Im ersten Teil des Interviews mit Marcello Schermer sprachen wir über die Startuplandschaft San Franciscos, heute geht es um das unternehmerische Mindset und was für einen Beitrag die Universität zur Förderung von Entrepreneurship und Risikobereitschaft unter Studierenden leisten kann.

Wie stark ist Unternehmertum in Afrika verbreitet?

In Afrika gibt es viel mehr Drive und Energie was besser zu machen, weil die Menschen so viele Probleme sehen. Und sie haben die Ausbildung dazu, dass sie was verändern können und dadurch fühlen sie sich verpflichtet. Man hat das Gefühl wir können und wir wollen was besser machen.

Wo siehst du zwischen San Francisco und Afrika Unterschiede was das unternehmerische Mindset angeht?

In San Francisco geht es nicht mehr darum, die Kultur zu verbreiten. Das unternehmerische Denken besitzt jeder schon. Es geht vielmehr darum, die Leute untereinander zu vernetzen. In anderen Regionen ist der Aspekt Unternehmerkultur extrem wichtig. Gerade in Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit und schwachem Arbeitsmarkt muss man den Leuten näher bringen, dass Gründen eine gute Alternative zum normalen Job ist. Da ist Unternehmertum die Lösung. Es sind kleine Firmen, die schnell wachsen, die Leute einstellen und die zum Wohlstandswachstum beitragen. Je größer der Notstand ist, desto mehr Potential gibt’s für kleine Unternehmen. Wenn dort die Leute das Zepter selber in die Hand nehmen und eine kleine Firma aufbauen, gibt es vielleicht auch schon für fünf Leute einen Job. Und darum geht’s. Man denkt daher auf anderen Ebenen mit anderen Zielen:

Es geht darum die Kultur zu kommunizieren: Gründen ist eine Alternative und ein eigenes Startup ist eine Alternative, die extrem realistisch ist.

Wie fördert man das unternehmerische Mindset?

Ein Unternehmen zu gründen ist eine große Entscheidung. Blanke Zahlen sind da keine Option, um Leute zu überzeugen. Das mag auf politischer und Marketing Ebene funktionieren, aber nicht in den Köpfen der Menschen. Deswegen muss man Leuten die Erfahrung geben, sie zu einem Startup Event bringen, damit sie sehen, was es da für eine Energie gibt. Man muss den Leuten die Angst davor nehmen, sich selbstständig zu machen. Natürlich kann alles passieren, aber du musst es versuchen. Vielleicht findest du jemanden, der dir Geld gibt, der deine Idee gut findet. Dafür braucht man den Kontakt zu anderen, zu jemandem, der dich anfeuert. Events, die Leute zusammen bringen und Netzwerke aufbauen, damit die richtigen Leute sich kennen lernen – Startups und Investoren, Programmierer und Business Angels, Gründer und Mentoren. Auch die Politik muss darauf aufmerksam gemacht werden. Das wichtigste ist, dass die Leute vernetzt werden. Das ist auch das Schwierige, denn es geht darum, Menschen zueinander zu bringen, die sich normalerweise nicht über den Weg laufen.

Was kann die Universität dazu beitragen Unternehmertum und Risikobereitschaft zu fördern?

Grundsätzlich glaube ich, dass die Universitäten eine große Rolle spielen. Dort bekommst du zunächst einmal die Ausbildung. Dann auch die Connections und die Zielvorstellung, was du mit der Ausbildung machen willst. Zum Beispiel wenn Universitäten Firmen einladen, bei denen du mal arbeiten willst, oder wenn Leute zu Talks eingeladen werden, zu denen du aufschaust. Die Hochschule kann dadurch Einfluss nehmen, dass sie entscheidet, wer eingeladen wird. Wenn ein breites Spektrum an Speaker geboten ist, bekommen Leute ein viel breiteres Rollenbild und so bekommt zum Beispiel auch Entrepreneurship mehr Aufmerksamkeit. Aber wenn du es nie siehst, hast du keine Chance da rein zu kommen.

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