Die Cider-Welle schwappt vom Norden in den Süden, von Schottland nach Südtirol. Drei Südtiroler Studenten treffen in London aufeinander und merken, dass man aus Äpfeln nicht nur Apfelstrudel, Apfelsaft und Most machen kann. Max Alber (33) und die beiden Brüder Philipp (29) und Stefan Zingerle (33) importieren die Cider-Idee nach Südtirol und entwickeln Hoila, den Südtirol-Cider. Wie schwer es ist, einen Südtiroler davon zu überzeugen, etwas anderes zu trinken als Bier und klassischen Wein, und welche Herausforderungen sie stemmen mussten, das verraten die „Nebenerwerbs-Gründer“ im Interview.

Was ist eure Geschichte?

Wir haben den Trend der Cider-Wirtschaft in England, wo wir unterschiedlich lange gelebt haben, beobachtet. Cider verbunden mit der Liebe zu unserer Heimat, ließ die Idee entstehen, auch im Apfelland Südtirol Cider zu produzieren.

 Euer beruflicher Hintergrund hat weder mit Äpfeln, noch mit Getränken zu tun – jetzt produziert und verkauft ihr Apfelschaumwein. Wie funktioniert das?

Wir kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und betreiben Hoila nur nebenberuflich. Ich komme aus dem Bereich Marketing und Kommunikation, Philipp aus dem Bereich Handel, Einkauf und Sales und sein Bruder Stefan ist ein sehr vernetzter Weltenbürger, der überall Top-Kontakte hat und uns hilft, das Produkt außerhalb von Südtirol zu vermarkten. Momentan ist es einfacher, den Hoila-Cider in anderen Regionen zu verkaufen. Südtirol hat sehr konservative Kunden, die nach dem Motto leben: „Was der Bauer nicht kennt, trinkt er nicht.“ Allerdings kommt Hoila mittlerweile vor allem in den Südtiroler Bars gut an, die auf regionale und nachhaltige Produkte setzen.

Das Marketing ist das eine, das andere ist die Produktion. Wie macht man einen Cider?

In Südtirol gibt es nicht sehr viel Erfahrung mit Cider, da hier der Weinbau dominiert. Wir haben uns deshalb mit der Heriot Watt Universität in Schottland zusammengetan. Zusammen haben wir ein Forschungsprojekt lanciert und aus 12 verschiedenen Südtiroler Apfelsorten sind 40 verschiedene Cider-Cuvees entwickelt worden. Diese wurden dann von uns verkostet und mit anderen Cidern, die am englischen Markt erhältlich sind, verglichen. Es hat sich herausgestellt, dass sich Südtiroler Äpfel tatsächlich gut zur Herstellung von Cider eignen. Zurück in Südtirol haben wir mit einem sehr findigen und sehr gut ausgebildeten Bauern das Rezept entwickelt. Das Rezept an sich ist einfach. In jeder Flasche sind drei Südtiroler Äpfel, keine Konservierungsmittel, keine Zuckerzusätze, keine Aromastoffe, kein Wasser. Die Kohlensäure entsteht natürlich im Gärprozess. Die Äpfel werden wie bei einem Apfelsaft unter Ausschluss von Sauerstoff gepresst, dann in einen Tank mit Hefe gegeben und werden dort kontrolliert für vier bis fünf Wochen gegärt und anschließend unter Druck abgefüllt. Der Cider wird dann noch pasteurisiert, um eine Haltbarkeit von 18 Monaten zu erreichen.

Wieviel Hektoliter produziert ihr pro Jahr?

Im ersten Jahr haben wir 60.000 Flaschen produziert, jetzt dieses Jahr werden wir vermutlich zwischen 120.000 und 150.000 Flaschen produzieren. Das heißt wir werden unsere Menge verdoppeln.

Entwicklungsprozesse können teuer sein. Wie habt ihr euch zu Beginn finanziert?

Die Finanzierung ist ein Faktor, der uns immer gefordert hat und der uns gerade in der Anfangsphase ziemlich beschäftigt hat. Die ersten großen Kosten, die zu Beginn auf uns zukamen, waren der Test und die Produktion in Schottland; und natürlich Südtiroler Äpfel nach Schottland zu schicken. Trotzdem waren wir in der Lage, uns über eigene Ersparnisse zu finanzieren.  

Ihr hattet keinerlei Unterstützung irgendwelcher Art gehabt?

