Quid est

Das projekt.service.büro (psb) ist heute nicht mehr aus der Innsbrucker Forschungslandschaft weg zu denken. Das Büro wurde vor 16 Jahren gegründet und ist seitdem nicht nur hinsichtlich des Teams sondern vor allem in der Bandbreite seiner Services, Betreuung und Expertise gewachsen. Um mehr über eine der ersten Forschungsservice-Einrichtung an einer österreichischen Universität zu erfahren, sprachen wir mit Dr. David Lederbauer, Mitarbeiter im projekt.service.büro.

Wie alles begann…

Die Situation des heute sehr erfolgreichen und gelungenen Projektes sah im Jahr 2000 gänzlich anders aus. Der damalige und jetzige Leiter Dr. Kurt Habitzel hatte mit nur einer halben Stelle begonnen, bis das Team auf drei bis vier Personen anwuchs. Mit ein Grund dafür war das 2002 neue beschlossene Universitätsgesetz, das 2004 in Kraft getreten war und alle Universitäten massiv verändert hatte. So mussten sich die WissenschaftlerInnen der Universität verstärkt um die Drittmittelakquise kümmern. Dr. Lederbauer ergänzt aber auch im Bereich „geistigen Eigentum“ hat sich einiges verändert. Da hat es viel mehr Regelungsbedarf gegeben und das wurde natürlich dann auch relativ stark von Seiten des Ministeriums gefördert, hier Kapazitäten aufzubauen“. Auch wenn der Name der Institution etwas altmodisch klingt, so ist es um mit den Worten Lederbauers auszudrücken „ein Kind seiner Zeit“. Klar ist aber, was im Mittelpunkt steht: der Servicegedanke.

Ziele und Finanzierung

Das Ziel des psb ist es, die bestmögliche Unterstützung für die Innsbrucker WissenschaftlerInnen in allen Aspekten der Drittmittelforschung zu bieten. Um die ForscherInnen von diesem damit verbundenen hohen Arbeitsaufwand von Drittmittelprojekten zu entlasten, bekommen diese eine maximale sowie professionelle Hilfe. Das Büro arbeitet in vier Arbeitsbereichen: Projektantragsberatung, juristische Beratung, Beratung zum geistigen Eigentum sowie Projektadministration. Lederbauer erklärt: „Das Büro ist als sogenannte Organisationseinheit integraler Bestandteil der Universität Innsbruck. Das Gros der Finanzierung wird auch von ihr getragen, allerdings finanziert das psb auch immer wieder Personal über eigene Drittmittelprojekte.“

Was bietet es denn eigentlich alles an?

Das projekt.service.büro berät bei der Beantragung und Administration von Drittmittelprojekten und bietet aber auch umfassende juristische Hilfe bei der Gestaltung diverser Verträge und professionelle Unterstützung für die ForscherInnen bei der Sicherung und Verwertung von geistigem Eigentum. Die folgenden Services werden angeboten:

  •         Entwicklung von Projektkonzepten
  •         Auswahl passender Fördermöglichkeiten
  •         Verfassen & Einreichen von Projektanträgen
  •         Vertragsprüfungen, Vertragserrichtungen & Vertragsverhandlungen
  •         Sicherung & Verwertung von geistigem Eigentum
  •         Durchführung & Verwaltung von Projekten
  •         GVO bzw. Tierversuchsanträgen
  •         Aufenthaltsbewilligungen ausländischer ForscherInnen aus Drittstaaten

Ist das denn unbedingt notwendig?

„Die Beantragung und Implementierung von Drittmittelforschung ist ein derart komplexes und aufwendiges Feld, dass ohne eine entsprechend professionelle Unterstützung viele WissenschaftlerInnen wohl schon bald frustriert das Handtuch werfen würden. Wir bemühen uns daher darum, die Beantragung und Abwicklung so leicht wie möglich zu machen, indem wir professionell und pragmatisch Hilfestellung in diversesten Fragen anbieten,“ stellt Lederbauer fest.

Inanspruchnahme dieser Leistungen & Austausch und Vernetzung

Diesbezüglich scheint es schwer an verifizierbare Daten zu gelangen, da es zum einen eine große Anzahl an Anfragen gibt, diese aber nicht systematisch durch das psb erfasst werden. Immerhin unterhält das psb eine Mailingliste mit über 1400 AbonnentInnen.

Das psb ist gut mit den verschiedensten Akteuren vernetzt. Dies reicht von MitarbeiterInnen in den österreichischen Ministerien, und den verschiedenen nationalen und regionalen Förderstellen bis zu den Forschungsservices anderer Universitäten. Dieses Netzwerk wird weiter kontant ausgebaut. Mit der 2015 an der Universität neu gegründeten Transferstelle Wissenschaft – Wirtschaft – Gesellschaft wird ein weiterer Akzent in Richtung Vernetzung gesetzt.

Erfolgschancen und die Situation in Tirol

Die Erfolgsquote bei der Bewilligung der Drittmittelprojekte ist wie auch an anderen Universitäten oder im internationalen Trend relativ niedrig. Die Durchschnittsziffer beläuft sich auf 15%, manchmal gibt es gar „Traumwerte“ von bis zu 30%. Dazu kommentiert Lederbauer „Es ist aber eindeutig so, dass WissenschaftlerInnen, welche unsere Services in Anspruch genommen haben, in der Regel erfolgreicher sind. Es gibt natürlich auch schon die alten Hasen, die wissen schon wie es geht, aber gerade für NachwuchswissenschaftlerInnen ist der Unterschied oft entscheidend. Bin ich dabei oder nicht? Und das spornt uns natürlich an unseren Service laufend zu verbessern.“

3 kurze Fragen an Dr. David Lederbauer:

  1. Wie viele Personen stecken hinter dem psb?
    Vom Jahr 2000 mit einer 2 Mann Teilzeitgruppe zu 11 Köpfen (8 Vollzeitäquivalenten).
  1. Was für einen Background habt ihr?
    Unterschiedlich: Recht, Biologie, Geschichte, Germanistik, Physik, Politikwissenschaft.
  1. Wie seht ihr das Entrepreneur-Potential in Tirol?
    Das Potenzial ist groß wie in ganz Österreich. Gerade im universitären Umfeld werden Gründungen ein immer wichtigerer Verwertungsweg von universitärem geistigem Eigentum. Die Universität Innsbruck setzt daher auf Awareness-Maßnahmen und Fortbildungsangebote für MitarbeiterInnen und Studierende im Bereich Entrepreneurship. Zugleich werden Services und Räume für interessierte GründerInnen angeboten (Inncubator). Wird tatsächlich ein universitäres Spin-off gegründet, betreibt die Universität Innsbruck ein aktives Beteiligungsmanagement in Form der Uni Holding. Diese bietet nicht nur Know-how an in Fragen zu Gründungen sondern verfügt auch über ein großes Netzwerk zu Firmenpartnern und anderen relevanten Stakeholdern (bspw. Investoren).