oder: Warum Tirol das bessere Silicon Valley ist

Interview mit Michael Niedermayr

 In den Köpfen der jungen Gründer des Startups Blue Sparrow schwirrt nur ein Thema herum: Drohnen, Drohnen und noch mehr Drohnen. Die Begeisterung für Technik und Fotografie gepaart mit der Liebe für den Standort Tirol brachte die 3 Jungs auf die Idee, eine Drohne für Freizeitfotografen zu kreieren, „die selbst für die Oma leicht zu handhaben ist“. Und bald wird es ernst: der Marktlaunch der stylischen und praktischen fliegenden Kamera ist für das kommende Jahr geplant. Die Gründer haben jedoch einen langen Weg hinter sich: zahlreiche Stunden tüftelten sie in der Werkstatt, kämpften um Förderungen und versuchten, Investoren zu werben, denn so ein ambitioniertes Projekt finanziert sich natürlich nicht von selbst. Ich habe den Gründer Michael Niedermayr in seiner Tüftelwerkstatt getroffen, die neuste Version der Drohne selbst ausprobiert, die köstliche Esterhazytorte seiner Freundin gekostet und nebenbei so einiges über den Standort Tirol und die Investorensuche erfahren.

 

„Top Secret“ lautet die Devise beim Startup Blue Sparrow: der Internetauftritt des jungen Drohnennunternehmens ist eher spärlich und geheimnisvoll und bei meinem Rundgang durch die Firmenräume sind Fotos tabu – zu groß ist die Gefahr, dass den Forschern so kurz vor dem Marktlaunch die Idee gestohlen werden könnte. Diese Gefahr besteht leider bei vielen Startups, welche sich mit technischen Innovationen auseinandersetzen. Auch wenn ich dieses Argument natürlich nachvollziehen kann, finde ich es äußerst schade, würde ich zu gerne meine Eindrücke von der Werkstatt der Entwickler festhalten: von dem Eingangsraum voller Drohnenmodelle, welche die Entwicklung der fliegenden Kamera von einer unförmigen Riesenkamera bis hin zur windschnittigen und schicken Mini-Drohne zeigen, bis hin zum Testraum, in welchem die Funktionstüchtigkeit des aktuellen Modells durch Netz und Leine gesichert getestet werden kann, gibt es viel Spannendes zu entdecken.

Doch wer sind die drei Gründer von Blue Sparrow eigentlich? Michael, Stefan und Moritz, alle Anfang 30, alle technikbegeistert, alle ambitioniert. Ein Physiker, ein Architekt, ein Betriebswirt. Das perfekte Team, um ihre Idee zu verwirklichen: die erste wirklich alltagstaugliche fliegende Kamera auf den Markt zu bringen. Die Frage, wie sich Stefan und Michael kennengelernt haben wird überflüssig, als ich erfahre, dass die beiden Brüder sind. Moritz lernten sie im Rahmen eines vorherigen Drohnenprojekts kennen und holten ihn sofort ins Boot.

Die Idee zu der alltagstauglichen Mini-Drohne ging vom physikbegeisterten Michael aus. Dieser forschte im Rahmen seines PhDs an einem Quantencomputer, was er zwar höchst spannend fand, aber erst in einigen Jahrzehnten umsetzbar sein wird. Der Wunsch nach einem schneller zu realisierendem Projekt und seine Liebe zum Filmen brachten ihn auf die Idee, in die ohnehin boomende Drohnenbranche einzusteigen. Doch trotz des Booms ist die Alltagstauglichkeit der Blue Sparrow-Drohne ein Alleinstellungsmerkmal. Die einfache Handhabung durch eine App und das leichte Gewicht von ca. 200g machen sie zum perfekten Accessoire für jeden Hobbyfotografen, da bei Drohnen bis 250g noch keine Fluggenehmigung notwendig ist. Michael machte aber auch klar, was die fliegende Kamera nicht ist: nämlich eine klassische Sportkamera. Krasse Sportaufnahmen sind durch die geringe Größe der Kamera nicht möglich, sie steht daher nicht in Konkurrenz zu den klassischen Action-Cams und ist eine reine Freizeitkamera. Ein weiterer Grund für die Gründung eines eigenen Unternehmens war die Schaffung eines spannenden Arbeitsplatzes im Herzen der Alpen – denn in Innsbruck ist es für motivierte Physiker nicht leicht, einen Arbeitsplatz zu finden.

Dass Innsbruck für Outdoorsportler der Place to be ist, hat mittlerweile schon fast jeder mitbekommen. Doch ist die Hauptstadt der Alpen auch geeignet für junge Unternehmer? Michael ist davon mehr als überzeugt. Der junge Physiker arbeitete während seines PhDs bereits in einem Drohnen-Startup im berühmt-berüchtigten Silicon Valley mit, DER Wiege der amerikanischen Technikunternehmen, und hat so den optimalen Vergleich zu den Qualitäten des „Inn Valleys“. Sein Fazit: Innsbruck braucht sich nicht zu verstecken!

