Was machen die eigentlich genau?

„Den Fortschritt verdanken wir den Nörglern. Zufriedene Menschen wünschen keine Veränderung.“ – Herbert George Wells

Wir trafen Stefan Engl, Co-Founder & COO von Kjero, einem Marketing-Unternehmen mit Sitz in Innsbruck. Als langjähriger Startup-Unternehmer im Technologie- und Digital-Bereich ist Stefan Engl neben seiner Aktivität bei Kjero seit Anfang 2014 auch als ehrenamtlicher Funktionär bei der Jungen Wirtschaft Tirol / JCI Tirol tätig. Er engagiert sich dort im Landesvorstand für den Bereich Startups & Universitäten und ist für Programme wie die Start-Up Class oder auch Start Ahead verantwortlich. Die Junge Wirtschaft (JW) ist Teil der Wirtschaftskammerorganisation. Die Wirtschaftskammer setzt mit der JW einen Schwerpunkt für die Anliegen und Bedürfnisse der jungen Unternehmer. Wir sprachen mit ihm vor allem über die „Junge Wirtschaft“ und ihre Erfolge.

Junge Wirtschaft – was ist das?

Die Junge Wirtschaft ist ein freiwilliger Zusammenschluss junger Unternehmer und als überparteiliche Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Wirtschaftskammer organisiert. Sie ist das Sprachrohr der jungen Unternehmer und vertritt aktiv deren Interessen und Anliegen. Wir dienen jungen Unternehmen als Anlaufstelle für unternehmerische Probleme und organisieren Veranstaltungen, um unseren Mitgliedern einen Wissensvorsprung zu bieten und ein starkes Netzwerk zu schaffen. Unser USP: Wir sind das größte, überparteiliche und branchenverbindende Netzwerk für UnternehmerInnen und unternehmerisch denkenden Menschen bis 40 Jahre, sowie Gründer und Übernehmer.

Was genau macht ihr da?

Als überparteiliche Interessenvertretung für Jungunternehmer in Österreich mit über 35.000 Mitgliedern (in Tirol mit über 4.000 Mitglieder) vertreten wir Themen und Anliegen, die für junge Unternehmen in diesem Land zukunftsentscheidend sind. Die Junge Wirtschaft baut auf 3 Säulen: Service, Netzwerk & Interessenvertretung. Zu unseren Aufgaben gehört u.a. die Beratung junger Menschen, die sich selbständig machen wollen, Hilfestellung beim Überwinden der ersten unternehmerischen Hürden, Information und Service für JungunternehmerInnen in Form von Seminaren, Vorträgen, Betriebsbesichtigungen uvm.

Was sind eure Ziele?

Wir wollen gestalten, inspirieren und vernetzen. Wir wollen die jungen Unternehmer stärken und somit auch die heimische Wirtschaft. Unsere Unternehmen schaffen Wertschöpfung sowie Arbeitsplätze. Wir wollen ihnen helfen zu wachsen und sich zu vernetzen, um am Markt nachhaltig bestehen zu können.

Wie gewährleistet ihr kompetenten Service, eine starke Interessensvertretung und ein attraktives Netzwerk?

Wir haben den Vorteil, Teil der Wirtschaftskammer zu sein, dh. wir können somit auch auf das gesamte Serviceangebot für unsere Mitglieder zurückgreifen. Die Wirtschaftskammer ist ein starker Partner in vielen Bereichen zB. bei Fragen zum Arbeits- und Sozialrecht, Wirtschaftsrecht, Gewerberecht und sie bietet auch ein außerordentlich starkes Netz an Partnern im Ausland, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Wir organisieren regelmäßig Veranstaltungen für unsere Mitglieder, in diesem Rahmen haben sie die Chance, sich weiterzubilden und Kontakte zu andere UnternehmerInnen aus den verschiedensten Branchen zu knüpfen. Das Attraktive daran ist, dass man weiß, geht man auf eine JW Veranstaltung trifft man Gleichgesinnte.

Wie wird man bei euch Mitglied? Was sind die Vor- und Nachteile?

Die Mitgliedschaft bei der Jungen Wirtschaft Tirol ist unverbindlich und kostenlos und kann online beantragt werden.
Mitglied werden kann jeder Jungunternehmer bis zum 40. Lebensjahr.
Neben persönlichem Wissensvorsprung durch Top-Vorträge und Diskussionsveranstaltungen zu aktuellen Themen mit interessanten Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft können Mitglieder im Rahmen von Betriebsbesichtigungen auch neue Erkenntnisse für ihren persönlichen Betrieb sammeln. Zudem bietet die Junge Wirtschaft eine perfekte Möglichkeit um bei gesellschaftlichen Veranstaltungen gezielt Geschäftskontakte knüpfen zu können.

Wie wird dieses jungunternehmerische Potential gefördert?

