Im Interview mit Marcello Schermer sprachen wir über die Startuplandschaft San Franciscos, das unternehmerische Mindset und Gründungsbereitschaft in Afrika.

Was kannst du über deine Zeit aus San Francisco berichten?

In San Francisco gibt es eine extrem starke Tech-Kultur und daher Leute, die viel Erfahrung haben. Bei einem Event wie dem StartupBus bauen die Teilnehmer schon mal innerhalb von vier Tagen eine Bitcoin Börse auf. Was mich in San Francisco einfach umgehauen hat, war wie verdammt gut die dort alle sind. Das war schon beeindruckend.

Wie erklärst du dir die hohe Qualifikation der Leute?

Zum einen liegt der Fokus bei amerikanischen Universitäten auf den Fächern Computer Science und Engineering. Vor allem technische Fächer werden hoch angesehen und extrem gefördert und es sind die Studienfächer, die die besten Einstiegsgehälter versprechen. Also jeder, der Interesse an Informatik hat oder Geld verdienen will, studiert Computer Science. Dazu arbeiten viele Universitäten in Amerika an Problemen, die es vorher noch nie gab, zum Beispiel Facebook. Die Leute arbeiten an so großen und schwierigen Problemen, dass sie sich extrem stark weiterentwickeln.

Und dann gibt es ein stetig wachsendes Angebot an Coding Schools oder Coding Academies. Dort lernen Leute in Crash Kursen innerhalb von ein paar Wochen und Monaten programmieren. Gerade für Quereinsteiger eine gute Möglichkeit, interessante Jobangebote zu bekommen.

Zudem ist die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen sehr intensiv; das heißt, die Studenten machen während ihres Studiums unterschiedliche Praktika bei namenhaften Firmen und können nach ihrem Abschluss viel Praxiserfahrung vorweisen.

Dazu gibt es einen enormen Fluss von Talenten zwischen den Unternehmen. Jemand, der früher bei Google war geht zu Uber, jemand, der bei Uber war geht zu Twitter, dann geht er zu einem neuen Startup und dann wieder zu einem neuen Startup und bringt viel Know-How mit. Dadurch sammelt sich in kurzer Zeit sehr viel Wissen an. Und du hast eine Stadt, die zu 90% aus der Tech Industrie besteht, da gibt es einen großen Pool an Talenten.

Welche Events gibt es in San Francisco für angehende Gründer?

Startup Events gibt es wie Sand am Meer. In San Francisco vergeht kein Tag, an dem es keine 15 Veranstaltungen gibt. Aber hier ist besonders interessant, dass die Events schon sehr fokussiert sind. Die Events decken daher in der Regel eine Nische ab, wie zum Beispiel ein Hackathon für Food Startups. In San Francisco ist das unternehmerische Mindset, die Kultur, schon da. Hier ist es wichtig, dass sich Entrepreneure untereinander in ihrer Branche vernetzen. Es geht darum, die richtigen Leute zusammen zu bringen, zum Beispiel das richtige Talent mit dem Geld.

Was für einen Stellenwert nimmt das Scheitern in San Francisco ein?

In San Francisco gibt es diese Einstellung zum falsch sein. Das finde ich in den USA extrem inspirierend. Teilweise wird das Scheitern schon zu sehr zelebriert.

Aber es ist wichtig zu erkennen,  dass nicht das Scheitern das Gute ist, sondern das, was du daraus lernst.

Die Offenheit falsch zu sein und die Offenheit auch einzugestehen, wenn man falsch gelegen ist, ist beeindruckend. Das hab ich so noch nie gesehen.

Wie hat sich diese positive Haltung zum Scheitern entwickelt?

Das interessante an San Francisco und vor allem am Silicon Valley ist die Kultur des Ortes, die sich über die letzten 40-50 Jahre gebildet hat. Man unterschätzt oft die Zeit, in der sich das Silicon Valley entwickelt hat. Man hat über die Jahre viele Unternehmen gesehen, die gescheitert sind und aus deren Asche wieder was Neues entstand. Sowas zieht dann auch die richtigen Leute an, Leute, die ähnlich denken, die selbst Risiko auf sich nehmen oder jemanden nicht abschätzig bewerten, weil er gescheitert ist.

Auch Investoren rechnen damit, dass wenn sie in zehn Startups investieren, neun davon scheitern. Es ist nicht in Ordnung, wenn man Pleite geht, aber jeder rechnet damit.

Alle Player im Ökosystem besitzen das Mindset, dass man Sachen macht, die zwar ein großes Risiko haben, aber die gleichzeitig auch durchstarten können. Ganz nach dem Motto: high risk, high reward. Es ist im Prinzip wie Gambling. Es macht Leute irgendwo süchtig. Du kommst in ein neues Startup,  bekommst relativ wenig bezahlt,  aber du bekommst Equity und das kann das goldene Ticket sein. Es gibt diese Geschichte von diesem jungen Typen bei Facebook, der angestellt wurde, um ein Graffiti an eine Wand im ersten Facebook Office zu sprayen. Weil Facebook damals zu klein war, um ihn zu bezahlen, gaben sie ihm Equity und das ist heute über 100 Millionen Dollar wert. Das war der bestbezahlteste Graffiti Job überhaupt – aber er hätte genauso gut nichts bekommen können.

In San Francisco ist der Dienstleistungssektor komplett auf die Bedürfnisse von Startups ausgerichtet. Es gibt viele, vom Graffiti Sprayer, über den Staatsanwalt zum Steuerberater, die nicht für Geld arbeiten sondern für Equity. Die sagen sich: „Wir machen das gern, wir wissen du hast kein Geld, um uns zu bezahlen aber wir nehmen auch Equity.“ Und die rechnen auch damit, neun von zehn werden Pleite gehen, da kommt nichts zurück, aber mit dem einen machen sie unfassbar viel Geld.