Interview mit Johannes Völlenklee von FASSPROBE

Warum wagt sich jemand in einen „red ocean“? Von dieser Frage ausgehend haben wir mit Johannes Völlenklee gesprochen. Er hat bereits eine umfangreiche Gründer-Erfahrung vorzuweisen. Neben seinem Sport und BWL-Studium in Innsbruck hat er vor der Gründung von FASSPROBE bereits die Projekte Zooners (Mobile App-Plattform), Parkbob (Freie Parkplätze) und DieMarkterei in der alten Post in Wien als Co-Gründer verwirklichen können. Sein jetziges EPU konzentriert sich auf den Vertrieb von Wein in kompakten, kleinen Flaschen (0,250l) Das Besondere daran: Es ist nicht einfach irgendein Industrieprodukt, sondern immer ein fein ausgewählter, hochwertiger Tropfen, entstanden nach biologischen Anbau- und Verwertungskriterien. FASSPROBE verkauft nicht einfach Wein – es macht den Rebensaft und dessen jeweilige Kultivierungs-Geschichte lebendig. Und es macht Weintrinken zum Erlebnis.

Wie alles begann…

Völlenklee war schon immer fasziniert vom Wein. Nicht zuletzt deshalb besuchte er die Weinakademie Österreich. Auf einer Reise um die Welt „folgte er dem Wein“, wie er uns sagt. Dabei machte er die Erfahrung, dass es in einigen Ländern auch üblicherweise kleine Weinflaschen (Anm.: 0,375l, die handelsübliche Weinflasche hat 0,750l) verkauft werden. Das fehlte ihm in Österreich. Kleine Weinflaschen – in Österreich bekannt als „Stifterl“ – würden meist nur mit „mäßiger Qualität“ produziert. Völlenklee nahm sich deshalb ein Herz, auch weil er nach vier Jahren als CEO eines Startups Lust auf eine neue Herausforderung hatte. Er stieg ins Geschäft mit kleinen Weinflaschen ein –  einen Markt, an den „niemand geglaubt hat“.

Du hast bereits Erfahrung mit Startups und Unternehmensgründung. Hast du Tipps für angehende Gründerinnen und Gründer?

Zuerst steht die Leidenschaft für die Idee. Gründen und ein Unternehmen entwickeln ist ganz schön anstrengend. Deshalb muss man daran glauben und darf sich von negativen Rückmeldungen nicht einschüchtern lassen. Die gibt es praktisch immer. Wichtig ist ein Ziel vor Augen. Und ganz viel mit seinen möglichen Kunden sprechen. Viele Gründer sind ja meist noch in einer fixen Anstellung oder als Student im Studium engagiert. Nicht alles gleich aufgeben sondern in der ersten Gründungsphase ein paar Sicherheiten behalten. Ich habe z. B. begonnen, Teilzeit zu arbeiten und bin erst nach einiger Zeit 100% als Unternehmer umgestiegen.

Welche Rechtsform wurde bei FASSPROBE gewählt?

Fassprobe ist immer noch eine EPU, ich kenne die Vor- und Nachteile, auch rechtlich. Der Wechsel zur GmbH ist immer noch Thema hängt aber vom Umsatz ab. Da muss man jetzt wissen, dass ich beim Thema biologische Landwirtschaft noch weitere Ideen habe die ich rund um die Fassprobe aufbauen möchte. Ein Wechsel ist erst im Anschluss für mich sinnvoll.

Vielleicht noch: Die Gründung und der Betrieb der EPU sind einfach günstiger als die GmbH.

Wein – das ist auch eine Art Lebens-Philosophie, mit klaren Do´s and Don‘ts. War es ein Sakrileg, statt den traditionellen 750ml Flaschen plötzlich 250ml zu nehmen?

Das Argument für die große Flasche ist oft die Lagerfähigkeit (neben der durchaus sinnvollen Maßeinheit natürlich). Man weiß aber auch, dass viele lagerfähige Weine viel zu jung getrunken werden. So gesehen hinkt das ganze etwas. Nun ist es aber im Lebensmittelbereich so, dass kleine Maßeinheiten auch bei anderen Produkten immer beliebter werden. Daher ist die Nische für kleine Weinflaschen gar nicht mehr so klein wie oft vermutet. Und unsere Weine sollen auch nicht gelagert werden, sondern dürfen „jung“ getrunken werden. Geholfen hat der Tabubruch zu Beginn im medialen Bereich. Wir hatten ein paar gute Interviews und Nennungen in den großen Medien in Österreich. Winzer gibt es sehr viele. Trotzdem sind wir mit dem Projekt aufgefallen.

