Die meisten Gründerteams bestehen aus Männern. Dies ergibt sich zumindest aus der Erfahrung der Transferstelle der Universität Innsbruck und des Inncubator-Teams nach einer Vielzahl von Gründer-Beratungen. Aus diesem Grund riefen wurde gemeinsam die Veranstaltung “Found Her” ins Leben gerufen, die sich gezielt an Frauen mit dem Wunsch zur Selbstständigkeit richtet. Das erste von einer Reihe geplanter Treffen fand am 14.11. im Inncubator am WIFI Campus statt.

Auf der Suche nach Innsbrucks Gründerinnen stoße ich hier zunächst auf eine Wand. Eine Wand, an der die Polaroids der Teilnehmerinnen haften, nebst einem Steckbrief mit den eigenen Wünschen und dem eigenen Angebot an Fähigkeiten.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wird deutlich, dass hinter den unterschiedlichen Gesichtern Frauen in verschiedenen Lebensabschnitten und mit den verschiedensten Hintergründen stecken. Von Studenten bis Berufstätigen, von Grafikerinnen bis Chemikerinnen waren alle möglichen Lebensläufe vertreten.

Mit gutem Beispiel voran

Da es sich mit guten Beispielen am besten motivieren lässt, waren zwei Gründerinnen eingeladen, die über ihre Erfahrungen berichteten. Michaela Wohlfahrt erzählte vom langen Weg bis zur Eröffnung ihres Cafés Namsa. Das Besondere daran: Als Servicekräfte werden Flüchtlinge eingestellt, um ihnen den Eintritt in die Berufswelt in Österreich zu ermöglichen. Nach langer Immobiliensuche und einer im November beendeten Crowdfounding Kampagne steht im Dezember nun endlich die Eröffnung des Cafés an.
Mit Liesa Jirka schloss sich eine studierte Architektin an, die sich selbstständig machte und die Eventorganisation des ersten Innsbruck Nature Film Festivals übernahm. Bis heute ist sie bei diesem Projekt geblieben und arbeitet das gesamte Jahr an der Planung, Organisation und Vermarktung der Veranstaltung.

Ein Netzwerk aus Ideen

Anschließend hatte jeder mir einer eigenen Idee Zeit, diese kurz zu pitchen. Ziel der Präsentation war es, dass sich andere Teilnehmer einem dieser Projekte anschließen konnten. Aber auch wer seine Idee allein umsetzten wollte oder bereits ein Gründerteam aufgestellt hatte, konnte sich präsentieren.

Zum Abschluss gab es Pizza und die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen, Kooperationen entstehen zu lassen, ein Team zu bilden. So war zumindest die Intention der Veranstalter. Wie viele Teams sich schlussendlich gefunden haben, wird sich wohl bei den nächsten Treffen zeigen.

Erst das Vergnügen, ganz ohne Arbeit

An der Umsetzung der Ideen wurde allerdings nicht gearbeitet. Auch wer konkrete Fragen hatte, fand die Antworten darauf zumindest nicht an diesem Abend. Jedoch gab es die Möglichkeit, einen Einzeltermin mit Dr. Holger Bock von der Gründungsberatung / UniHolding zur ausführlichen Besprechung der eigenen Pläne zu vereinbaren.

Wer mit seiner Idee kam und auf einen direkten Ansatz zur Umsetzung gehofft hatte, verließ diesen Abend also wohl etwas enttäuscht. Bei dem ersten Treffen schien der Fokus in erster Linie auf dem Kennenlernen und Vernetzten zu liegen. Wie die weiteren Veranstaltungen ablaufen sollen und ob dann Hand an den konkreten Ideen angelegt wird, bleibt abzuwarten. Verraten wurde dazu vorerst nichts.

Gründen – Egal mit wem an meiner Seite?

Das Konzept des Austausches, des Zusammentreffens verschiedener Ansichten und Skills kann durchaus ein fruchtbares sein, doch liegt auch eine gewisse Problematik darin, wenn sich zuvor unbekannte Personen der eigenen Idee anschließen. Wenn man ernsthaft ein Unternehmen gründen möchte, dann höchstwahrscheinlich nur mit Menschen, die man wirklich gut kennt und denen man auch vertraut. Solche Leute kann man bei einer Veranstaltung wie “Found Her” sicherlich auch finden, aber es gibt keine Garantie dafür, dass ich mit denjenigen, die meine Idee unterstützen wollen, auch gut arbeiten kann. Es bleibt Risiko und Chance zugleich, sich auf neue, fremde Mitstreiter einzulassen.

Dieses Risiko einzugehen blieb den potentiellen Gründerinnen freigestellt. Found Her bot somit eine Plattform, einen Teil der weiblichen Gründerszene Innsbrucks kennenzulernen und am eigenen Projekt teilhaben zu lassen, ohne dies zu erzwingen.