Die beste Möglichkeit die Zukunft vorherzusagen ist, sie zu erfinden. – Alan Kay

Jeder hat schon vom Silicon Valley und ihren berühmten Startups wie Facebook oder Pinterest gehört, aber nicht jeder von Austin, der Hauptstadt Texas. Dies wäre zumindest ein Grund dafür, dieses Interview zu lesen. Die ambitionierte Gründerin und Teilnehmerin bei der Austria to Austin – Student Startup Exchange Carina Margreiter berichtet uns von der einzigartigen Möglichkeit, internationale Startup Luft zu schnuppern und das nirgends anders als in den USA itself. Dabei auch noch alles von der US-Botschaft finanziert. Not bad! Sie berichtet uns über ihre persönlichen Erfahrungen, Lektionen und Impressionen.

Um was geht es bei dem Projekt „Austria to Austin: Student StartUp Exchange“?

Bei dem Austria to Austin-Projekt der US-Botschaft in Wien geht es vor allem darum, junge Menschen, die sich ins Unternehmertum trauen und Startups gründen wollen, zu unterstützen. Allen voran hat es sich US-Botschafterin Alexa Wesner (selbst erfolgreiche Gründerin) zur Aufgabe gemacht, ambitionierte, gründerwillige Österreicher/innen zu fördern und ihnen Werkzeuge für Entrepreneurship und Innovation näher zu bringen.

Bei dem zweiwöchigen Aufenthalt in Austin werden einem Grundlagen der Unternehmensgründung, ebenso wie spannende Firmenbesuche, sowie die Teilnahme an einer globalen Startup-Konferenz ermöglicht.

Wir starteten mit einem 3-tägigen Workshop bei Techstars in dem es von der Ideenfindung über Konzeptausarbeitung bis hin zu einem Pitch vor einer Jury ging. Ebenso besuchten wir Unternehmen wie Google, trafen uns zum Lunch mit Cisco oder erkundeten die neuesten Co-Working Spaces in Austin und San Antonio. Des Weiteren kamen auch kulturelle Unternehmungen nicht zu kurz: Wir kühlten uns zum Beispiel in Barton Springs ab, probierten die besten Food-Trucks in Austin oder besuchten das Capitol und lernten Two-Stepping.

Ist es das 1. Mal das eine solche interessante Initiative organisiert wird?

Ja, genau. Diese Initiative der US-Botschaft fand 2016 zum ersten Mal statt.

Aus über 700 fundierten Bewerbungen hat ein Komitee der amerikanischen Botschaft 18 österreichische Studierende ausgewählt, die vom 4. bis 19. Juli nach Austin, Texas, reisen durften.

Die Teilnehmer/innen kommen aus den verschiedensten Studienrichtungen aus österreichischen FHs/Unis – von Biotechnologie über Statistik, Jura, Medienmanagement bis hin zu Wirtschaftswissenschaften.

Da es ein so großer Erfolg war, wird es auch nächstes Jahr – im Juli 2017 – wieder stattfinden.

Wie meldet man sich da an? Wird man empfohlen, ausgewählt, muss man sich bewerben?

Ab November 2016 kann man sich auf der Webseite wieder anmelden.

Der Bewerbungsprozess besteht aus drei verschiedenen Auswahlrunden: Als erstes füllt man ein Formular aus und beantwortet Fragen rund um das Thema Gründung und warum man daran interessiert ist. In der zweiten Runde mussten wir Videos auf YouTube einreichen und dabei zwei konkrete Fragestellungen beantworten. Im letzten Schritt wurden persönliche Interviews in Innsbruck und Wien geführt.

Es geht weder um Noten oder Empfehlungen, vielmehr darum, sich selbst gut zu präsentieren und das Komitee von sich zu überzeugen.

Kann man sich da noch bewerben?

Ja, der Bewerbungsprozess geht bis zum 16. Jänner 2017. Ich freue mich schon auf unzählige Bewerbungen, da ich heuer auch im Auswahl-Komitee dabei sein darf. Im Juli 2017 werden sogar 23 Studenten/innen die Möglichkeit haben, nach Austin zu reisen und diese tolle Erfahrung mitzunehmen.

Was wird von den Teilnehmern erwartet?

Von den Teilnehmern wird erwartet, dass sie ambitioniert und motiviert sind. Im Zentrum steht auch der Wunsch, selbst zukünftig Gründer/in zu werden. Es ist auch egal, aus welchem Studiengang man kommt – es muss auf keinen Fall ein wirtschaftlicher Hintergrund sein. Solange man sich für die Startup-Szene interessiert, allgemein am Austausch mit anderen interessiert ist und gute Laune mitbringt, trifft man die Erwartungen der Organisatoren.

Wie finanziert man sich diese tolle Aktivität?

Man wird finanziert! Alle Ausgaben, wie Flüge, Hotel, Essen, … wurden von der US-Botschaft in Wien übernommen. On Top gab es dann noch 750 $ Taschengeld für den zweiwöchigen Aufenthalt in Austin. Darüber kann man sich wirklich nicht beschweren! Da wir so ein straffes Programm hatten und es Sinnvolleres zu tun gab als Shoppen zu gehen, kamen die meisten von uns sogar noch mit Extra-Taschengeld zurück.