  • Lebendige Startup-Szene: Auch in Tirol gibt es zahlreiche Initiativen, welche junge Unternehmer unterstützen, informieren und zusammenbringen, so etwa einige Co-Working Spaces, Veranstaltungen oder auch Startalps.
  • Große Unterstützung: Finanzielle Unterstützung erhielten die Jungs relativ problemlos durch CAST und das Land Tirol; zudem gibt es viele weitere Initiativen wie z.B. die Standortagentur, an die sich junge Gründer wenden können.
  • Hohes Bildungsniveau: Die Universität Innsbruck kann in einigen Bereichen durchaus mit dem Niveau der amerikanischen Eliteunis mithalten. Also optimale Verhältnisse, um hochqualifizierte Absolventen für das junge Unternehmen anzuwerben!
  • Positives Umfeld und Aufbruchstimmung: Den größten Vorteil sieht Michael in der größeren Aufbruchstimmung in Innsbruck. „Das Startup ist etwas Neues, die Leute finden es cool und unterstützen einen ohne Geld zu wollen.“ – so fasst Michael die Situation in Innsbruck zusammen. Denn das „professionelle Gründen“ im Silicon Valley bringt nämlich den Nachteil mit sich, dass ein enormer Konkurrenzkampf herrscht und es schwerer ist, die Leute für die Unterstützung eines Projektes zu begeistern. Die angenehme Atmosphäre in Innsbruck bietet also eine gute Basis, um Innovationen zu verwirklichen.

Doch auch das Gründen in Innsbruck ist eine Medaille mit zwei Seiten, denn die fehlende Professionalität der Startup-Szene bringt auch ihre Nachteile mit sich.

  • Unbekanntheit des „Startups“: Das „Startup“ ist hier leider noch nicht jedem ein Begriff, und so vergeudet der ein oder andere Gründer eine Menge Zeit damit, zu erklären, was er da überhaupt macht.
  • Ungünstige Gesetzeslage: Auch die Gesetzeslage in Österreich bietet nicht die besten Voraussetzungen für junge Unternehmer, da die Beteiligung von Mitarbeitern schwierig ist und grundsätzlich notariell gegründet werden muss – eine teure und unnütze Angelegenheit.
  • Mangelnder Unternehmergeist: Und mögen die Menschen in Tirol noch so nett und aufgeschlossen sein – Michael wünscht sich ein bisschen mehr Unternehmergeist und Ehrgeiz (auch in ganz Österreich). Denn hier hat verständlicherweise oft der Sport Priorität vor der Arbeit, doch auch ein Unternehmen kann Spaß mache und motivieren!
  • Fehlende Investoren: Zudem können fehlende Investoren den Traum vom Unternehmen bremsen – in der Hinsicht hat man es im Silicon Valley dann doch um einiges leichter, da viel in Startups investiert wird.

Trotz Stolpersteinen sind die Jungs froh, das Unternehmen gegründet zu haben, und fiebern begeistert dem Marktlaunch entgegen. Da es ziemlich danach aussieht, dass die schicke und praktische fliegende Kamera ein voller Erfolg wird, will ich natürlich das Erfolgsrezept der 3 Technikfreaks bzw. ihre Tipps an andere Gründer erfahren.

  • Kommunikation: Michael stellt fest: wenn man ein Problem oder eine Idee hat, haben in den meisten Fällen andere Leute das gleiche schon mal (durch-)gemacht. Egal ob andere Unternehmen, Förderstellen, Anwälte oder Steuerberater, jeder kann einem auf seine Art weiterhelfen und neue Perspektiven bieten.
  • Durchhaltevermögen: Jeder Gründer wird sicher einmal Zeiten durchleben, im denen es einfach nicht so läuft, und gerade dann ist es wichtig, den Mut und die Motivation zur Umsetzung der Idee nicht zu verlieren. Michael fasst es so zusammen: „Gib niemals auf – außer es ist eine Scheißidee!“
  • Kritikfähigkeit: auch wenn es manchmal nicht einfach ist, damit umzugehen, ist offenes und ehrliches Feedback das A und O, um zu wachsen und sich zu verbessern. Vor allem potentielle Kunden sollten involviert werden.
  • Investorensuche: Da besonders die Investorensuche den ein oder anderen Unternehmer ins Schwitzen bringt, hat Michael auch diesbezüglich ein paar Tipps parat, denn auch Blue Sparrow ist momentan auf der Suche nach neuen Investoren: „Vollständige Unterlagen vorbereiten und gut aufbereiten. Versuchen, mit vielen verschiedenen Investoren zu sprechen und sich nicht durch Absagen entmutigen lassen. Am Ende des Tages zählen nicht die 20 Absagen, die man bekommen hat, sondern nur die eine Zusage. Und natürlich Networking. Zu allen Veranstaltungen gehen, auf denen man mögliche Investoren treffen könnte und dort aktiv mit den Leuten sprechen.“

 „Spannend. Ein Abenteuer. Eine Herausforderung.“ So beschreibt Michael das Abenteuer „Startup“. Die nächsten Monate bis zum Launch des Unternehmens werden natürlich spannend und intensiv, doch auch wenn das Produkt auf dem Markt ist, ist die Reise noch lange nicht zu Ende: die Jungs wollen fleißig im Bereich Drohnen und Robotics weiterforschen und auf lange Sicht das Leben der Menschen erleichtern, indem sie Roboter erfinden, welche ihnen gefährliche Aufgaben abnehmen können. Als Beispiel nennt Michael den Einsatz in der Bergrettung zur Kommunikation mit Verletzten. Richtige Weltretter also. Welcher Investor kann da eigentlich schon Nein sagen?!