Die Machete

„Nur der Überzeugte überzeugt.“ – Joseph Joubert

Seit einigen Jahren sind nicht nur vegane Alternativen und Hipster-Lokale in Innsbruck angekommen, sondern vor allem auch die leckeren Burritos. Ob vegetarisch, mit Guacamole oder der klassischen fleischigen Alternative, jeder Innsbrucker scheint bereits zu wissen, wo sich eine der besten Adressen dafür findet. Dieser mexikanische, gastronomische Leckerbissen ist mittlerweile in den USA beliebter als McDonalds, KFC oder Burger King. Seit 2014 gibt es in Innsbruck in der Anichstraße auch die Machete, die diesem Trend gekonnt folgt. Startalps traf Martin Beimler, einen der Gründer, um mehr über die Idee und Umsetzung dieses interessanten Projektes zu erfahren.

Die Geschichte der Machete: die Machete schaut nach einem sehr erfolgreichen Projekt aus. Wie kam es zu dieser Geschäftsidee? Warum der Name „Machete“?

Wir (Gründer) kennen uns bereits seit Beginn des Studiums und haben im Privaten schon immer gerne Burritos gegessen. Als dies im Sommer 2014 dann immer häufiger wurde, kam die Idee auf, einen eigenen Laden zu eröffnen. Etliche Abende später, an welchen wir ein grobes Konzept entworfen haben, war die Entscheidung dann gefallen. Die Namensfindung ging erst einen Monat später los; wie soll es anders sein, bei einem kalten Glas Bier.

Ist das Unternehmen nicht nur beliebt sondern auch ökonomisch erfolgreich?

Das ist immer Ansichtssache. Es gibt sicherlich einige Schrauben an welchen wir drehen könnten, damit auf dem Papier mehr übrig bleibt. Für uns ist der ökonomische Erfolg aber nur ein Teil der Ziele, die wir uns zu Anfang gesteckt haben. Wir wollten ein Konzept entwickeln, welches langfristig funktioniert. Neben einer fairen Preispolitik, ist uns die Mitarbeiterzufriedenheit dabei mindestens genauso wichtig. Trotzdem können wir von der Machete leben.

Wie viele Personen haben das Unternehmen gegründet?

Wir waren und sind nach wie vor zu dritt. Zusätzlich gab es noch eine Person, die bereits bei Umbaubeginn voll in die Planung eingebunden war. Wir drei Gründer kennen uns im Übrigen bereits alle seit dem ersten Semester in Innsbruck.

Was für einen Background habt ihr?

Wir haben alle gemeinsam den Bachelor der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Innsbruck gemacht. Martin und Jörg haben das Studium mit einem Master vertieft und Johannes hat vorher das Veranstaltungskollektiv „Bonanza Open Air“ gegründet. Ab dem September 2014 wurde sich dann ganz dem „Burrito“ gewidmet.

Hattet ihr gastronomische Erfahrung?

Nein, keiner von uns hat über einen längeren Zeitraum in einem gastronomischen Betrieb gearbeitet. Johannes hatte über Veranstaltungen einen groben Plan über die Abläufe und Ansprechpartner, alles in allem war aber „learning by doing“ die Devise.

Es gab in Innsbruck schon viele Versuche mexikanisches bzw. Tex-Mex Food für den Tiroler Gaumen akzeptabel zu machen. Oftmals waren diese Projekte nicht sehr erfolgreich, seit den letzten Jahren aber gibt es doch einige solcher Anbieter. Warum gerade „Burritos“? Sind diese jetzt zum „kulinarischen Mainstream“ avanciert?

Wir sehen uns weder als Mexikaner noch als Tex-Mex Laden. Wir konzentrieren uns wirklich nur auf den Burrito (ok Tacos gibt’s auch) und wollen ein Produkt wirklich gut machen. Der Burrito ist mit Sicherheit auch gerade sehr angesagt. In Amerika läuft er dem Burger als beliebtestes „Comfort-Food“ gerade den Rang ab. Bei uns ist er noch nicht so stark angekommen, aber er wird auf jeden Fall zunehmend beliebter. Da waren wir mit unserem Burrito Kartell zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Wie habt ihr euch finanziert? Crowfunding, Family oder Fools?

Wir haben großes Glück bei der Locationsuche gehabt, so dass wir uns beim Umbau hauptsächlich auf das Design konzentrieren konnten. Natürlich alles „low budget“ und in Eigenregie. Das hat den Kapitalbedarf um einiges reduziert. Teile des Geldes war Eigenkapital und einen weiteren Teil konnten wir uns bei einem guten Freund leihen.

Habt ihr eine staatliche Förderung oder sonstige Hilfe bekommen?

Bei der staatlichen Förderung werden derzeit leider hauptsächlich Projekte unterstützt, die für die klassischen Tirol Touristen attraktiv sind. Also eher traditionelle Gasthäuser. Wir konnten uns aber viel Beratung bei der WKO einholen.

