Was bedeutet das Paket konkret für Startups (in Tirol)?

Das am 05. Juli 2016 veröffentlichte Startup Paket der Bundesregierung hat für viel Furore gesorgt. 185 Millionen Euro bis ins Jahr 2019 sollen dabei helfen, Österreich als Gründerland deutlich attraktiver und ansprechender zu gestalten. Doch was sind die wichtigsten Punkte dieses verabschiedeten Pakets und was bedeutet es für die Startup Unternehmen konkret?

Die im April 2015 in Kraft getretene Gründerlandstrategie war ein erster, selbst postulierter Schritt in die vorgegebene Richtung, Europas Startup Land Nummer 1 zu werden. Laut Angaben des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft hat diese Maßnahme allein im Jahr 2015 acht junge und internationale Unternehmen vom Standort Österreich überzeugt und somit über 2,7 Millionen Euro an Investitionssummen eingebracht.

Nun bekam Staatssekretär Mahrer durch Neu-Kanzler und Ex ÖBB Vorstandsvorsitzender Christian Kern die lang ersehnte Unterstützung an der Startup-Front. Kern war der erste Kanzler, der das Pioneers-Festival besuchte und dort betonte, wie wichtig Startups für Österreich wären. Er kündigte an, die Gründungen und Finanzierungen zu erleichtern.

Harald Mahrer betonte im Zuge des Startup Pakets, dass damit die Gründerlandstrategie ins „Next Level“ gehoben würde.

Doch was bedeutet das Startup Paket nun tatsächlich?

Ein Überblick der Maßnahmenpakete:

  • Gründerjahre werden erleichtert: die ersten drei Mitarbeiter von innovativen Startups werden für drei Jahre Dienstgeber-Lohnnebenkosten befreit. Das soll den Startups pro Jahr Ausgaben in Höhe von bis zu 30.000 Euro ersparen bzw. die Lohnnebenkosten um rund 25% verringern.
  • Der Business-Angel-Fonds des „Austria Wirtschaftsservice (aws)“ wird neu dotiert: Durch EU-Mittel und die Mittel privater Investoren bringt das Startups zusätzlich 20 Millionen Euro
  • 20 Millionen Euro mehr Seed-Finanzierung des aws: der Unternehmensaufbau für wissens- und technologieorientierte Startups wird gestärkt.
  • Neue Risikokapitalprämie für Investoren: Fördert Beteiligungen durch Investoren, die Geschäftsanteile an innovativen Startups erwerben. Unterstützt werden kumulierte Investitionsbeträge bis zu 250.000 Euro pro Jahr, wobei maximal 20 Prozent des Beteiligungsbetrags rückerstattet werden.
  • Neue Rechtsform Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft (MiFiG): Risikokapital für Klein- und Mittlerunternehmen bereitzustellen soll für Privatinvestoren deutlicher attraktiver werden. So gibt es für MiFiG-Investoren 15.000 Euro Steuerbefreiung für Ausschüttungen.
  • Digitaler One-Stop-Shop für Gründer: Der Gründungsprozess wird schneller und billiger. Der Gründer kann die nötigen Daten online über das Unternehmensserviceportal eingeben und sich durch die Vernetzung von Behörden und Registern mehrere Behördenwege ersparen.
  • Gründungs-Fellowships für akademische Spin-Offs: Nach Vorbild der ETH-Zürich sollen Wissenschaftler und Studierende mit innovativen Ideen leichter ein eigenes Unternehmen aufbauen können. Mit dem Fellowship können Gehaltskosten finanziert und der Zugang zu akademischen Infrastrukturen gewährleistet werden. Die Vergabe der Fellowships erfolgt über die Wissenstransferzentren im Wettbewerb. Die Maßnahme wird mit fünf Millionen Euro pro Jahr finanziert. Damit können rund 50 Gründerinnen und Gründer bis 2018 in Teams unterstützt werden.
  • Neues Startup-Visum im Rahmen der Rot-Weiß-Rot-Karte: Die bestehende Regelung für selbständige Schlüsselkräfte soll für Startups geöffnet werden. D.h. der Antragsteller erhält eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung (= RWR-Karte) für selbständige Tätigkeit für ein Jahr, mit der Option auf Verlängerung für ein weiteres Jahr. Die weitere Verlängerung ist an einen bestimmten Jahresumsatz oder Finanzierungsmittel und Arbeitsplatz-Schaffung geknüpft.
  • Fachkräftesicherung: der Beruf Programmierer wird in die Liste der Mangelberufe mit einbezogen.
  • 24 Stunden-Quickcheck bei Förderanfragen der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und aws.
  • Patent-Checks für Startups: Startups erhalten eine Gutschrift von 10.000 Euro für Leistungen der Patentämter. Die Gutschrift entspricht 80 Prozent der Leistung, 2.500 Euro sind vom Startup zu bezahlen. Startups können beim Patentamt außerdem Ideen hinterlegen, auch wenn diese noch im frühen Entwicklungsstadium sind und nicht den formellen Kriterien für ein Patent genügen.
  • Stärkung der aws-Garantien: Derzeit übernimmt die Förderbank aws pro Jahr Garantien im Ausmaß von rund 200 Millionen Euro. Dieses Volumen soll auf Basis neuer Vergabekriterien um 100 Millionen Euro erhöht werden. Dadurch sollen Unternehmen zusätzliche Investitionen in Innovation- und Wachstumsprojekte in Höhe von 350 Millionen Euro ermöglicht werden. Der erwartete Arbeitsmarkteffekt liege bei rund 9.000 neuen bzw. gesicherten Arbeitsplätzen.

Aus diesen Maßnahmen lässt sich schließen, dass sich einiges tut am österreichischen Startup-Spielfeld. Auch wenn die Startup-Community lange auf das längst überfällige Paket warten musste, ist der erste Schritt in Richtung erfolgreiches Gründerland gesetzt worden. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die gesetzten Maßnahmen die gewünschten Wirkungen erbringen und ob die selbst gesetzten Ziele alle erreicht werden. Es wird mit Sicherheit nicht einfach.