Lukas und Florian Böhler sind keine unbekannten Namen mehr im Silicon Ländle. Seit 2012 betreiben sie die AppWerkstatt, eine Agentur für Apps, Webseiten und Webshops. Neben ihrem Studium Software and Information Engineering an der FH Dornbirn und der Agenturarbeit nutzen sie jede freie Stunde, um eigene Apps zu entwickeln. Mit ihrem neuesten Projekt Jobify haben sie große Pläne. 

Was steckt hinter dem Begriff Jobify ?

Lukas Böhler: Eine Datingapp für Minijobs speziell in der Gastronomie. Unsere Zielgruppe sind vor allem junge Menschen, Schüler und Studenten. Die App ist lässig, knackig und modern, die Funktionalität und somit die Arbeitssuche super simpel und schnell und wir lösen damit ein großes Problem in der Welt der Gastronomie.

Das wäre…?

Personalsuche und Management vor allem wenn es um Aushilfen und Minijobs geht. Wir haben viele Verwandte in der Gastronomie und es ist immer wieder ein Jammer, kurzfristig Personal zu finden. Die klassischen Jobplattformen sowie die Schwarzen Bretter in den Schulen und Unis sind zu schwerfällig und auch zu langsam.

Wie funktioniert diese App?

Alle Benutzer, ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, legen ein Profil an mit einem rudimentären superschnellen Rating, bei dem sie mit Sternen angeben, welche Interessen und Erfahrungen sie haben. Das Bedienungskonzept lehnt sich an Tinder an: Ein Job nach dem anderen erscheint und die Benutzer entscheiden sich durch Swipen dafür oder dagegen. Der Wirt bekommt eine Notification und kann sich beim Arbeitssuchenden melden. Es funktioniert auch in die andere Richtung und wenn sich beide matchen, erhalten beide eine Notification. Das Rechtliche müssen beide Parteien miteinander regeln, die App connected nur.

Auf welche weiteren Features können sich die Benutzer freuen?

Die Kernkomponente der App gibt es gratis. Weitere Features gegen Bezahlung. Zum Beispiel kann der Wirt, wenn er einen Job erstellt, Optionen auswählen, dass alle in der Region, die  auf die Anzeige matchen, eine Push-Notification bekommen. Das ist wichtig, wenn es schnell gehen soll. Ein weiteres großes Thema ist das Poolmanagement: Damit können die Gastronomen ihre Mitarbeiter direkt über die App managen.

Wie ist die App abgesichert, damit sie nicht missbraucht werden kann?

Ganz wichtig ist die gegenseitige Bewertung und der Ausschluss. In der Gastronomie ist es extrem abartig, wie viele Leute einen Job annehmen und dann nicht auftauchen oder während der Arbeitszeit abhauen, das habe ich mir gar nicht so vorstellen können. Die Wirte bewerten deswegen ihre Arbeitnehmer und wenn diese zweimal ein schlechtes Rating bekommen, sind sie weg von dieser Plattform. Wie transparent aufscheint, wie die Arbeitgeber bewertet werden,  darüber diskutieren wir noch. Wahrscheinlich wird es den Anzeige-Algorithmus bestimmen.

Wir wollen Qualität liefern und nicht nur ein trashiges Ding.

Noch gibt es Jobify nicht in den App-Stores. Wie schaut eurer Zeitplan aus?

Wir sind grad voll am Umsetzen und Investoren suchen und das Ding bewerben. Das ist gar nicht einfach, da braucht es durchaus Geld und Know How. Wenn wir Vollzeit dran bleiben können, und das geht nur mit genügend Investoren, dann wird die App in acht Wochen auf dem Markt sein. Ansonsten dauert es eher fünf mal so lange, weil wir die Zeit nicht haben und uns ja auch über Wasser halten müssen.

Welche Vorteile bieten Apps und somit die App-Stores?

