Fast Casual Dining in Innsbruck

Das Stadtmagazin 6020 attestiert dem Restaurant „Ludwig“, dass es kaum ein Lokal in Innsbruck „bis jetzt länger geschafft hat, so angesagt zu sein“. Im Gespräch erzählt Angela Hauser, die zusammen mit ihrem Mann, dem Tiroler Erich Hauser, das „Ludwig“ im September 2014 eröffnete, was dahinter steckt.

Wer hatte die Idee für das Burger-Restaurant und wie kam es zum Namen?

Mein Mann Erich hatte die Idee. Wir finden, Ludwig ist ein schöner Name, und außerdem hat mein Urgroßvater so geheißen.

Was hat Sie dazu inspiriert und wie kam es zum Standort Innsbruck?

Mein Mann und ich lebten nach unserem Studium zehn Jahre in London. Ich arbeitete im Marketing und er im Investment Banking. In London haben wir beobachtet, dass Fastfood erfolgreich auf Restaurant-Level angeboten wurde. Jeder isst gern Burger, aber nicht unbedingt immer aus einem Karton, sondern lieber auf einem Teller in schöner Atmosphäre. Da es so etwas in Österreich nicht gibt, haben wir daraufhin mehrere Standorte angeschaut, konkret Innsbruck und Salzburg, ersteres erhielt den Vorzug, weil die Immobilie interessanter war.

Die Restaurant-Idee eröffnete uns die Möglichkeit, mit unseren beiden Kindern nach Österreich zurückzukommen und selbständig zu werden. Wir hatten die Idee, haben am Konzept gefeilt und einen Business-Plan erstellt. Inspiriert haben uns letztlich die Zahlen, die herauskamen (lacht). Wir waren vom Produkt Burger überzeugt. Qualität, Regionalität und das sogenannte Fast Casual Dining haben uns als Konzept begeistert. Außerdem war uns wichtig, dass das Essen nicht zu teuer ist.

Das haben wir uns auch immer gewünscht: Ein „demokratisches“ Produkt zu haben, das jeder mag, ohne Altersbeschränkung.

Wie lange dauerte es von der Idee bis zur Eröffnung und was haben Sie in der Zeit gemacht?

Es dauerte über ein Jahr. In der Zeit haben wir das Konzept erstellt und sehr genau geplant. Am Anfang stand die Frage: Was ist unser Produkt? Wir haben mit der Speisekarte begonnen, das nächste war die Größe des Lokals und danach haben wir eine Warenkalkulation erstellt. Darauf basierend haben wir errechnet, wie viel Gäste bereit sein würden für das Produkt auszugeben und wie viele Gäste letztlich notwendig sind, damit es sich rentiert. Dann mussten wir entscheiden, ob wir das Risiko eingehen wollten. Im Zuge dieses Prozesses haben wir umfassende Recherchen angestellt, mit Gastronomen gesprochen, mit Leuten auf der Straße und wir haben geprüft, wie frequentiert der potentielle Standort ist.

Als wir das Lokal gefunden hatten, waren Umbauarbeiten notwendig, noch wichtiger aber die behördliche Genehmigung, es gab strenge Auflagen bezüglich Lüftung, Toiletten, Notausgänge, Hygienevorschriften, Müllentsorgung und Anforderungen des Arbeitsinspektorats. Wir haben eine offene Küche, die entsprechenden Regeln unterliegt.

Mit welchen drei Begriffen würden Sie das Restaurant beschreiben?

Handwerk – Regionalität – frisch zubereitete Gerichte.

Was ist das Besondere am „Ludwig“?

Wir stellen ausgebildete Köche und Kellner ein. Seit 2017 sind wir ein Lehrbetrieb. Uns ist auch bei diesem sogenannten einfachen Produkt wichtig, dass alles von Köchen zubereitet wird, die durchaus ihre Kreativität einbringen sollen.

Wir haben ein sehr junges Team. Der Umgang mit den Mitarbeitern ist wichtig, die Frage, welches Betriebsklima wünsche ich mir? Wir haben einen recht kollegialen Umgang. Das Besondere an „Ludwig“ sind letztlich die Menschen, die es ausmachen, und die Produkte, mit denen wir arbeiten.

Wie groß ist der Betrieb?

