden und haben AWS Förderungen bekommen. Wir hatten einen super Start im sektor5, sicherlich einer der coolsten Co-working Spaces in Wien, haben dort tolle Leute kennen gelernt und wichtige Kontakte geknüpft. Ein Teil unseres Teams ist auch dort zu uns hinzugestoßen. Vor Kurzem sind wir dann in die Zirkusgasse gezogen. In Wien sind die Mieten um einiges billiger als in Innsbruck, aber das macht am Ende des Tages nur einen Bruchteil des Ganzen aus.

Es geht doch hauptsächlich darum, dass die Politik und potentielle private Fördergeber verstehen müssen, dass Innovationen für den Standort wichtig sind.

Als Beispiel: In Tirol gibt es sehr viele Industrielle, die unglaublich viel Kapital hätten und die nur einen Teil davon in Startups investieren müssten. Dann hätte Österreich und insbesondere Tirol kein Problem mehr mit dem Risikokapital. Genauso ist es mit der Förderlandschaft. Es wäre nicht so schwierig, eine Förderlandschaft, die Innovationen fördert, zu integrieren. Häufig kommt es vor, dass man sich entscheiden muss und in Tirol gewinnt dabei meistens der Tourismus, was natürlich auch gut und notwendig ist. Aber es ist eben oft so, dass in Tirol eine Innovation nicht den nötigen Anklang findet. Das ist ja wie bei uns – wir arbeiten an einer Hochtechnologie für das Smartphone. Wir haben mittlerweile die ersten großen Kunden, wir wachsen, haben einen super Markt vor uns und haben in Wien alles bekommen was wir in Tirol nicht bekommen haben oder hätten. Damals hätte ich mich nicht getraut zu fragen, ob es einen Business Angel gibt, der unter den normalen Rahmenbedingungen Geld investiert. Damals gab es ja nur ganz wenige, die das Know-How hatten. Und wir waren oder sind nicht die einzigen. Unser neuer Büropartner in Wien ist Kiweno, eigentlich ein Innsbrucker Startup, das jetzt auch in Wien ist. Wieder ein Beispiel, wo ein Startup mit einem wahnsinnig tollen Produkt nach Wien gehen musste. Wie auch wir, haben Bianca Gfrei von Kiweno und ihr Team das Investment von Hansi Hansmann bekommen. Hansis könnte es in Tirol genug geben. Es gibt genug Leute, die es sich leisten könnten, jungen Unternehmern zu vertrauen und in diese zu investieren. Allerdings geschieht das im Moment leider viel zu selten. Zwar geschieht zurzeit ein bisschen was in Tirol, die Frage ist aber, wie sich das auf lange Sicht entwickelt. Auch wenn die Destination Wattens eine super Idee ist, bleibt die Frage: bleibt es das einzige? Kommen noch andere? Gibt es von der Politik Incentives, dass das längerfristig so bleibt? Gibt es weitere Förderungen? Gibt es die Bestrebungen, die Startups zu zentralisieren, damit das Startup Feeling aufkommt, das junge Unternehmer so dringend brauchen? Das wird sich alles erst mit der Zeit zeigen.

Was genau macht ihr hier im Hubraum in Berlin?

Wir nutzen hier in erster Linie den Office Space.  Uns geht es hier um ein paar Dinge: erst einmal wollen wir klären, wie wichtig der Standort Berlin für uns als Startup ist. Wir sind im Bereich der Texterkennung, Image Recognition und Computervision tätig. Wir dachten immer, dass Wien dafür eine tolle Stadt ist und dass es in Wien überproportional viele Firmen in diesem Bereich gibt. Indem wir uns Berlin anschauen, wollten wir das validieren. Wir wollen herausfinden, welche Unternehmen es hier in dieser Sparte gibt und welche Leute beziehungsweise welche Ressourcen, die wir nutzen können. Zudem wollen wir prüfen, ob ein Standort in Berlin für uns Sinn machen würde. Und dann ist Berlin für uns natürlich auch hinsichtlich Business Development wichtig. Wir haben mit dem DACH-Raum in gewissen Bereichen, wie zum Beispiel Energienetzbetreiber und Energielieferanten, einen ganz starken Fokus auf den deutschsprachigen Raum. Daher sind wir viel in Deutschland unterwegs und da ist Berlin als Standort natürlich perfekt. Zudem nutzen wir das Netzwerk vom Hubraum, um bestimmte Firmen und Handelsketten anzusprechen, die über das T-Systems Netzwerk verfügbar sind. Last but not least ist es für unsere Mitarbeiter auch eine tolle Erfahrung, etwas Neues zu sehen und etwas Neues kennenzulernen. Obwohl wir ein Hochtechnologieunternehmen sind, ist für uns Kreativität ein wichtiger Faktor, beispielsweise bei der Interface Usability oder dem User Interaction Design. Die Kreativität kann man sich nur holen, wenn man einen Tapetenwechsel hat.
Im Inkubator Programm vom Hubraum sind wir allerdings nicht dabei, da wir ja schon ein Seedinvestment bekommen haben.