Was brauchen junge Unternehmen? Sie haben eine gute Idee und dann wollen sie diese umsetzen dh. sie wollen in Ruhe arbeiten. Das klingt simpel, ist es aber in der Realität oft nicht. Unsinnige Vorschriften, bürokratische Hürden, mangelnde Erfahrung und fehlende Businesskontakte erschweren den Alltag. Hier stehen wir zu Seite und versuchen den Weg so gut als möglich zu ebnen. Im Gründerservice erhalten alle Gründer eine kompetente Auskunft und die nötigen Informationen, die es für den Start ins Unternehmertum braucht. Es wird von der passenden Rechtsform bis über die Umsatzsteuer, die Sozialversicherung und das richtige Gewerbe alles beraten.
Wir setzen uns für passende Rahmenbedingungen ein und wir vernetzen die Unternehmer untereinander. Gerade am Anfang ist es sehr hilfreich, wenn man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann, denn die Themen, die bewegen, sind oft ähnlich. Natürlich bieten wir auch mit diversen Programmen wie unserem Startup Programm „Start Ahead“ Unterstützung für die persönliche und unternehmerische Weiterentwicklung.

Was sind Hürden aber auch Vorteile für Jungunternehmer in Tirol?

Ein großer Vorteil ist geographische Lage. Im Umkreis von drei Fahrstunden um Innsbruck wohnen ca. 16 Millionen Menschen. Nur 2 Millionen davon leben in Österreich und 14 Millionen im benachbarten Ausland. Diese Zahlen zeigen, welche große Marktchancen für junge Unternehmer in Tirol liegen. Ein weiterer Vorteil ist mit Sicherheit auch der soziale Frieden – Streik ist im Grunde kein Thema- und wir profitieren von gut ausgebildeten Leute bei uns im Land. Nichtsdestotrotz stellt die überbordende Bürokratie einen großen Hemmschuh dar. Wir Unternehmer wollen etwas unternehmen, aktiv sein, Ideen umsetzen.

Mit was für Erleichterungen kann man bei euch für eine Neugründung zählen?

Sowohl für Gründer als auch Jungunternehmer gibt es für Investitionen und Entwicklungen Fördermöglichkeiten in Form von Zuschüssen, zinsgünstigen Krediten mit Fixzinsvereinbarungen sowie Garantiemöglichkeiten zur Finanzierungsunterstützung von Projekten. Zur Abklärung des sogenannten Jungunternehmerstatus sind oft die Details der beruflichen Vergangenheit des Unternehmers wichtig, so z.B. ob eine unselbständige Tätigkeit aufgegeben wird oder ob in den letzten Jahren bereits Einkünfte aus einer selbständigen Tätigkeit erzielt wurden. Auch Firmenverflechtungen müssen dabei berücksichtigt werden.
Anhand einer Projektschilderung berät das Förderservice der Wirtschaftskammer zu den verschiedenen Förderprogrammen und gibt einen möglichst umfassenden Überblick über die einreichbaren Wirtschaftsförderungen.

Wie vernetzt seid ihr: international, regional, national…?

Wir sind vor allem österreichweit sehr gut vernetzt. Auf Grund unserer Struktur gibt es die Junge Wirtschaft auf Bundes-, Landes- und Bezirksebene. Unsere Bezirksteams vernetzten die regionalen Unternehmer aller Branchen und sind auch Ansprechpartner für diese vor Ort. Mit der JW-Bundestagung bieten wir österreichweit allen Mitgliedern die Möglichkeit Businesskontakte mit Jungunternehmern zu knüpfen. Wir in Tirol pflegen auch gute Kontakte zu den Partnerorganisationen in Südtirol und Deutschland, denn man muss über die Grenzen blicken um unternehmerisch Berge zu versetzen.

Du bist selbst Unternehmer: was für ein Unternehmen hast du gegründet und was war dein Interesse wie deine Motivation dich bei der Jungen Wirtschaft zu engagieren?

In meiner unternehmerischen Laufbahn konnte ich bisher 3 Unternehmen gründen, 2 davon kann man als Startups bezeichnen, das erste war eine Webagentur. Aktuell bin ich Co-Founder, COO und in der Geschäftsführung bei kjero.com. Vor einigen Jahren habe ich begonnen, mich ehrenamtlich in der Jungen Wirtschaft für die Anliegen der jungen Unternehmer und insbesondere Startups und Gründer einzusetzen. Bei meinen Gründungen habe ich nämlich gemerkt, dass sich noch vieles an den Rahmenbedingungen für Gründer und Startups verbessern muss um optimale Wachstumsbedingungen zu schaffen.

Außerdem wurde mir schnell klar, dass das Netzwerk für Unternehmer eine große Rolle spielt und sich durch den Austausch und die Unterstützung von anderen Unternehmern die Erfolgsaussichten nochmal verbessern. Nicht zuletzt möchte ich meinen Beitrag dafür leisten den Standort Tirol weiterzuentwickeln, vor allem auch das Startup Ökosystem. Und abgesehen davon: Es macht einfach Spaß mit so einem tollen Team, Kollegen und Unternehmern bei der JW Tirol zusammenzuarbeiten.

Habt ihr Forderungen an die Politik?