Nein. Aller Anfang ist natürlich schwer. Aber wir sind stolz darauf, Hoila zu dritt auf die Beine gestellt zu haben. Es gibt keine Geldgeber oder Investoren, die uns Druck machen. Daher müssen wir Entscheidungen auch vor niemandem rechtfertigen.

Der Prozess hat mehrere Jahre gedauert bis ihr endlich marktreif gewesen seid. Startup-Berater sagen meistens, dass man offen sein soll und mit den Leuten darüber reden soll, andererseits will man sein Produkt nicht an die große Glocke hängen. Wie war das bei euch?

Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, sich mit anderen Leuten auszutauschen. Warum gibt es in einem Apfelland wie Südtirol mit seinen ganzen Äpfeln noch keinen Cider? Am Anfang standen wir vor einem großen Berg Recherchearbeit. Als die ersten Cider in Schottland fertig produziert waren, haben wir mit Fokusgruppen gearbeitet. Insgesamt haben 39 Testpersonen zehn unterschiedliche Geschmacksrichtungen getestet. Basierend auf den Testergebnissen haben wir den Geschmackssieger ermittelt und mit der Produktion begonnen. Jetzt fokussieren wir uns vor allem auf das Marketing. Natürlich besteht die Gefahr, dass ein Konkurrent einen ähnlichen Cider produziert. Allerdings ist der gesamte Prozess inklusive der Vermarktung sehr schwierig und nicht zu unterschätzen.

Ihr seid Freunde. Läuft die Zusammenarbeit da immer harmonisch?

Wir haben von Beginn an die verschiedenen Aufgabenbereiche sehr klar getrennt. Das ist extrem wichtig. Natürlich gibt es in jedem Unternehmen große Entscheidungen, der Name zum Beispiel – Hoila. Wir hatten bestimmt bis zu 50 andere Ideen für einen Markennamen. Die Entscheidung wurde dann aufgrund unterschiedlicher Faktoren getroffen. Rechtliche Aspekte waren ebenso ein Thema wie der Bezug zu Südtirol.  

Was waren die größten Schwierigkeiten bei dem Prozess?

Die größte Schwierigkeit lag darin, jemanden zu finden, der sich in diesem Metier sehr gut auskennt. Cider ist nicht typisch für Südtirol. Die zweite Schwierigkeit lag darin, die richtigen Sorten zu finden, die diese Balance zwischen Süße und Säure haben, sodass das Produkt angenehm zu trinken ist und man auch eine zweite Flasche trinken kann. Die dritte Herausforderung war, dass es in Italien eigentlich keine Ciderproduzenten gibt und die rechtlichen Aspekte geklärt werden mussten. Wir standen vor einem Berg an Fragen: Welche Zutaten müssen gelistet werden? Was passiert, wenn wir es nach Schweden liefern? Was sind hier Einfuhrzölle? Die größte Schwierigkeit war allerdings, dass wir unserer Zeit voraus waren. Cider gehört zwar momentan zu den am schnellsten wachsenden Produkten im Alkoholbusiness, aber trotzdem ist das Getränk relativ unbekannt. Es ist kein Bier, es ist kein Wein. Es ist eben Cider. Wir haben einige Jahre gebraucht, bis sich Hoila Cider durchgesetzt hat. Wir mussten Partner mit ins Boot holen, die ihre Kunden für neue Produkte begeistern können.  

Welche Tipps würdet ihr anderen Startups mit auf den Weg geben?

Die Idee spielt bei der Gründung eines Startups eine wesentliche Rolle. Sie verkörpert Leidenschaft und ist ein Motivator, der dich viele Rückschläge wegstecken lässt. Zudem ist es wichtig, mit den richtigen Leuten zu reden. Wir haben mit der Universität in Schottland einen Partner gefunden, der extrem viel Know-How in diesem Bereich hat. Dadurch haben wir sehr viel Zeit gespart. Wir haben gleich mit den richtigen Menschen zusammengearbeitet. Mit unserem Apfelbauer haben wir einen Partner gefunden, der ausschließlich für uns produziert. Bei einer guten Geschäftsbeziehung müssen eben beide Partner profitieren. Keiner darf das Gefühl haben, einer versucht den anderen auszunehmen. Und zum Schluss: Ausdauer und Geduld. Ein bisschen Social Media reicht bei weitem nicht aus. Wir besuchen sehr viele Events und Verkostungen, nicht nur in Südtirol. Wir waren gerade auf einer Konferenz in Berlin, um andere Partner, wie beispielsweise REWE, zu treffen. Egal ob Produkt oder Dienstleistung, es dauert eine gewisse Zeit, bis der Markt reagiert.