Wie seid ihr zum Hubraum gekommen?

Wir haben 2014 den Trend Adventure Award gewonnen und dort war auch der T-Mobile Chef von Österreich, Herr Dr. Bierwirth, anwesend. Herr Bierwirth, der jetzt auch unser Mentor ist, hat es uns ermöglicht, dass wir hier nach Berlin dürfen. Natürlich hätte der Hubraum uns nicht genommen,  wenn wir nicht zu ihnen passen würden. Aber grundsätzlich war das Angebot Teil des Trend Adventure Awards.

Worin siehst du den größten Unterschied zwischen österreichischen Städten und Berlin?

Ich bin noch nicht sehr lange hier in Berlin, aber mein erster Eindruck ist, dass die Stadt sehr faszinierend ist. Sie ist in mancher Hinsicht ähnlich wie Wien, in anderer Hinsicht aber wiederum gar nicht – allerdings ist es schwer, die beiden Städte zu vergleichen. Erst einmal geht man im Schnitt überall zehn Minuten länger. Wir wohnen momentan in Kreuzberg, da haben wir eine total lässige Ecke. Ich verstehe jeden, der seine sieben Sachen packt und nach Berlin zieht. Die Leute sind sehr offen, das ist glaube ich einer der Hauptgründe, warum Berlin als Standort für Startups bei den Rankings immer ganz weit oben liegt. Der Platz ist da, die Leute sind da, die Kreativität ist da, das Umfeld passt, das eben in Innsbruck einfach fehlt. Es gibt verschiedene Beispiele, die zeigen, dass in Tirol die konservative Seite stetig gegenüber der kreativen Seite gewinnt, die aber Startups dringend brauchen, um das Meiste aus sich herauszuholen.

Spannend wäre es, herauszufinden, was passieren muss, damit sich da etwas ändert. Schaut man auf die Wiener Startup Szene, war es da auch ein ganz klassischer Fall, der das Ganze ins Rollen brachte. Damals hat der 3united Exit sehr viel dazu beigetragen, dass Wien heute das ist, was es ist. Ich denke, es braucht einfach einen initialen Ankerpunkt. Und da liegt meine Hoffnung auf einer industriellen Familie, die den ersten Schritt macht und mit ihrer Reputation beginnt, Dinge richtig zu machen. Trotzdem wird es noch Jahre dauern. Aber man sieht an Wien wie es funktionieren kann. Es braucht eben immer eine Person, die sich mit allen Möglichkeiten der Sache widmet. In Wien ist das klassische Beispiel der Hansi Hansmann, der mittlerweile fast 30 Startups unterstützt, und zwar auf eine Art und Weise, die einfach unglaublich cool ist. Der Hansi interessiert sich neben dem Betriebswirtschaftlichen einfach auch für das Startup und die Personen dahinter. Er will das Ganze weiterbringen. Er hat durch seine Arbeit viele Dinge ermöglicht und kann super Erfolgsstorys aufweisen. Dadurch wird die Szene einfach größer. Ein anderes Beispiel ist der Austrian Startups Stammtisch. Als ich vor ein paar Jahren angefangen habe, da waren das wirklich nur Stammtische.  Mittlerweile sind da hunderte Leute dabei – und gerade auch viele junge Leute. So etwas muss auch in Tirol passieren.

Die Frage ist nur, wer der erste ist, der in Tirol damit startet, die Startup Szene aufzubauen – und zwar richtig.

