Beim Start in die Unternehmerwelt ist zu entscheiden, welche Gesellschaftsform gewählt werden soll. Mit EU, GesBR, OG, KG, GmbH, GmbH & Co KG etc. bietet Vater Staat beinah gleich viele Möglichkeiten wie Modegeschäfter der Innsbrucker Flaniermeilen – nur dass es Rechtsformen auch maßgeschneidert gibt. Allerdings gibt es bei der Rechtsformwahl Grenzen, die beachtet werden müssen. Unter Berücksichtigung von Investitionsvolumen, Risiko, Gesellschaftern, erwartetem Umsatz sowie weiteren Einkunftsquellen des Unternehmers gilt es eine Rechtsform auszuwählen. Dies hat hauptsächlich steuerrechtliche sowie haftungsrelevante Gründe.

Einzelunternehmer (EU)

Hier ist eine einzige natürliche Person Inhaber des Unternehmens, die das Unternehmen auf eigenen Namen und eigene Rechnung betreibt; sie kann aber auch Arbeitnehmer beschäftigen. Die Gewerbeanmeldung erfolgt unkompliziert bei der Bezirksverwaltungsbehörde des Unternehmensstandortes. Generell benötigt jedes Unternehmen – so auch der EU – für die Ausübung einer gewerblichen Tätigkeit eine Gewerbeberechtigung (Berufe, die nicht der Gewerbeordnung unterliegen ausgenommen). Hat er diese nicht oder kann sie nicht erlangen, so besteht die Möglichkeit einen gewerblichen Geschäftsführer zu bestellen.

Eine Eintragung im Firmenbuch ist nicht zwingend. Sie kann jedoch freiwillig erfolgen. Ab einem Umsatz von 1 Mio. € oder 700.000€ in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ist die Eintragung (und auch Bilanzierungspflicht) bei allen Unternehmen verpflichtend.

Bezüglich der ESt wird der EU selbst veranlagt, nicht sein Unternehmen. Sie richtet sich nach der Bemessungsgrundlage, die alle Einkunftsarten des EU zusammenfasst. Die ersten 11.000€ Gewinn sind hierbei steuerfrei. – Dies ist vor allem für Studenten ein Vorteil, die neben dem Studium an ihrer Idee feilen und noch keine großen Gewinne verzeichnen können!

„Gerade bei kleinen Startups zahlt es sich aus, den Steuerfreibetrag auszunutzen!“

Ebenfalls hat der EU wie andere Unternehmen USt abzuführen. Eine Ausnahme stellt die sogenannte Kleinunternehmerregelung dar, bei der Umsätze unter 30.000€ USt- frei sind. Dann kann jedoch auch kein Vorsteuerabzug geltend gemacht werden, der bei hohem Investitionsvolumen Ersparnisse bringt. (Eine Möglichkeit wäre hier jedoch die Option zur Regelbesteuerung).

Einen Nachteil bei dieser Rechtsform stellt die unbeschränkte Haftung des EU mit seinem gesamten betrieblichen sowie privaten Vermögen dar. Dies bedeutet volles Risiko!!

Gesellschaft m.b.H. (GmbH)

Hierbei handelt es sich um eine juristische Person, die im Gegensatz zu Personengesellschaften oder natürlichen Personen selbst (durch Geschäftsführer) vertretungsbefugt ist. Das Unternehmen tritt unter einer Firma (Unternehmensname) auf.

Die Anmeldung der GmbH erfolgt mittels Eintragung im Firmenbuch. Bei dieser Anmeldung muss auch der beglaubigte Gesellschaftsvertrag vorgelegt werden. Plant die GmbH eine Tätigkeit, die der Gewerbeordnung unterliegt, auszuüben, so hat diese die GmbH selbst zu beantragen und einen gewerblichen Geschäftsführer zu bestellen –ein Gesellschafter mit Berechtigung reicht nicht aus.

Mit der Eintragung ins Firmenbuch geht auch eine Rechnungslegungspflicht nach dem Unternehmensrecht einher. Der Jahresabschluss muss auch beim Firmenbuch eingereicht werden.