Wie war die Reaktion der Winzer. Wie gefiel ihnen das Prinzip „Weniger ist mehr“?

Es gab zum Teil große Bedenken und ich habe ganz am Beginn einige Absagen kassiert. Im ersten Jahr 2013 haben wir rund 3000 Flaschen produziert. Letztes Jahr waren es 20.000. Und damit wächst auch der Zuspruch und die Anfragen von neuen Winzern. Im Moment sind vier Weingüter mit dabei.

Wie bist du auf den treffenden Namen „FASSPROBE“ gekommen?

Ich habe eine Leidenschaft Namen für neue Produkte zu erfinden. Wir haben den Namen FASSPROBE aus der Weinsprache übernommen und für unsere Idee begrifflich „erweitert“. Die Winzer verstehen ja etwas anderes darunter. Aber die Kunden haben den Namen sofort geliebt. Und unser Slogan „Großer Wein in kleinen Flaschen“ war dann einfach plötzlich da.

Woher bezieht ihr eure Weine? Wie funktioniert das alles?

Für unsere Kundinnen und Kunden ist die Herkunft der Weine besonders wichtig. Die Philosophie des Weinbaubetriebes, vor allem eine Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide sind ebenfalls zentral. Konventionell arbeitende Winzer sind für uns nicht von Interesse. Jeder Wein von FASSPROBE stammt von einer besonderen Einzellage, d. h. wir füllen nur Weine mit hoher Qualität und Geschichte ab. So stammt z. B. unser Grüner Veltliner von 40 Jahre alten Rebstöcken und der Riesling für unseren Bio-Spritzer stammt von der ältesten urkundlich erwähnten Riede Österreichs. Wir versuchen immer die Geschichte dahinter zu erzählen! Herkunft und biologische Landwirtschaft sind wichtig. Nicht ganz so wichtig sind aber Winzer mit großem Namen. Wir suchen daher kleine Betriebe mit einer langen Weinbautradition in der Familie.

Nachhaltigkeit, Regionalität, Umweltdenken, Social Responsibility – all diese Begriffe werden auch für Unternehmen immer mehr zum Thema. Was ist deine Philosophie?

Slow Wine und biologische Landwirtschaft sind mein Leitsatz: Ich möchte die Geschichte des Weines kennen. Ich möchte wissen, woher der Wein kommt, wie er produziert wurde und wer ihn kultiviert hat. Ich stelle mir gerne die Hände derer vor, die den Wein angebaut und verarbeitet haben.

Wer sind eure Kunden?

Unsere Zielgruppe sind prinzipiell Menschen, die einfach gerne ein gutes Glas Wein trinken. Ganz unkompliziert. Zu Beginn habe ich nur über unseren Online-Shop verkauft. Dann kamen nach und nach viele kleine Kunden dazu (Bioläden, kleine Restaurants, kleine Hotels, Designläden, Produzenten von Firmengeschenken, viele Privatkunden) und mittlerweile sind wir auch im Einzelhandel vertreten, mit Denn’s Biomarkt oder z. B. dem Fruchthof Innsbruck. Schön sind auch immer unerwartete Kunden, wie z.B. die Österreich Werbung (Stand der Österreich Werbung bei der IMAX in Frankfurt 2015) oder diverse Veranstalter.

Wie versucht ihr euch zu vermarkten?

Die Mundpropaganda ist tatsächlich entscheidend. Ich hab auch immer wieder kleine Werbekampagnen auf Facebook ausprobiert. Klappt mal so, mal so. Und wir versuchen als Partner oder Aussteller bei Veranstaltungen und Messen neue Kunden zu gewinnen. Vor allem zu Beginn waren die (doch meist bezahlten) Auftritte bei einschlägigen Events sehr sinnvoll für die Positionierung bei der Zielgruppe.

(c) Fotocredit: Markterei