Wen man natürlich auch nicht vergessen darf, sind die Medien. Wir bei Anyline waren in letzter Zeit viel in den Medien und da muss ich auch jedem Journalisten danken, der was über uns geschrieben hat. Nachdem wir den Trend Adventure Award gewonnen haben, hat nicht nur der Trend viel über uns berichtet, sondern auch der Kurier, die Presse, fast jede Tageszeitung hat zumindest einen kleinen Teil dazu beigetragen, dass Anyline jetzt ein sehr bekanntes Startup in Wien ist. Ich kann mich an eine Szene beim Business Angel Summit in Tirol sehr gut erinnern. Zum Abschluss der Veranstaltung gab es ein Pressefoto mit allen Anwesenden – Business Angels, Organisatoren sowie Startups. Als das Foto in der Tiroler Tageszeitung erschien, waren auf dem Bild die Startups nicht zu sehen. Das zeigt ganz deutlich, was das Problem ist. Es geht nicht darum, dass man nur über Startups berichtet. Aber wenn man schon über eine solche Veranstaltung berichtet, dann sollte man schon ein oder zwei Startups erwähnen, ihren Namen nennen und im Ansatz was sie machen, um eben die nötige Awareness zu schaffen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, eine Plattform zu bekommen . Es gibt Gründer, für die wäre es der absolute „Burner“ gewesen, wenn er zu seiner Mama hingehen kann und sagen kann „Mama, du ich bin in der Zeitung“. Das ist einfach ein tolles Erlebnis, das wieder motiviert, dass er sich die nächsten 3-4 Monate durchbeißt. Die Medien in Tirol – und in Tirol gibt es de facto nur ein Medium das die Verantwortung übernehmen kann und das ist die Tiroler Tageszeitung, weil sie mit ihrer Auflagenstärke das einzige ist, welches repräsentiert wird – sollten meiner Ansicht nach beziehungsweise es wäre mein großer Wunsch, dass sie dem nachkommen und das ein oder andere Mal über ein Startup berichten. Es gibt Zeitungen, die machen jeden Sonntag einen Artikel über Startups, wie beispielsweise die Presse, und es gibt Zeitungen wie der Kurier, die sich ein online Medium wie die futurezone leisten, das Startup Wettbewerbe organisiert. Da gibt es schon ein paar Akteure, die – wenn sie wollten und sich in dem Bereich ein wenig engagieren – einen ganz großen Beitrag leisten könnten.

Warum habt ihr euch dazu entschlossen Hansi Hansmann an Board zu holen? Hat dabei das Investment die größte Rolle gespielt oder war es die mediale Aufmerksamkeit, weshalb ihr euch für ihn entschieden habt?

Weder noch. Wir hatten auch andere Angebote, teils auch mit einer höheren Bewertung. Aber wir haben uns bewusst für den Hansi entschieden, weil ich ihn als Person sehr schätze. Ich glaube auch, dass der Hansi die richtige Strategie befolgt, die sehr viel auf Vertrauen basiert und sehr viel auf das Lösen der Probleme des Gründers. Der Hansi ist sehr unkompliziert, er investiert zuallererst in die Personen, nicht in den Businessplan. Den Businessplan hat er bei unseren ersten Treffen nie gesehen. Er hat die Entscheidung auf Basis des Teams getroffen, und das war uns sehr wichtig. Natürlich ist er sehr medienwirksam, aber das war für uns nicht der ausschlaggebende Grund. Der Grund war, dass ich und meine Co-Founder uns einig waren: Wir wollen den Hansi. Bei ihm haben wir das Gefühl, dass wir seine Unterstützung haben, egal was kommt. Ihm ist nicht nur das Geld wichtig, sondern viele andere Dinge auch. Man bekommt dann zwar vielleicht von anderen Investoren höhere Bewertungen, aber da muss man sich dann eben überlegen ob man das will oder nicht. In Tirol gibt es die Entscheidungen nicht. Da muss man nehmen, was kommt – was für ein Startup auch nicht gerade gut ist.

Denkst du Berlin ist notwendig, um international Fuß zu fassen? Dass man als Startup den Schritt geht und Wien bzw. Österreich verlässt?

Ja. Ich glaube, dass es als österreichisches Startup einen solchen Schritt geben muss, das kommt natürlich auf die Phase des jeweiligen Unternehmens an. Ich denke auch, dass Berlin oder London eine super Alternative zum Silicon Valley sind. In Berlin sind mittlerweile alle großen Firmen vertreten. Das soll aber nicht zwingend bedeuten, dass das ganze Unternehmen nach Berlin gehen muss. Das halte ich sogar für kontraproduktiv. Ich würde zum Bespiel nie einen Entwickler mit ins Silicon Valley mitnehmen, weil ich ihm einfach nicht ansatzweise das zahlen könnte, was andere zahlen können und es auch nicht zwingend notwendig ist, den Entwickler vor Ort zu haben. Aber dass jemand vom Marketing, vom Vertrieb und vom Business Development in Berlin aufschlägt, ist ab einem gewissen Zeitpunkt ein Muss. Oder eben gleich London oder das Silicon Valley. Eben einer der nächst größeren Hubs.