Warum findet es gerade in Austin statt?

Wenn es um Startups geht, kommt einem sofort das Silicon Valley in den Sinn. Austin mausert sich aber derzeit gerade als der Hot-Spot für Tech-Entrepreneurs, ebenso wie für große Unternehmen. Austin hat ein ausgeprägtes Ökosystem an Inkubatoren, Acceleratoren und Investoren. Die Mieten sind um einiges günstiger als in Palo Alto oder New York und Firmen müssen dort auch keine Steuern zahlen. Daher zieht es immer mehr Gründer/innen in die texanische Hauptstadt.

Wieso ist der Austausch zwischen Österreich und den USA so wichtig?

Dazu gibt es viele, gute Gründe. Zum einen gelten die USA als weltweit führende High-Tech-Region – viele wichtige Innovationen entstehen dort. Sie sind uns einiges voraus, was Trends angeht. Amerikaner sind generell begeisterungsfähiger für neue Technologien. Schaut man sich die namhaftesten Startups der letzten Jahre an (z.B. AirBnB, Eventbrite, Uber, Facebook), kommen meist alle aus den USA. Wohingegen Österreich und Deutschland eher auf inkrementelle Innovationen setzen, nehmen vor allem amerikanische Startups schnell Fahrt auf. Um am Ball zu bleiben, ist es daher wichtig, dass Österreich auch Technologien wie zum Beispiel künstliche Intelligenz, Robotik oder Virtual Reality schneller vorantreibt und sich ein Beispiel an den USA nimmt.

Was können besonders (Jung-)Unternehmer die in Österreich ansässig sind aus der berühmten und innovativen Entrepeneur-Praxis in den USA lernen?

 Ein Unterschied, der mir besonders aufgefallen ist, ist die Einstellung der Menschen in den USA. Klappt es mit dem ersten Startup nicht, wird nicht sofort aufgegeben, sondern einfach weitergemacht. Nichts lehrt einen mehr als das Scheitern. Aus Fehlern lernen und das Gelernte sinnvoll umsetzen. Vor allem in Österreich und Deutschland ist Scheitern gesellschaftlich nicht gerne gesehen. Hier sollte schnell ein Umdenken stattfinden. Ich bin auch sehr beeindruckt, wie offen und freundlich Menschen in den USA sind. Was ich als sehr hilfreich empfunden habe, war der Tipp, sich früh einen Mentor zu suchen und während der Entwicklungsphase immer Kunden miteinbeziehen. Viele österreichische Gründer/innen haben Angst, ihre Idee mit anderen zu teilen, da der Gedanke überwiegt, die Idee könnte gestohlen werden. Dabei ist es sehr wichtig, sich immer wieder Feedback und Meinungen einzuholen. Auch im Netzwerken sind Amerikaner richtige Profis, da kann man sich auf alle Fälle etwas abschauen.

Ich finde es auch sehr mutig von vielen jungen Amerikanern zu gründen, obwohl sie nicht auf so ein tolles Sozialsystem, wie es Österreich hat, zurückgreifen können. Da gehört echt eine riesige Portion Mut dazu.

Welche Keynote-Speakers werden dieses Jahr (2017) bei der Global Roundup – Konferenz anwesend sein?

Dazu kann ich leider noch keine genaueren Infos geben, aber das wird bestimmt im Laufe der nächsten Wochen bekanntgegeben. Im Jahr 2016 waren einige sehr interessante Vortragende beim Global Roundup in der Capital Factory zu Gast. Von Ash Maurya, dem Erfinder des Lean Canvas und Autor des Buches Running Lean bis hin zu Tim Novikoff, der gerade einen erfolgreichen Exit an Google mit seinem Startup Fly Labs hinter sich hatte. Weiters wurden mehrere interessante Workshops organisiert, die Teilnehmer in Themen wie Startup-Marketing, Social Entrepreneurship, Funding, etc. ausbildeten.

Geht es nicht eher um das internationale Vernetzen wie dem wichtigen Ideentausch?

Doch, es geht natürlich auch um eine internationale Vernetzung, ebenso wie dem Ideenaustausch. Wir alle, die am A2A-Programm teilnahmen, hatten die Möglichkeit, uns in Austin jeweils einen eigenen Mentor zu suchen. Wir sind teilweise noch immer mit ihnen in Kontakt und sie beraten uns, wenn wir Fragen zu unseren Startups haben. Der Ideenaustausch fand vor allem bei Besuchen von dortigen Co-Working Spaces statt. Wir besuchten sehr viele verschiedene Startups, die uns über ihr neuartiges Businessmodel oder ihre kreative Produktidee erzählt haben.

Du hast ja selbst daran teilgenommen: was waren deine Motivation, Erwartungen, Erfahrungen? Haben sich diese erfüllt? Was hast du daraus mitgenommen? Und wie war das intensive Vorbereitungstraining wie das halbjährliche Mentoring danach?