Wir haben 23 Mitarbeiter mit unterschiedlichem Beschäftigungsausmaß. Wir selber sind sehr oft und viel im Betrieb.

An welches Publikum wollen Sie sich richten?

Ins „Ludwig“ geht eigentlich jeder. Das haben wir uns auch immer gewünscht: Ein „demokratisches“ Produkt zu haben, das jeder mag, ohne Altersbeschränkung.

Wie reagieren die Gäste?

Es gibt sehr gutes Feedback. Die Leute sind begeistert, gerade am Anfang gab es auch gewisse Kritik, besonders bei der Preisgestaltung. Wichtig ist, dass man seinen Kunden gegenüber ehrlich ist – mit ehrlichen Produkten und ehrlicher Preisgestaltung: Wenn ich Bio-Fleisch einkaufe, es im Haus von Köchen zubereiten lasse, alle Beilagen frisch verarbeite und das Gericht dem Gast auf einem gedeckten Tisch serviere, in schönem Ambiente mit ausgewählten Getränken, dann darf ich auch mehr verlangen als wenn ich Tiefkühlprodukte in einer Box verkaufe. Das hat sich durchgesetzt.

Welche Trends bedienen und setzen Sie?

Wir bedienen den Trend zu ausgewogener, bewusster Ernährung. Ungezwungen essen zu gehen, eben Casual Dining. Wir bieten vegane Kost an, aber Trendsetter sind wir nicht.

Den „Schachtl-Wirt“ gibt es schon lange, auch andere Restaurants, die Burger anbieten. Mit der Spezialisierung auf qualitativ hochwertige Burger ist „Ludwig“ in Innsbruck allerdings einzigartig.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Sehr zufrieden (lacht). Der Erfolg und das positive Feedback freuen uns. Wir haben ein engagiertes Team, eine super Lage und ein gutes Produkt. Es spielt vieles gut zusammen und führt zu diesem Ergebnis. Man muss allerdings auch was dafür tun, die Mitarbeiter bei Laune halten und für ein angenehmes Betriebsklima sorgen. Man muss den Leuten den Spaß bei der Arbeit lassen.

Warum sind wir angesagt? Vielleicht weil die Hemmschwelle für Gäste niedrig ist und es einfach richtig gute Burger gibt. Das Lokal ist in den drei Jahren im Alltag der Einheimischen angekommen. Man geht gern einmal schnell zum „Ludwig“. Da ist es schön und unkompliziert.

Wie soll es weitergehen?

In Innsbruck „rennts“, trotzdem stehen wir nie still. Es geht um Kleinigkeiten, wir wollen kontinuierlich die Speisekarte anpassen, fortwährend schauen, welche neuen Trends es gibt. Die Getränkeauswahl verbessern, das Lokal noch schöner gestalten. Die Ideen dazu finde ich in den sozialen Netzwerken und in internationalen Fachzeitschriften.

„Ludwig“ gibt es inzwischen auch in Salzburg…

Ja, es gibt das Restaurant seit März 2016. Erich und ich sind die Inhaber, mein Bruder ist der Geschäftsführer. Das ist ein ganz anderes Lokal, mit Innenhof und Gastgarten. Im gleichen Stil eingerichtet wie das Innsbrucker Lokal und doch anders. Die Materialien Beton, Holz, Metall und Leder stehen hier wie dort für Stil und Qualität.

Gibt es neue Projekte?

Die Köpfe rattern… Es ist eine Frage der Energie und der Kapazitäten.

Was raten Sie angehenden GründerInnen?

Es ist ganz wesentlich, die amtlichen Abläufe vorher zu klären. Kompetente Hilfe gibt es beim Gründerservice der Wirtschaftskammer. Sehr hilfsbereit und freundlich war man insgesamt bei den Behörden in Tirol.

Zur Person

Name: Angela Hauser

Wohnort: Radfeld

Ausbildung: BWL-Studium in Linz

Beruf: Inhaberin und Geschäftsführerin (Marketing) des „Ludwig“ gemeinsam mit ihrem Mann Erich Hauser (Finanzen)

Lebensmotto: Ehrlich währt am längsten.

http://www.ludwig-burger.at/

Copyright Fotos: Das Ludwig

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