Durch die App Stores erreicht man schnell ein großes Publikum. So haben wir unsere App Weather Wheel nie aktiv beworben, trotzdem hat sie weltweit extrem viele Downloads und zählt fünf- bis zehntausend User am Tag. Natürlich kann man sich nicht auf diesen Mechanismus verlassen, manchmal funktioniert er, oft auch nicht und  somit bleiben Investoren essentiell.

 Die Investorensuche ist keine einfache Sache. Was habt ihr dabei gelernt?

Ehrlich sein. Das Anliegen und die Idee kurz und knackig präsentieren. Das Problem ist oft, dass man sich in Details verheddert, die für Außenstehende nicht wichtig sind. Auf den Punkt kommen, das muss man üben.

Die startupstube (wir haben berichtet) unterstützt Startupper bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit. Wie wichtig ist die startupstube für euch?

Für Jobify ist sie sehr wichtig. Weil wir sind zwar technisch bewandert, aber Marketing ist nicht unseres. Über die Startupstube haben wir viele Leute kennengelernt. Die Connections sind extrem wichtig, auch weil wir auf Investorensuche sind. Wir haben dadurch schon Ankerpunkte gefunden, die vielleicht auch funktionieren.

Warum wird Jobify erfolgreich sein?

Es fühlt sich gut an. Wir lösen eine Lücke im Gastrobereich und deswegen hat die App schon mal gute Karten. Die Wirtschaftskammer war hellauf begeistert von unserer Idee und das zeigt, dass der Bedarf da ist. – In Wirklichkeit kann man es nie wissen, aber wir haben mit vielen Leuten geredet und durchaus positive Rückmeldungen bekommen. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wenn das Ding draußen ist, ist es sicher noch nicht perfekt, aber wir entwickeln es weiter und werden besser und besser – bis zur Weltreise-App.

Weltreise-App?

Unser Ziel ist, dass man weltweit easy über die App einen Job finden kann. Das weitere Ziel wäre: Die App in andere Berufsfelder zu erweitern und sie beispielsweise mit Airbnb zu verknüpfen und dann gibt es die Möglichkeit, Weltreisen zu machen. Du sagst, du willst 30 Tage auf Reisen gehen und über die App kannst du dann überall Minijobs und Wohnungen buchen. Die App managed für dich, dass es sich mit dem verdienten Geld genau ausgeht. Das wäre eine coole Sache – bis dahin ist noch ein langer Weg, aber wir sind voll dran.

Auf Eis gelegt habt ihr momentan Unisono, eure App zum Managen des Vereinslebens. Warum?

Technisch gesehen haben wir auf das falsche Pferd gesetzt. Das Ding hält nicht ganz, was es verspricht. Wir hatten mega viele Probleme und man müsste nochmals viel Arbeit in das Ganze stecken. Zudem haben wir viele Nachfragen bekommen, wo die Daten landen würden. Die sind in Amerika, dieser Punkt müsste auch geändert werden. Deswegen sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es zwar megacool ist, wir jedoch nicht die Kapazitäten haben, um nochmals bei Null anzufangen… Aber wir haben ganz viel Wissen gesammelt, wie wir es besser machen könnten.

Wird es zu einem späteren Zeitpunkt eine zweite  Version geben?

Wir hoffen schon. Weil es ist etwas, das vor allem in Österreich, wo es viele Vereine gibt, schon ein Thema ist. Wir haben es bei uns im Musikverein verwendet und bekamen mega gutes Feedback. Darüber hinaus sind viele Anfragen gekommen, sogar von Deutschland. Wenn uns jemand ein Investment anbietet und wir Unisono mit mehr Mitarbeitern von Grund auf nochmal bauen können oder wenn wir irgendwann die Zeit finden, dann wird es eine zweite Version geben. Momentan muss sich Unisono hinten anstellen, weil fünf Sachen gleichzeitig nicht funktionieren. Bevor wir es halbherzig nebenbei laufen lassen, stellen wir es lieber mal ruhig und kommen später mit einem Knall zurück. Momentan reizt uns Jobify auch viel mehr.

Foto: jobify

http://meetjobify.com/