Am Freitag, den 8. April um 09:30 sollte er starten, der 4. Tiroler IT Day. Das Ziel der Veranstaltung: „Die Stärkung des Standortes Tirol als “digitaler Hot-Spot” durch Vernetzung und Weiterbildung von IT-UnternehmerInnen und Anwendern, aber auch der persönliche Austausch mit Experten sowie Meinungsbildnern aus Politik, Wirtschaft und Bildung.“ (Quelle: Veranstaltungsfolder)

Parallelen mit dem Silicon Valley

Nach der Begrüßung nahm Christoph Holz das Publikum mit auf eine kleine Reise in die USA, ins berühmte Silicon Valley. Mit seinem bekannten Humor erzählt Holz von seinen Eindrücken aus Amerika, was wir dem Silicon Valley voraus haben (Banking, Internetspeed) und in welchen Bereichen wir deutlich hinterherhinken (u.a. analoge Kommunikation).

Buzzword-Alarm

Matthias Urig, Geschäftsführer der Firma Intargia, gab spannende Einblicke in die Thematik „Industrie 4.0“, was sich später noch zum Buzzword des Tages herauskristallisieren sollte. Sichtlich begeistert von den Möglichkeiten, die sich zwischen den 4 Säulen des SCAMs (Social, Cloud, Analytics, Mobile) auftun, will er eigentlich das Mikrofon auch gar nicht mehr abgeben.

3, 2, 1 …. los

Der Startschuss für die Werbeveranstaltung war mit dem Beitrag von Chrstiane Noll gefallen. Sie erzählt vom „Mehrwert der Anwendung“ – im speziellen Beispiel von Microsoft. Surface hin, Skype her, gratis Office dort und Share Point hier. Verpackt in einem netten Vortrag hat sie gleich die ganze Produktpalette vorgestellt. Ich denke, Frau Noll hätte wesentlich mehr „Mehrwert“ erzeugt, hätte sie uns von ihren Erfahrungen in einem Weltkonzern wie Microsoft erzählt.

App-Wettbewerb

Vor der Mittagspause noch wurden die Gewinner des App-Wettbewerbes des Landes Tirol bekanntgegeben. Die prämierten Apps haben eines gemeinsam – Daten, bereitgestellt durch das Land Tirol – von speziellen Geländedaten für Freeride-Apps, bis zu Ortsdaten der Gemeinden für eine Kartenspiel-App. Insgesamt durften sich die Gewinner in den verschiedenen Kategorien über ein Preisgeld von über € 15.000,- freuen.

Spezialisierung

Nach einer ausreichenden Mittags- und Netzwerkpause (von 2 Stunden) konnten die Teilnehmer zwischen den drei großen Kernbereichen „IT in Tirol“, „Vernetzte Systeme“ und „Onlinehandel“ wählen. Mich zog es vorerst zu den „vernetzten Systemen“.

In drei kurzen Einheiten stellten drei Unternehmen ihr Produkt vor. Splunk beeindruckt mit seinem durchgängigen Datenanalysesystem. Bluesource mobile solutions erzählt uns von digitalen Kundenkarten und Rudolf Wiener präsentiert sein Bilder-Such-Programm. Spannend fand ich vor allem, wie Bluesource mit firmeninternen Wettbewerben Innovation fördert. Der letzte Beitrag dieser Session war eher enttäuschend. Rudolf Wiener antwortete auf Fragen bezüglich Technologie mit einem nüchternen: „Das ist ein Geheimnis“. So viel zur Kommunikation – anstatt sich gegenseitig zu helfen und jedem das seine zu gönnen, werden große Geheimnisse um weniger geheimnisvolle Technologien geschürt. Schade.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Nach der Kaffeepause ging’s in die letzte Session. Gewechselt in den eCommerce-Saal, durfte ich von Thorsten Behrens, vom österreichischen eCommerce Gütezeichen, in die Thematik der rechtlichen Notwendigkeiten im Onlinehandel herangeführt werden. Er zeigte, dass die an sich etwas trockene Materie des Rechts im Fehlverhalten schnell bitterer und vor allem teurer Ernst werden kann. Behrens schildert anhand der zahllosen Abmahnungen der letzten Monate, wie wichtig eine Zertifizierung, bzw. eine rechtliche Kontrolle des eigenen Onlineshops ist.

And the winner is …

… Moser Holding – vorerst nicht in der Kategorie „Stärkung des Standortes“, dafür aber definitiv in der Aufbereitung ihres Werbevortrages. Patricio Hetfleisch von der Moser Holding erklärte in dramatischer Tonlage, wie die großen Onlinemarktplätze wie Ebay, Amazon, Rakuten und Co. den Markt dominieren, wie schlecht sie doch mit den Anbietern umgehen und wie teuer und riskant so ein eigener Onlineshop ist. Alle Chancen wurden zu Risiken, alle Risiken wurden zu unlösbaren Problemen dramatisiert – zu einem nicht ganz uneigennützigen Zweck. Die Moser Holding will mit shop.tirol eine neue Plattform für regionalen Onlinehandel bereitstellen, welche alle Probleme aus der Welt schaffen soll. Ohne Umsatzbeteiligung, jedoch mit höheren Beitragsgebühren verfolgen sie ein etwas anderes Modell als die großen Vorreiter. Amazon war auch einmal klein und hatte wenig Macht. Die Moser Holding fängt jetzt auch mal klein in Tirol an. Ob sie sich dann bald selber als bösen „Marktplatz-Machthaber“ mit ins Portfolio nehmen müssen, bleibt abzuwarten.

Fazit

Durch das ständige auf und ab der Qualität der Beiträge hab ich irgendwie kein eindeutiges Urteil zum 4. Tiroler IT-Day. Teilweise ausgedehnte, eigennützige Vorträge zu Werbezwecken, teilweise aber wieder sehr spannende Einblicke in zukunftsträchtige Themen. Zusammengefasst denke ich, wenn man das Ziel verfolgt den Standort zu stärken, sollten Erfahrungen geteilt werden, nicht Produkte. Für den nächsten IT-Day in zwei Jahren erhoffen wir uns zusätzlich eine verstärkte Einbindung junger, dynamischer Startups, die ebenfalls ihre Sichtweisen und Erfahrungen präsentieren können.