Wachstum: Gibt es Pläne für eine zweite Filiale? Wie sieht es mit Franchise aus? 

Da das Küchenkonzept gut zu standardisieren ist, war der Gedanke natürlich da. Ein Franchise kommt für uns aber nicht in Frage, da die Machete ebenso von der speziellen Atmosphäre und vom einzigartigen Team lebt. Wir könnten uns Filialen in anderen Städten nur in Zusammenarbeit mit Leuten vorstellen, welche wir gut kennen und sicher sein könnten, dass der Laden dort einen ähnlichen Charme ausstrahlen würde.

Warum habt ihr die Machete hier in Innsbruck eröffnet?

Wir lieben die Stadt, wir lieben die Berge und hatten bereits eine ziemlich große Community hier, was uns besonders in der Anfangsphase ein Stück weit Sicherheit gegeben hat.

Wie war es ein Unternehmen hier in Innsbruck zu gründen? Welches Fazit zieht ihr aus euren Erfahrungen? Mehr Erschwernisse oder Erleichterungen?

Wir haben uns vorab bei der WKO über mögliche Förderungen oder Erleichterungen informiert. Für Jungunternehmer gibt es zwar einige Möglichkeiten, trotzdem ist hier in Österreich noch viel Luft nach oben, wenn man  ein gründerfreundliches Klima schaffen will.

Innovation in der Gastronomie: Stichwort „Slow Food Hype“ – was sagt ihr dazu? 

Wir glauben, dass diese Entwicklungen sich nicht auf das kulinarische Thema beschränken. Es geht auch in anderen Bereichen nicht mehr ausschließlich um Geschwindigkeit, Quantität und Preis, sondern wieder vermehrt um Qualität. Aus gastronomischer Perspektive bedeutet dass, dass die Gäste auch bei einem vermeintlichen Snack am Mittag zumeist nicht einfach nur satt werden wollen, sondern sich sehr wohl Gedanken machen, woher die Produkte kommen welche sie konsumieren und was die Geschichte hinter dem Laden ist in welchem sie sitzen.

Wie organisiert ihr die einzelnen Arbeitsbereiche? Habt ihr gelernte Köche? Wer macht die Buchhaltung? Wer übernimmt den Einkauf?

Da wir drei Gründer/Geschäftsführer sind, lassen sich die Arbeitsbereiche sehr gut selbst besetzen. Da sich unser Arbeitsablauf in der Küche auch wirklich nur auf ein Produkt (Burritos) beschränkt benötigen wir in der Küche keine gelernten Köche. Wir arbeiten nur mit motivierten Leuten, die sich mit unserem Konzept identifizieren können und Spaß am Kochen haben.

Was sind eure nächsten Pläne?

Wir werden im Dezember ein neues Lokal in Innsbruck eröffnen. Eine Mischung aus Restaurant, Bar und einem Veranstaltungsbereich. Mehr können wir noch nicht verraten.

Und die wichtigste Frage: Könnt ihr selber noch Burritos essen?

Selbstverständlich. Morgens, mittags und abends.

Key Facts

Who´s Who der Gründer?
Jörg Hronek, Martin Beimler & Johannes Steinkopff.

4 kurze Fragen und präzise Antworten:

  1. Was war eure Motivation ein Unternehmen zu gründen?
    Ein Projekt mit Freunden, in einer Stadt die man gerne hat und sein eigener Chef sein!
  1. Würdet ihr diese Entscheidung nochmals treffen?
    Ja, jederzeit.
  1. Was würdet ihr anders machen?
    Wir haben zwar keine groben Fehler beim Gründungsprozess begangen, aber mittlerweile läuft bei uns alles deutlich strukturierter ab. Die Lernkurve, besonders in der Anfangszeit ist enorm steil. Das würde jetzt mit Sicherheit leichter gehen.
  1. Worauf kommt es an?
    Die richtigen Leute zur richtigen Zeit. Die Idee ist natürlich auch wichtig, aber das Team hinter der Idee macht das StartUp aus. Dabei hilft natürlich auch ein breites Netzwerk an das man sich bei Problemen wenden kann.

Erklärung von Burritos und Tacos:

Burritos („Eselchen“ auf Spanisch) besteht aus einer Weizen- oder Maistortilla, in die verschiedene Zutaten wie Bohnen, Reis, Hackfleisch, Tomaten, Avocado, Käse usw. eingewickelt werden. Der Burrito kommt ursprünglich aus Mexiko, findet aber seit Jahren enorme Beliebtheit im Ausland, vor allem in vielen Fast-Food Restaurants in den USA aber seit einiger Zeit auch in Innsbruck.

Neben Fajitas, Enchiladas und Burritos, gibt es auch Tacos. Tacos werden ähnlich wie Burritos gemacht, allerdings bestehen diese meistens aus Maistortillas und werden noch fester eingerollt.