Interview mit der Tiroler Unternehmensberaterin Monika Manzl

Was trägt uns über die magische Grenze des „verflixten dritten Jahres“?

Die Inspiration zur Gründung eines eigenen Unternehmens kann bei den klassischen Motiven – eigener Chef sein, eigene Ideen umsetzen, mehr zu verdienen wie im bisherigen Job – ihren Anfang nehmen, doch sie muss darüber hinaus gehen!

Nach drei Jahren sind nur noch 79 % der gegründeten Unternehmen vorhanden. In der Praxis zeigt sich: Mangelndes kaufmännisches Knowhow und Geschäftsideen, die zu wenig an die Realität des Marktes angepasst sind, sind dafür verantwortlich.

Ich rate zu Teamgründungen, um Wissen und Expertise zu bündeln, oder sich alternativ fehlendes Knowhow durch externe Beratung zu holen. Außerdem ist eine realistische Sichtweise auf das eigene Unternehmen sehr wichtig, ja sogar überlebenswichtig. Der Prozess des Selbstständigseins sollte uns mehr faszinieren als die konkrete Geschäftsidee, denn diese muss immer wieder an sich verändernde Gegebenheiten angepasst werden.

Wo liegen die größten Herausforderungen?

Im Silicon Valley heißt es „fail quick, fail cheap and fail in a way that does not kill you“. Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit als Beraterin für Unternehmenssanierungen besteht in der Analyse von Fehlentwicklungen. Dabei sind folgende Muster erkennbar: Stärken-/Schwächen-Analysen wurden nicht durchgeführt, die strategische Ausrichtung fehlt und wichtige Controllinginstrumente und Kalkulationen (z.B. Zeitspanne, bis ein Produkt am Markt angenommen wird) wurden im Zuge der Gründung nicht gemacht bzw. verwendet. Diese Versäumnisse führen dazu, dass existenzbedrohende Risiken zu spät erkannt werden.

Alles nur eine Geldfrage?  Wie schätzen Sie den Finanzierungsprozess ein?

Seit Basel III sind die Auflagen strenger geworden, die Banken verlangen meist mindestens 20 % an Eigenkapital, ausreichende Sicherheiten und einen Businessplan, der Hand und Fuß hat. Weil diese 20 % durchaus ein Hindernis sind, kommen auch hier wieder Teamgründungen ins Spiel. Gesellschafter oder stille Beteiligte (diese können beim operativen Tagesgeschäft nicht mitreden, Anm.) tragen einen Teil des finanziellen Aufwands. Je nach Produkt bzw. Geschäftsmodell kann auch Crowdfunding hilfreich sein.

Stichwort „Kultur des Scheiterns“:  Wir reden ständig von Fehlern, doch wie sollen wir mit ihnen umgehen?

Wir dürfen diesen Silicon Valley Spruch nicht mit einem Laissez-faire Unternehmertum gleichsetzen. Es geht um Ehrlichkeit zu sich selbst und darum, alles zu tun, dass am Ende nur das natürliche Unternehmensrisiko übrig bleibt. Wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung keinen Anklang findet, sollte man sie vom Markt nehmen und die Gründe dafür analysieren. Das ist eine Lernkultur, in der wir aus Fehlern lernen. „Fail in a way that does not kill you“ bedeutet auch, auszurechnen, was ein potentieller Ruin für den Rest meines Lebens und auch für meine Stakeholder bedeutet.

Welche mentalen Prozesse begleiten die Unternehmensgründung?

Die anfängliche Euphorie sollte uns durch die ganze Selbstständigkeit hindurch begleiten. Um jedoch in Balance zu bleiben, ist Selbstreflexion sehr wichtig. In regelmäßigen Abständen sollte man sich die Brille einer anderen Person aufsetzen, um sich selbst aus einer externen Perspektive zu betrachten. Wenn Marktforschung zu teuer ist, kann ein kritisches Gespräch mit Familienmitgliedern oder Freunden hilfreich sein. Außerdem sollte jedes halbe Jahr ein Strategie-Review durchgeführt und der Business-Plan an den Markt angepasst werden. Meine Antwort in drei Worten: Menschenkenntnis, Selbstkenntnis und Fähigkeit zur Selbstkritik.

Adaptierung des Businessplans – dieses Stichwort ist öfter gefallen. Wo gibt es Hilfe bei der Ideenfindung?

Im Rahmen der Universität bietet der InnCubator zahlreiche Förderprogramme an. Die Wirtschaftskammer bietet ebenfalls eine umfangreiche Hilfe. Zu guter Letzt sei nochmal auf Teamgründungen verwiesen, denn die Praxis zeigt, dass Teamgründungen tendenziell erfolgreicher sind, wenn die jeweiligen kritischen Kernkompetenzen (kaufmännisches Knowhow, Vertriebs-Knowhow, spezifisches Produkt- bzw. Dienstleistungs-Knowhow) durch die Teammitglieder abgedeckt sind.

Zur Person:

Mag. Monika Manzl, CMC, CTE

Seit 21 Jahren Eigentümerin der Unternehmensberatung Manzl Consulting GmbH & Co. KG. Ihre Schwerpunkte sind Sanierung & Restrukturierung, Strategie, Finanzen & Controlling sowie Beratung und Begleitung bei Unternehmensgründung und -aufbau.

Seit mehr als 10 Jahren gibt sie ihr Wissen auch als Fachhochschul- und Universitätslektorin sowie WIFI-Trainerin weiter.

Seit einem Jahr ist sie auch an einem Tiroler Start-Up-Unternehmen (Tante Lotte Design GmbH / Whisperwool) als geschäftsführende Gesellschafterin beteiligt.

Foto: Monika Manzl