Große Unterschiede gibt es auch im Steuerrecht: Während die Gewinne und Verluste bei Personengesellschaften den einzelnen Gesellschaftern direkt zugerechnet werden, wird bei der GmbH das Ergebnis der juristischen Person zugerechnet und linear mit 25 % KöSt versteuert. Kommt es im Weiteren zu einer Ausschüttung an Gesellschafter muss man im Regelfall nochmals 27,5 % KESt abliefern, jedoch keine ESt mehr! Natürlich gibt es hier Möglichkeiten zur Steueroptimierung, die jedoch den Rahmen deutlich sprengen würden.

„Steueroptimierung ist immer möglich!“

Da die Haftung auf das Vermögen der Gesellschaft begrenzt ist, erfordert die Gründung einer GmbH die Einbezahlung einer Stammeinlage in der Höhe von 35.000€. Aufgrund des Gründerprivilegs kann diese Einlage jedoch am Beginn auf 10.000€ reduziert werden, wovon 5000€ bar einzubezahlen sind. Der Rest wird im Laufe der nächsten zehn Jahre nachbezahlt. Das Gründerprivileg ist im Gesellschaftsvertrag festzuhalten!

Personengesellschaften (OG, KG, GmbH & CO KG)

Um eine solche Gesellschaft zu gründen ist ein Vertrag von zumindest zwei Personen (juristischen oder natürlichen) nötig –bitte schließt diesen schriftlich!! In diesem Vertrag werden unter anderem die Rechte und Pflichten der einzelnen Gesellschafter, sowie die Bezeichnung der Firma unter der die Gesellschaft auftritt festgelegt. Die Bestimmungen über Gewerbeberechtigung und Rechnungslegung sind die selben wie bei juristischen Personen.

Charakteristisch ist hier das Durchgriffsprinzip: Die ESt ist für jeden Gesellschafter individuell zu berechnen und abzuführen. Dies eröffnet wiederum die Möglichkeit der Steuerfreiheit bis 11.000€ Gewinn pro Jahr!

Im Gegensatz zur OG, bei der alle Gesellschafter unbegrenzt haften, unterscheidet die KG zwischen Komplementären und Kommanditisten, wobei letztere mit einem Höchstbetrag haften. Ist eine GmbH Komplementär der KG, so wird diese GmbH & Co KG genannt.

Man sieht bereits bei diesem kurzen Überblick, dass die Qual der Wahl groß ist. Allgemein betrachtet, kann man sagen, dass Personengesellschaften unter anderem aufgrund der Steuerfreiheit bis 11.000 € für kleine Betriebe günstiger sind als endbesteuerte juristische Personen. Dies allerdings nur bis zu einer gewissen Höhe des Gewinns. Erreicht man gerade am Anfang noch keinen Umsatz von 30.000 €, so stellt sich trotzdem die Frage, ob man nicht zur USt- Pflicht optieren sollte; gerade wenn am Anfang größere Investitionen anstehen. Möchte man gerade am Anfang kein großes Risiko eingehen, so empfiehlt sich eher eine juristische Person, da bei dieser die Haftung begrenzt ist. Die Rechtsformwahl muss jedoch nicht endgültig sein. Durch eine Umgründung ist eine Änderung der Rechtsform möglich.

Bei Fragen hierzu helfen der Gründerservice, Rechtsanwälte und Steuerberater gerne weiter!

Weitere Infos:

https://www.wko.at/Content.Node/Service/Wirtschaftsrecht-und-Gewerberecht/Gesellschaftsrecht/Unternehmensrecht/Gesellschaftsformen/Gesellschaftsformen—Themenstartseite.html

http://www.selbststaendig-machen.at/rechtsformen/

ACHTUNG! Die hier angegebenen Informationen sind teilweise veraltet!

https://www.gruenderservice.at/Content.Node/gruenden/Rechtliche-Veraussetzungen/Rechtsformen/Startseite_Rechtsform.html