Der CoWo Tirol auf dem Patscherkofel ist seit 9. Januar in der zweiten Runde.   Bereits vergangenen Oktober wurde das dreiwöchige Pilotprojekt getestet. Die Standortagentur Tirol steckt hinter diesem neuartigen Konzept, welches die digitale Welt mit dem alpinen Raum verknüpft. Am 9. April ist es dann vorbei mit dem Coworking auf 1963 Metern Höhe – die Suche nach neuen Standorten ist bereits in vollem Gange.

Über Lob und Kritik, Verbesserungen und die Zukunft des CoWo spricht der Geschäftsführer Harald Gohm.

Die Standortagentur Tirol versucht immer wieder Trends aufzugreifen – Deswegen hat sich auch das Pilotprojekt des CoWo auf dem Patscherkofel entwickelt. Welche Ideen liegen dem Konzept zugrunde?

In den letzten Jahren haben wir immer die Stärke Tirols vernachlässigt. Deswegen wollten wir unseren Trumpf, die Natur, ausspielen und mit Konzepten verknüpfen, die es nur im städtischen Raum gibt: So ist der CoWo Tirol entstanden: Ein Raum, wo man sich mit Gleichgesinnten trifft, wo man Risikokapitalgeber findet, wo neue Ideen und kreative Lösungen entstehen. Bei der Suche nach möglichen Standorten ist uns der Patscherkofel ins Auge gefallen. Wir wollten herausfinden, ob es funktioniert, die digitale Welt mit dem Tourismus im alpinen Raum zu verknüpfen. Und ja, es ist ein Erfolgskonzept.

Euer Konzept, das Arbeiten über den Dächern Innsbrucks, ist zumeist auf Begeisterung gestoßen, bei Startups, EPUs, etablierten Unternehmen und Coworkern. Kritiker bemängelten jedoch die kurzen Öffnungszeiten (9-16 Uhr), störten sich am schlechten Handynetz und empfanden das Tagesticket als überteuert (24 Euro inklusive Berg- und Talfahrt). Was wurde für die zweite Testphase von 9. Januar bis 9. April geändert?

Die Öffnungszeiten des CoWo sind mit der Bahnbetriebszeit gekoppelt. Es war uns von Anfang an bewusst, dies wird das größte Problem sein. Aber es gibt auch die Möglichkeit, oben zu übernachten oder mit dem Fahrrad hinauf bzw. hinunter zu fahren. Dann kann der CoWo auch länger genutzt werden. Eigentlich soll ein Ort auf 1963 Höhenmetern nicht das Büro in der Stadt ersetzen, sondern ein Ort der Ruhe und Kreativität sein. Deswegen ist es fast ironisch, wenn jemand das schlechte Handynetz kritisiert. Weit wichtiger ist ein tadelloser WLAN-Empfang und der ist gegeben.

Der CoWo bietet Tischplätze für 30 Coworker, man kann aber auch gemütlich auf den Sofas fläzen und in entspannter Atmosphäre arbeiten. Auch wenn es der höchste Coworking-Space der Alpen ist, der Kostenfaktor bleibt für viele ein Kritikpunkt…

Ja, aber da ist die Berg- und Talfahrt dabei. Abzüglich dieser bleibt noch der typische Tagessatz eines CoWo Platzes übrig: 12 bis 14 Euro. Der CoWo Tirol ist nicht als täglicher Büroersatz gedacht, sondern als ein temporärer Ausbruch aus ebendiesem, um andere Leute zu treffen und die Kreativität zu beflügeln. Deswegen gibt es in der momentan zweiten Testphase auch nur mehr zwei Tage in der Woche, in denen man den CoWo Space einzeln nutzen kann. An allen anderen Tagen kann er von Firmen gemietet werden.

Nicht nur die zweite Testphase des CoWo hat ein Ablaufdatum, auch die Räumlichkeiten des Panoramarestaurants werden bald abgerissen werden. Es gibt die Idee, das Konzept auf andere Destinationen anzuwenden. Gibt es bereits erste Schritte?

Die Idee am Patscherkofel muss nicht gestorben sein, aber der temporäre Versuch ist mit April vorbei. Es wird eine neue Gipfelstation entstehen, die vielleicht auch Coworkingelemente hat. Für uns ist das Pilotprojekt mehr als erfolgreich gewesen. Wir haben jetzt völlig neue Zugänge und Kontakte zu internationalen Unternehmen und Investoren, wir haben medial durchaus für Aufsehen gesorgt und unser „Dreiecksprinzip“ hat sich bewährt: Das Konzept spricht Einheimische, Gäste sowie Unternehmen, Forscher und Entwickler an. Uns schwebt ein Tiroler Bergdorf als CoWo Tirol Space vor. Die Gespräche mit mehreren Tourismusdestinationen laufen. Geplant ist temporär an verschiedenen Standorten die Zelte aufzuschlagen und in einem zweiten Schritt internationale Firmen v.a. aus dem Bereich der digitalen Technologie aber auch der Sporttechnologie einzuladen. Welche Orte zur Debatte stehen, kann ich noch nicht verraten, nur dass dort urbaner Schick und alpiner Raum aufeinandertreffen.

Der CoWo Tirol adressiert also nicht nur Startupler?

Das Konzept selbst geht über das Coworking hinaus, weil sonst hätten wir auch in der Stadt bleiben können. Unser Konzept ist völlig neu und stößt auf Begeisterung. Es zieht internationale große Firmen an und das hilft wiederum heimischen Unternehmen, Beziehungen zu knüpfen. In den geplanten CoWo Bergdörfern werden dann große Unternehmer und Startupler nebeneinander arbeiten.

(c) Beitragsbild: Cowo Tirol