Vor einigen Monaten starteten die Brüder Johannes und Alexander De Zordo ihr soziales Netzwerk GLOQON mit Innsbruck als Pilotstadt. Was genau GLOQON ist, wie es zur Idee kam und was die Jungs potentiellen Gründern mit auf den Weg geben wollen, lest ihr im folgenden Interview.

Wer seid ihr und was macht ihr?

Wir sind zwei Brüder, kommen ursprünglich aus Südtirol und haben hier in Innsbruck am Management Center Innsbruck studiert. In diesem Jahr haben wir entschlossen unser Projekt GLOQON umzusetzen. Es handelt sich dabei um ein lokales Netzwerk, um mit Personen in der unmittelbaren Umgebung in Kontakt zu treten: Ein User gibt seinen Standort an, und sieht auf Anhieb alle Posts anderer User in seiner Nähe. Posts werden in Kategorien eingeteilt und können sein, um z.B. Leute kennenzulernen, neue Mitbewohner zu finden, Leuten in der Umgebung eine Frage zu stellen, News zu verbreiten, Angebote zu finden etc. Es ist außerdem möglich sich mit anderen Usern zu befreunden und diesen zu folgen bzw. Posts nur für Freunde zugänglich zu machen. Man kann auch spezielle Kategorien erstellen, die man nur vor Ort einsehen kann, z.B. damit sich die Besucher eines Clubs, Pubs oder Gäste in einem Hotel austauschen können. Mit unserem Konzept wollen wir Personen im realen Leben verbinden. Wir sind seit kurzem vor allem in Innsbruck aktiv und unter www.gloqon.com erreichbar.

Wie kam es zu eurer Idee?

Wir wollten während unserer Auslandsstudien und Reisen aus unterschiedlichen Gründen mit Personen vor Ort in Kontakt kommen. Dadurch, dass die Situationen unterschiedlich waren, feilten wir relativ lange an einem Konzept, welches eben unterschiedliche Bedürfnisse bedient – auch wenn es jetzt sehr logisch klingt. Die ursprüngliche Idee war daher eine Plattform für Personen, welche sich außerhalb ihres täglichen Umfeldes befinden – allerdings bräuchte es eine sehr hohe Penetrationsrate in dieser Nische, um einen effektiven Mehrwert zu bieten. Erst als wir während eines Bahnstreiks kurz vor unserem Zielort festsaßen, dachten wir, wie genial es wäre eines der Dutzenden Autos zu erreichen, die in dieselbe Richtung fuhren. Und da wurde uns bewusst, dass das Internet eigentlich täglich dazu verwendet wird, um Personen in derselben Umgebung zu erreichen. Meist geschieht das auf spezialisierten Plattformen, für z.B. lokale Schnäppchen, Mitfahrgelegenheiten, Jobbörsen usw. Unser Konzept hat jedoch einen sehr ganzheitlichen Ansatz und kann in beliebigen Situationen eingesetzt werden.

Wie lange habt ihr an der Idee gearbeitet?

Die Idee hat sich wie gesagt über einen längeren Zeitraum entwickelt. Dieses Konzept (Posts innerhalb eines bestimmten Radius‘ sehen bzw. einschränken) hatten wir erstmals im Mai 2014. Ungefähr drei Monate später waren wir überzeugt, dass es prinzipiell sehr großes Potential hat und haben dann das Konzept für weitere sechs Monate weiterentwickelt, bis wir im Februar dieses Jahres mit der Programmierung begonnen haben. Die reine Programmierzeit belief sich auf vier Monate, bis wir zum ersten Mal offiziell hier in Innsbruck online gingen. Allerdings programmierten wir Dinge, die wir ein Monat nach Product Launch bereits wieder herausgenommen haben. Im Ganzen waren es also ungefähr 12 Monate.

Wie sehen eure weiteren Pläne aus?