Wir verfolgen im Moment ganz zentral vier wesentliche Forderungen:
Wir begrüßen die Lohnnebenkostenbefreiung für Startups. Diese darf in unseren Augen jedoch nicht nur für „innovative Startups“ sondern muss für alle Gründer gelten. Alle Gründer leisten einen wichtigen Beitrag für die Wirtschaft!
Weiteres ist natürlich das Thema Pensionen auf unserer Agenda. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache – wir können so nicht mehr weitermachen, weil wir uns es nicht mehr leisten können. Zur nachhaltigen Sicherung des Pensionssystems braucht es dringende Reformen. Es muss unter anderem das Pensionsantrittsalter angehoben werden, Frühpensionsschlupflöcher geschlossen werden, sowie ein einheitliches Pensionsrecht für alle geben.
Außerdem drängen wir auf mehr Tempo bei der Umsetzung eines Beteiligungsfreibetrages für Business Angels und andere private Kapitalgeber um die Finanzierungssituation für JungunternehmerInnen, Startups und Betriebsnachfolger zu verbessern. Wir fordern, dass bis zu 100.00€ an Investitionskapital verteilt auf fünf Jahre als Freibetrag geltend gemacht werden können. Damit würde ein effektiver Anreiz für Investoren geschaffen, um in österreichische Unternehmen zu investieren.
Eine weitere wichtige Maßnahme zur Förderung des jungen Unternehmertums ist die Abschaffung der Pflichtveröffentlichung in der Wiener Zeitung. Es ist nicht einzusehen, warum Unternehmer im digitalen 21. Jahrhundert 15 Millionen € im Jahr für die Veröffentlichung in einem Print-Medium zahlen müssen.

Key Facts:

Die Junge Wirtschaft:
Die JW gibt es nicht nur in Tirol, sondern in jedem Bundesland. Es gibt eine Bundesorganisation, in jedem Land eine Länderorganisation bis hin zu Bezirksgruppen. Diese Präsenz macht auch die Stärke der Organisation aus. Wir stimmen uns zu den grundlegenden Themen gemeinsam ab und jeder aktive JWler setzt sich bei den politischen Entscheidungsträgern ein und treibt unsere Forderungen voran. Es ist nicht immer leicht, aber wir lassen auch nicht locker und bleiben an den Themen dran. So freut es uns, dass wir auch schon einige Erfolge verbuchen können, wie zB das Crowdfunding- Gesetz, die gründungspriviligierte GmbH, oder die im Start Up Paket verankerte Lohnnebenkostenbefreiung für die ersten 3 Mitarbeiter. Diese gilt im Moment leider nur für Start Ups, aber wir sind aktiv im Gespräch, damit diese auf alle Gründer ausgeweitet wird und wir haben dazu auch eine Kampagne aufgesetzt: #3füralle- Wir schaffen Jobs!

Geschichte der Jungen Wirtschaft:
Die Junge Wirtschaft Tirol hat bereits eine lange Geschichte, sie entstand 1967. Sie wurde gegründet, um junge UnternehmerInnen und BetriebsnachfolgerInnen durch Information und Weiterbildung zu unterstützen. Ein wichtiges Gründungsmotiv war auch den UnternehmerInnen eine Plattform zu bieten, auf welcher sie gezielt Businesskontakte knüpfen können.

Angebote der Jungen Wirtschaft:
Die Junge Wirtschaft bietet eine starke Interessenvertretung und kompetenten Service. Im Rahmen von über 600 regionalen, nationalen und internationalen Veranstaltungen bieten wir eine Plattform für Weiterbildung, Erfahrungsaustausch und Netzwerk. Das zentrale Networking-Event ist die jährliche Bundestagung mit Top-Vortragenden und einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm.
Mit dem JW Magazin und dem Newsletter informieren wir unsere Mitglieder zu Themen, die JungunternehmerInnen bewegen.
Das internationale Netzwerk der Jungen Wirtschaft „JCI“ eröffnet unseren Mitgliedern den direkten Zugang zur weltweit größten Vereinigung für JungunternehmerInnen und Führungskräfte mit Mitgliedern in über 100 Ländern.
Eine weitere Möglichkeit um mit anderen JW Mitgliedern in Kontakt zu treten, bietet das Business Portal der Jungen Wirtschaft. Dort können JW Mitglieder gezielt nach Kooperationspartnern suchen, Kaufen & Verkaufen und sich über Betriebsnachfolge informieren.

Wer engagiert sich bei der Jungen Wirtschaft?
Es gibt heute viele junge Menschen, die etwas bewegen wollen, die nicht einfach akzeptieren, sondern gestalten wollen. Genau diese jungen UnternehmerInnen finden bei der Jungen Wirtschaft ihre Heimat. Weit über 350 junge UnternehmerInnen sagen „Ja, ich will etwas bewegen!“ und engagieren sich ehrenamtlich in der Jungen Wirtschaft.

Österreichweit: 9 Landesorganisationen, 100 Bezirks- und Projektgruppen

Tirolweit: 1 Landesvorstand und 8 Bezirksausschüsse

Die jungunternehmerischen Gründungen in Tirol pro Jahr?

2015: 2661
2014: 2413
2013: 2442

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