Ich war sehr motiviert, daran teilzunehmen. Da ich ja selbst irgendwann gründen wollte und ich mein Studium kurz davor abgeschlossen hatte, war es der perfekte Zeitpunkt, an diesem Programm teilzunehmen. Meine Erwartungen waren ziemlich hoch und wurden auch mehr als übertroffen. Das Programm war sehr professionell organisiert und ein perfekter Mix aus kulturellen Aktivitäten, Workshops und Unternehmensbesuchen. Was ich am tollsten finde: Wir sind als Gruppe so gut zusammengewachsen, dass wir immer noch in sehr engem Kontakt stehen und uns regelmäßig zu einer A2A-Reunion treffen. Ebenso habe ich wertvolle Insights und Tipps sammeln können, die mir bei meinem eigenen Startup derzeit sehr weiterhelfen. Das Vorbereitungstraining fand direkt in der US-Botschaft in Wien statt. Wir wurden zu den wichtigsten Punkten gebrieft und alle auf denselben Wissenstand zum Thema Startup gebracht. Das Mentoring danach ist auch sehr hilfreich. Es wird jeder noch einmal individuell gefragt, in welchen Bereichen sie/er Hilfe benötigt und welche Kontakte dabei helfen könnten. Im Anschluss wird versucht, diese einzelnen Parteien miteinander zu vernetzen.

Wurde deine Projektidee umgesetzt? Was für Hürden gab es und in wie weit half dir die Teilnahme an der Umsetzung deines persönlichen Projektes?

 Meine Projektidee wurde in Austin umgesetzt und wir arbeiteten als Gruppe innerhalb von drei Tagen das Konzept aus. Da wir aber noch sehr viele aktive Studenten/innen dabeihatten, haben wir die Idee in Österreich nicht weiter vorangetrieben. Ich arbeite derzeit an einer anderen Startup-Idee und merke immer wieder, wie hilfreich die zwei Wochen in Austin waren. Ich habe sehr viel von dort mitnehmen können und kann vieles direkt auf mein jetziges Startup übertragen.

Ist ein Studium in Zeiten einer krisenhaften Universitätslandschaft überhaupt noch notwendig? Ist heutzutage eher Berufserfahrung notwendig, um ein erfolgreicher Entrepeneur zu werden?

Das ist eine gute Frage. Ich denke nicht, dass ein Studium zwingend erforderlich ist. Es gibt mittlerweile ein gutes Ökosystem für Startups – auch hier in Österreich. Berufserfahrung ist nicht unbedingt von Nöten. Das, was ein erfolgreicher Entrepreneur braucht, ist meiner Meinung nach nur die Leidenschaft für seine Idee. Wenn ein Gründer/in total für seine Idee brennt und sein ganzes Herzblut reinsteckt, genügend Motivation mitbringt und ein gutes Team involviert ist, dann kann es auch ohne Studium/Berufserfahrung gut funktionieren. Es gibt mittlerweile sehr viele gute Bücher, Blogs oder Gründerveranstaltungen, die einen auch gut auf die Startup-Welt vorbereiten. Ein Tipp, den ich auch noch geben kann: Sucht euch so früh wie möglich einen guten Mentor, der euch bei eurer Unternehmung unterstützt.

Was würdest du uns gerne noch diesbezüglich mitgeben?

Wer sein eigenes Startup gründen möchte, sollte es einfach tun. Es wird nie den einen richtigen Zeitpunkt geben, in dem alles passt.

Das A2A-Programm ist eine wirklich tolle Gelegenheit, viele Eindrücke zu sammeln und interessante Personen kennenzulernen. Wir sind auch regelmäßig bei der amerikanischen Botschafterin zum Entrepreneur Working Breakfast eingeladen und wurden in das Netzwerk der US-Botschaft aufgenommen.

Carina Margreiter hat im Juni dieses Jahres ihr Masterstudium in Strategic Management (MSc.) mit Spezialisierung in Innovation & Entrepreneurship an der Universität Innsbruck mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschloßen. Sie hatte außerdem die Möglichkeit, im Frühjahr ein Praktikum beim Accelerator der University of California, Berkeley, zu absolvieren und dabei großartige Startup-Atmosphere im Silicon Valley zu spüren. Des Weiteren wurde sie im Juli von der amerikanischen Botschaft in Wien zu einem zweiwöchigen Aufenthalt in Austin eingeladen, um speziell im Bereich Entrepreneurship und Innovation wertvolle Einblicke zu gewinnen. Seit August arbeitet Carina an ihrem eigenen Startup-Projekt in München.

Weitere Informationen unter:

Wer Eindrücke von A2A gewinnen möchte, kann auch gerne unser Video auf Youtube anschauen: https://youtu.be/Z4Gz9WKz5Mg oder die US-Embassy Vienna auf Facebook oder Twitter anklicken. Allgemeine Infos zum Programm gibt’s hier: http://austriastartups.3daystartup.org/