Aus dem Leben eines Club-Nomaden

Was haben Studenten und Ölscheichs gemeinsam? Sie sitzen liebend gern um eine bunte Wasserpfeife und rauchen Tabak mit Fruchtgeschmack. Die jungen Südtiroler Thomas Unterfrauner (23) und David Wehinger (25) haben die Shisha aus der Schmuddel-WG befreit und ihr einen neuen Platz im Tiroler Nachtleben gegeben.

Arbeitstag bedeutet für die meisten flirrender Bildschirm und tickende Uhr im Hintergrund. Nicht für Thomas und David. Arbeitstag bedeutet für sie flirrendes Diskolicht und Beats im Bauch. Und der Geruch von Orange-Minze in der Nase. Wie ein Märchen aus 1001 Nacht klingt die Geschichte von ihrer Flying Shisha Lounge, einer Idee, die ihr Leben auf den Kopf stellte. Mit dem kleinen Unterschied, dass kein Flaschengeist im Spiel war. Auf die Idee kamen sie nämlich von selbst.

Es war eigentlich eine Schnapsidee

“Wir haben letztes Jahr im Frühling eine Reise nach Dubai unternommen und die dortigen Wasserpfeifen Bars gesehen, die auch Shisha Bars genannt werden, und waren hin und weg.”, erzählt der junge Inhaber Thomas. “Die Leute sitzen beisammen und es herrscht eine ganz besondere Stimmung. Gemütlich und entspannend. Da wussten wir: Wir brauchen eine Shisha-Lounge in den Südtiroler Bergen.” Eine echte Shisha Bar kam nun aber nicht in Frage, da den beiden das Risiko zu groß war und eine Bar auch nur einen kleinen Umkreis erreichen würde. Doch die Jungs wollten ihre neue Entdeckung unter möglichst viele junge Südtiroler bringen und zwar mit Karacho. “Wir haben unseren Shisha-Traum in eine mobile Variante verwandeln” Thomas ist heute stolz auf das Outcome ihrer Kniffeleien: “Wir haben hin und her überlegt. Dann ist uns eingefallen, dass wir unseren Shisha-Traum einfach in eine mobile Variante verwandeln könnten. Wir wollten eine Shisha-Lounge auf die Beine stellen, die von Festival zu Festival, von Event zu Event wandert und möglichst viele begeistert. Das würde auch alles etwas einfacher und flexibler machen.”

flying shisha

Voilà, der ungewöhnliche Plan der wandernden Shisha Bar war geboren, aber noch ohne Erfolgsgarantie. Stählerne Nerven brauchten die Jungs für die große Premiere:“Wir haben uns zum Festival Love Electro 2015 in der Franzensfeste angemeldet. Die Organisatoren waren begeistert von unserem Konzept. Das fühlte sich schon mal gut an im Bauch.” In wenigen Tagen wurde eine Auto-Karawane gestartet. Die Shishas und das Mobiliar wurden gekauft und ein Team aus Kollegen auf die Beine gestellt, die sich im Servicebereich auskennen. Alles echte Handarbeit. Und das erste Festival wurde ein großer Erfolg. Im Nachhinein beinahe unwirklich, findet es der 23-jährige Durchstarter immer noch: “Es war eigentlich eine Schnapsidee. Aber was für eine. Sie kam so gut an, dass wir einfach weitermachen mussten. Wer hätte das gedacht. Am Morgen nach dem ersten Festival aufstehen und das nächste große Festival war schon am Telefon. Die wollten uns haben. Da war uns plötzlich klar: Das war noch nicht das Ende der Geschichte.”

So funktioniert’s.

Und so funktioniert die Flying Shisha Lounge: Der Veranstalter kann die fliegende Shisha-Bar buchen und stellt lediglich den Platz zur Verfügung, egal ob unter Dach oder Sternenhimmel. Um den ganzen Rest kümmern sich die Jungs. Sie bringen Stühle, Kissen, Tische, Wasserpfeifen und das ganze Shisha-Team mit. Inzwischen haben die Jungs einige Profis in die Crew geholt, welche die Gäste optimal zum Thema Shisha beraten können und den Neulingen alles in Ruhe erklären. Dabei verkraftet die Bar mehr als 200 Partytiger.

Große Pläne für die Zukunft

Heute kennt man die Flying Shisha Lounge in der Südtiroler Szene und kann sie auf den vielen Events schon von Weitem erschnuppern. Das junge Team schwirrt herum und verwandelt die Wünsche der Youngsters in fruchtige Rauchwolken. Das Unternehmen ist ein Brenner und das nicht nur für Raucher. Dass es mittlerweile stressiger ist als geplant, gibt der junge Inhaber zu. Denn die Lounge ist bis jetzt noch ein Hobby und das Team schmeißt den Laden nebenberuflich. “Wir haben uns keine großen Gedanken gemacht, als wir das Ding ins Rollen gebracht haben, wir wollten es einfach probieren.”, meint Thomas, “Es müssen eben nicht nur die Kohlen heiß gemacht werden, sondern das gründliche und mehrmalige Putzen aller Geräte nach dem Event gehört genauso dazu. Die zufriedenen Gäste in der Lounge machen die turbulenten Abende aber wieder wett. Wir haben als Team großen Spaß bei der Sache.”

Höhepunkt des Jahres war das große Festival Electric Love. Viel zu lernen gibt es noch, doch die Jungs wollen nächstes Jahr unbedingt wieder dabei sein und es umso besser machen.

“Wir haben einiges vor”

Die Shisha Lounge ist noch ein echtes Baby und hat im Juli 2016 ihren ersten Geburtstag gefeiert. Das Team hat große Pläne für die Zukunft. Neben den Shishas sollen spezielle Getränke und einige andere Überraschungen die Karte etwas aufpimpen. Die Bar soll ein gemütlicher Ausgleich zum Party-Rambazamba sein, den es bisher in Tirol und Umgebung so noch nicht gibt. Auch das Konzept Shisha soll einige Fans dazugewinnen. “Wir möchten unsere Lounge auf weitere große Festivals bringen, weil der Orient-Flair etwas besonderes ist. Man kann sich einfach mal hinsetzen, sich mit Freunden unterhalten und den Stress vergessen. Eine Art indianische Friedenspfeife mit tollen Geschmacksrichtungen eben.”, so Thomas.

Die zwei jungen Durchstarter haben die Wasserpfeife aus der finsteren Bar geholt und ihr den Weg ins Tiroler Nachtleben gebahnt. Und das mit einer Menge Einsatz und Begeisterung. Denn wo Rauch ist, ist bekanntlich auch Feuer. Das Ende des Märchens ist wohl so schnell noch nicht geschrieben.