Wir sind bereits voll funktional unter www.gloqon.com verfügbar und in Kürze in den App Stores. Auf der technischen Seite gibt es einige Ideen, die wir stetig implementieren werden. Auf der Marketing-Seite werden wir regional vorgehen, dadurch, dass wir eine ausreichend hohe Nutzerzahl in den verschiedenen Orten erreichen müssen. Das heißt, wir werden unsere Anstrengungen von Stadt zu Stadt verlagern, erstmals mit Fokus auf Österreich. Unsere Zielgruppe sind sicherlich Studenten, wobei wir auch gemerkt haben, dass unser Service eigentlich bei allen Generationen sehr gut ankommt und genutzt wird. Wir suchen ganz konkret nach Studenten, die Interesse haben GLOQON in ihrer Stadt zu promoten, auch in Form eines Uni-Projektes, und nach Bars, Pubs, Clubs und Hotels, welche an einer Kooperation interessiert sind.

War Gründung schon immer ein Wunsch/Traum von dir/euch?

Wir haben eigentlich schon früh mit dem Gedanken der Unternehmensgründung gespielt und begonnen in Lösungen zu denken – alltägliche Probleme zu beobachten und Lösungswege zu finden. Schon während unseres Studiums hier am MCI haben wir an Projekte gearbeitet – immer mit Schwerpunkt IT. Manche Projekte schafften es auch relativ weit, allerdings hatten wir nie das 100%ige Gefühl, dass das genau das Richtige für uns ist. Vom Konzept von GLOQON hingegen waren wir völlig überzeugt, sodass wir uns gesagt haben, dass wir das richtig durchziehen wollen und es keine halbe Sache sein soll.

Was waren eure Milestones und wo gab es die größten Schwierigkeiten?

Natürlich hatten wir einige Highlights, zum Beispiel im Juni, als wir offiziell online gingen, wir wertvolles Feedback erhielten und im Tiroler Businessplanwettbewerb in die Top 10 Startups gewählt wurden. Erst neulich haben wir außerdem einen Programmierer eingestellt, der uns unterstützt native Apps zu entwickeln. Der Release für iOS und Android ist der nächste Milestone, den wir anpeilen.

Ich glaube der wichtigste Milestone war bis jetzt jedoch dieser absolute Entschluss das Startup zu gründen. Ich war damals in den USA, da ich die Green Card gewonnen hatte – kam dann nach Europa zurück. Unsere Vorstellung war zu diesem Zeitpunkt aber immer noch, dass Johannes seinen Job behält und ich hier in der Nähe arbeite. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich zu einem Vorstellungsgespräch in der Schweiz eingeladen wurde und Johannes meinte, wenn ich den Job bekomme (was ich auch hätte), sollte ich ihn annehmen, da wir erst das Produkt programmieren müssen etc. Am selben Abend gingen wir noch hier ins Moustache und Johannes meinte in noch vollkommen nüchternem Zustand: „Wenn wir das Ding durchziehen, dann aber auch richtig! Und das heißt ich kündige meinen Job und du nimmst dein Angebot nicht an!“. Und zwei Tage später haben wir das auch so gemacht, und um es definitiv zu besiegeln uns als Firma registrieren lassen.

Ihr seid zur Gründung nach München gewechselt. Warum?

Beim Thema Standort merkt man, dass wir in den vergangenen Jahren überall in der Welt gelebt haben und wir dementsprechend flexibel waren. Wir sind aufgrund unseres Produktes nicht an einem geografischen Ort gebunden, daher waren für uns rationale Faktoren wichtig: Möglichst günstig eine Kapitalgesellschaft zu gründen, idealerweise mit gutem Netzwerk der Startup Szene. Ich war kurz vor Gründung von GLOQON noch in San Francisco, insofern standen die USA, Österreich, Deutschland, Italien und auch Estland zur Debatte. San Francisco schied aufgrund der unglaublich hohen Lebenshaltungskosten aus. Estland hatten wir in Betracht gezogen, da die Lebenshaltungskosten relativ niedrig sind, man praktisch online ein Unternehmen gründen kann und es eine starke Startup Szene hat – Skype z.B. wurde in Estland entwickelt. In Italien vermissten wir eben diese Startup Szene, wobei sich in Bozen einiges bewegt. Die Wahl fiel schlussendlich auf Deutschland, weil man eine Mini-GmbH (Unternehmergesellschaft) sehr unkompliziert und ohne hohen finanziellen Aufwand gründen kann. Es hat auch eine sehr etablierte und wachsende Startup Szene.

