Der heute 53 jährige Gründer Dr. Günther Gapp, der nach eigenen Worten noch gut 10 Jahre zu arbeiten hat, freut sich, dass er „so kurz vor der Pension“ noch als Jungunternehmer mit dem zweiten Platz in der Kategorie Kreative Dienstleistung des Jungunternehmerpreises der WKO 2016 ausgezeichnet wird. Der Mikrobiologe berichtet uns mehr über sein Unternehmen Gapp Quality.

Die Idee hinter Gapp Quality

Gapp Quality steht für gute Qualität der geleisteten Arbeit beim Kunden. Das Ein-Mann Unternehmen bietet Consulting- Dienste für die Qualitätssicherung und – kontrolle in der Healthcare Industrie an. Das spezielle Fachgebiet ist die „Kontrolle von mikrobiologischer Kontamination in sterilen, das heißt keimfreien, Arzneimitteln“(Infusionen und Injektionen). Günther meint, dass er sich damit gut gegen die internationale Konkurrenz durchgesetzt hätte. Die Bedeutung steriler Arzneimittel dürfe nicht vergessen werden, denn was dem Menschen oder Tieren ins Blut oder Muskel appliziert werde, müsse frei von Mikroorganismen sein.

Die Unternehmensvision

Gute Arbeit beim Kunden zu liefern und wieder Spaß am Job zu haben, den er vor ein paar Jahren aufgrund der schlechter gewordenen Rahmenbedingungen komplett verloren hätte, ist seine persönliche Vision. Hinter dem Begriff „kreative Dienstleistung“ versteckt sich sein Produktangebot, denn im Gegensatz zu anderen Konsulenten kann er ein Gesamtpaket anbieten und leisten: Know-how in pharmazeutischer Mikrobiologie, mikrobiologischer Laboranalytik, allgemeiner GMP (Good Manufacturing Practices), technisches Know-how und Wissen über mikrobiologische Prozesssimulationen und Umgebungskontrollen, sowie Kenntnisse über Normen und Guidelines- und das gepaart mit jahrzehntelanger Erfahrung durch „Dick und Dünn“. Erst dadurch könne er das Wesentliche zur „Sterility Assurance“ herausfiltern, und darauf komme es bei Qualitätsentscheidungen an. „Hier trennt sich unweigerlich die Streu vom Weizen, und bei Viel- und Schönrednern bröckelt sofort die Fassade ab – es zählt schlussendlich nur das Können!“, kommentiert er. Ihm geht es um die Qualität der Arzneimittel und die Patientensicherheit, und um viel Geld beim Kunden in Sachen „Compliance-Themen“.

USP und die vier Hauptaufgaben

Die Unique selling proposition von Günther ist es, einer der besten zu sein. Die Hauptaufgaben des Unternehmens besteht aus der Unterstützung beim Startup von neuen Anlagen, der Organisation von Workshops, der Unterstützung bei der Bereinigung von Qualitätsmängeln als auch die Durchführung von Audits und schlussendlich von Risikoanalysen. Die innovativ verbesserte Risikoanalyse Günthers wird bei Kunden sehr oft eingesetzt (Hazard Operability Method). Diese ist eine als „Gefahr- und Bedienbarkeitsstudie“ strukturierte und systematische Prüfung eines komplexen, bestehenden Herstellverfahrens. Der Produktionsprozess eines sterilen Arzneimittels wird in mehrere Blöcke unterteilt, wobei es zu jedem einen abgestimmten Fragenkatalog gibt. Den Antworten werden Zahlen zugeordnet, und mit Gewichtungsfaktoren hochgerechnet. Als Ergebnis kommt ein Risikofaktor heraus, der das Kontaminations- und behördliche Compliance Risiko objektiv sehr gut beurteilt. „Damit können potentielle Schwachpunkte und Fehler im Herstellprozess identifiziert werden, und der Kunde kann bereits – proaktiv – Maßnahmen setzen“, erläutert Günther und fügt hinzu, dass er sich aufgrund von Rückmeldungen von Kunden recht sicher sei, dass seine Methode sehr gut funktioniere und mehr in Details gehe als andere Risikoanalysen. „Man muss über das nötige Know-how verfügen und sie richtig einsetzen, doch es gibt ein Problem, wenn meine HAZOP Analyse von andren benutzt wird, da sie aufgrund von mangelnder Erfahrung so nur wenig nützlich ist“, resümiert der Unternehmer.

Technologien, Konkurrenz und Kunden

Für Günther reichen drei Schwerpunkte: gesunder Menschenverstand, Kunden gut behandeln und mit Erfahrung reingehen. Trotz nationaler wie internationaler Konkurrenz werden die Ziele mit einem guten Netzwerk und ausgezeichneter Arbeit erreicht. Die weltweite Kundschaft kommt derzeit massiv aus den USA, aber auch aus Indien oder Österreich, Deutschland und Argentinien.

Wie man Kunden gewinnt

„Ich komme meistens in Firmen, welche bereits Qualitätsprobleme haben oder vor großen Aufgaben stehen, und das alleine nicht schaffen. Da kann es nicht langweilig werden, ich muss mich anpassen und in den Prozess eingliedern. Das geht nur mit guten „social skills“ und vollem Engagement“, berichtet Günther. „Man muss den Kunden erst einmal gewinnen und überzeugen, sonst ist man gleich draußen. Dazu gehört auch ein guter Umgang mit Menschen, was viele Manager – leider- komplett verlernt haben. Und die Folgen sieht man in vielen Betrieben- und nicht nur in der Pharmaindustrie“, fügt er hinzu. Günther hat sich in einer renommierten US Consultingfirma mit über 200 Top-Konsulenten und vielen EX- FDA Inspektoren als DER Sterilproduktionsexperte und einziger europäischer Mitarbeiter etabliert.

Innovation und Modernisierung

Günthers Einsicht sei es, dass man nie auslerne und sich selbst nicht zu wichtig nehmen dürfe. Alle diese Lernerfahrungen baut er auch in seine Risikoanalyse mit ein. „Konkret ist es knochenharte Arbeit beim Kunden, viele Flüge, Jetlag, gefährliche Taxifahrten (in Indien), viel einsame Zeit, die Fähigkeit sich gut in ständig wechselnde Teams eingliedern zu können, sich in Fitness-Studios in Hotels abzuquälen, und dann wieder wochenlang Tirol ´s Berge zu genießen- das ist mein Alltag,“ erzählt er. „Wenn ich zuhause bin, beneidet mich fast jeder, doch wenn man über Monate lang in Indien durchhalten muss, bin ich mir sicher, dass das nur wenige durchhalten würden. Man muss körperlich und geistig recht fit sein“, ergänzt Günther.

Unternehmenswerte und der Weg zum Erfolg

Für das 100% eigenfinanzierte Unternehmen ist es Priorität höchste Qualität der Produkte für den Patienten zu gewährleisten, welche nur durch gute Arbeit beim Kunden erzielt werde. Der Weg zum Erfolg in der Pharma- Consultingbranche sei ein beinharter Wettbewerb um den Kunden- in der Preis und Qualität zählen. Er würde sich wünschen sich bei den Tiroler Krankenhäusern in Sachen „Hygiene“ einbringen zu können um gegen das verstärkte Auftreten von „Krankenhauskeimen“ zu arbeiten. Ein weiteres Ziel sei es, in die Top-Liga der internationalen Parenteral- Industrieexperten aufzusteigen, wo er gerade für zwei renommierte Gremien nominiert ist und er dadurch die Richtlinien der Gesundheitsbehörden mit beeinflussen könnte.

Copyright der Fotos: Gapp Quality