Clemens, wie ist es für dich als Entwickler in Tirol zu arbeiten?

Tirol an sich ist großartig. Innsbruck ist gleich mitten in den Bergen, das heißt du hast die Natur, den Wald und die Berge gleich vor der Haustüre und du siehst sie jeden Tag. Wenn du aufstehst und du gehst an einem schönen Wintertag in die Arbeit, dann hast du das wunderschöne Bergpanorama vor dir. Innsbruck an sich ist eine kleine Stadt, hat aber alles was man braucht. Und dadurch, dass es eine kleinere Stadt ist, begegnet man auch immer Leuten, die man kennt. Es spielt sich alles zentriert ab, also das ist für uns schon sehr angenehm.

Wie siehst du die Startup Szene in Innsbruck?

Die Startup Szene ist im Moment noch sehr überschaubar. Es gibt Ansätze, Anreize in Tirol zu schaffen. Allerdings glaube ich, dass sie sich generell schwer tun gegen die Anziehungskraft von Wien.

Bernhard, worin liegt deiner Meinung nach der Unterschied zwischen Berlin und österreichischen Startup Hot-Spots?

Berlin ist mit Wien oder Graz leider in keiner Weise zu vergleichen: Österreich hat die signifikant kleinere Startup-Szene und ist der ganzen Entwicklung auch noch Jahre hinterher. Während Berlin stark davon profitiert, einerseits Deutschlands Hauptstadt zu sein, einem der wichtigsten Länder der EU, sind es andererseits auch die internationale Ausrichtung der Stadt, der starke Zulauf an qualifizierten Arbeitskräften und die allgemein niedrigen Lebenserhaltungskosten, die Berlin so interessant machen.

In Deutschlands Hauptstadt gibt es auch einen gesunden Mix aus allen wichtigen Akteuren einer Startup Szene: Interessante Projekte, staatliche Förderprogramme und unternehmensfreundliche Gesetze sowie Unternehmensformen (Stichwort: Unternehmergesellschaft), Risikokapital und nicht zuletzt Arbeitskräfte und einen Haufen Events. Ich glaube auch, dass Scheitern mehr akzeptiert wird, aber auch das verändert sich bei uns.

Allgemein gesprochen sind Berliner auch offener für neue Ideen und Dinge, die den Alltag einfacher gestalten. „Es gibt ein neues Startup, das mir die Lebensmitteleinkäufe abnimmt? Cool, probiere ich gleich aus.“ 

Lukas, würdest du wieder zurück nach Innsbruck?

Das müsste ich abwägen. Ich würde schon – abhängig von meiner Lebenssituation – wieder zurückgehen. Allerdings gibt es ein paar Sachen, die in meinem Fall im Moment für Wien sprechen. Ich muss beispielsweise sehr viel fliegen und in Wien bin ich in 35 Minuten am Flughafen und fliege überall hin, wo ich will. Das geht in Innsbruck eben nicht. Das ist jetzt eine Kleinigkeit, aber da kommen noch zehn andere Dinge hinzu. Womit ich auch ein Problem in Tirol hätte, wäre der ganze Hiring Prozess. Wenn du jetzt Gründer findest, dann ist das super. Aber die Tiroler, auch die Jungen, haben eben zum Teil schon eine konservative Einstellung und bevorzugen das Arbeiten bei einem größeren Unternehmen. Das du jetzt jemanden findest, der mit dir für wenig Geld eine coole Idee umsetzt und damit ein Risiko in Kauf nimmt, da wird die Luft schon dünn. Das ist im Entwicklungsbereich vielleicht einfacher, aber in den anderen Bereichen wüsste ich nicht, ob das funktionieren würde. Gerade auch weil der Wettbewerb so groß ist.

Es war ja überall am Anfang so, das darf man ja nicht vergessen. Am Anfang war überall nichts, auch nicht im Silicon Valley. Und was man auch nicht vergessen darf, dass Geld eben auch nicht alles ist. Es gibt Staaten, die Milliarden in Standorte investieren, um etwas zu erschaffen und trotzdem funktioniert es nicht. Es braucht eben die Mischung aus Mindset, Liquidität, Kreativität. Man braucht einfach den Nährboden, man muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit junge Unternehmen wachsen können und das besteht nicht nur aus einer einzigen Sache. Es benötigt verschiedene Parameter und man muss an vielen Fronten kämpfen, auf der Finanzierungsseite, auf der politischen Ebene, auf der gesellschaftlichen Ebene und auf der medialen Ebene, damit  Startups akzeptiert werden.