Bozen, Innsbruck oder München, wo ist es am einfachsten ein Startup zu gründen? Worin liegen eurer Meinung nach die Vorteile der jeweiligen Standorte?

Rein zum Gründen ist die deutsche Unternehmergesellschaft (UG) als Antwort auf die englische Limited in finanzieller Hinsicht hervorragend geeignet. Gerade in unserem Bereich als Social Media bringt der Standort Deutschland allerdings auch einige Nachteile mit sich. Zum einen der Abmahnwahn schon für Nichtigkeiten, der in Deutschland vorherrscht. Eine solche Abmahnung könnte für ein kleines Startup in unserer Phase bereits das Aus bedeuten.

Zum anderen verfolgen wir gespannt fast wöchentliche Diskussionen hinsichtlich Datenschutz, wie z.B. neulich, dass deutsche Bürger auf Facebook das Recht haben sollen sich unter ein Pseudonym zu registrieren. Das Thema Datenschutz ist in Deutschland besonders pikant, wobei Startups auch Steine in den Weg gelegt werden – schon ein Facebook-Like-Button auf einer Webseite muss wohl durchdacht sein.

Was fehlt Innsbruck, um zum Startup Hotspot im Alpenraum zu werden?

Wir glauben, dass Innsbruck in dieser Hinsicht nicht das volle Potenzial ausschöpft. Natürlich braucht es zum einen die rechtlichen Voraussetzungen, um als Standort attraktiv zu sein. Allerdings könnte die Uni und auch das MCI mehr aktiv daran arbeiten, das Unternehmertum zu fördern. Ich selbst habe meinen Master in Dänemark gemacht und es gab neben Entrepreneur-Workshops das Bestreben auch ausländische Studenten mit Ideen zu fördern und im Land zu halten. Und so entwickelt sich auch langsam aber sicher eine starke Szene. Rein von der Lage und Möglichkeiten inmitten der Alpen wäre Innsbruck sicherlich auch sehr beliebt.

Was würdet ihr potenziellen Gründern und Interessierten mit auf den Weg geben?

Macht es! Wenn ihr eine Idee habt, an die ihr glaubt, macht es! Es ist leicht nein zu sagen, aber mit Garantie bereut man es nicht versucht zu haben – spätestens wenn man aus der Zeitung liest, dass es jemand anderes erfolgreich umgesetzt hat. Es ist sicherlich nichts für jedermann, aber wenn man bereits mit dem Gedanken spielt, sind die persönlichen Voraussetzungen wahrscheinlich gegeben. Und seid immun gegen extremes Feedback – im positiven oder negativen Sinn. Viele denken von unserer Idee, dass sie zum Scheitern verurteilt ist und so etwas nur aus dem Silicon Valley stammen kann, andere hingegen würden am liebsten gleich investieren, weil sie darin die nächste Revolution im Internet sehen. Fakt ist, man versucht als Startup etwas Neues, Innovatives zu schaffen. Wie es schlussendlich ankommt, weiß kein Businessplan, sondern wird nur die Zukunft zeigen. Seht es als eine Reise mit Open Return Ticket.

Interessierte können sich unter GLOQON registrieren. Mit dem Promotional Code STARTALPS2015 gibt es 100 individuelle Kategorien exklusiv für Startalps Leser.