Iris Therese Lins bezeichnet sich selbst als Tee Tante, ist Gründerin des Kräuternests, Autorin des Kinderkräuterbuchs „Kräuternest: Mit Kindern die Welt der Pflanzen erleben“ und rührt selbst Naturkosmetik. Nun finden sich ihre Bio-Kindertees in den Regalen den Vorarlberger Spar Filialen.

Eigentlich wollte Iris den diesjährigen Sommer ruhiger angehen, mit viel Zeit zum Schreiben eines zweiten Buches. Doch dann kam alles ganz anders. Es gibt zwar kein neues Buch, dafür aber die  Weibsbild IL GmbH.

Vorarbeit hilft für den wichtigen Vertrauensbonus

Begonnen hat das Ganze bereits vor sechs Jahren. Iris hatte damals eine Ausbildung und Berufserfahrung als diplomierte Krankenschwester hinter sich sowie ein Prozess- und Projektmanagementstudium an der FH Vorarlberg absolviert und arbeitete bei Hilti.  „Es gibt den Spruch: Du bekommst das Mädl aus der Natur, aber nicht die Natur aus dem Mädl und genau so habe ich mich bei Hilti gefühlt“, erzählt Iris. Kündigung und Neuorientierung standen an. Eine Konstante in dieser Zeit waren die Kräuter. Nach der Ausbildung zur Kräuterpädagogin gründete sie mit einer Freundin das „Kräuternest“, eine Kräuterwerkstatt für Kinder und Jugendliche. Das war im Frühling 2011. Neben den Kräuterkursen für Kinder gab es bald auch welche für Erwachsene und Kindergarten-Pädagoginnen. „Da gab’s kein ‚Wir gründen jetzt ein Geschäft oder wir werden die größte Teekompanie der Welt‘“, erinnert sich Iris zurück. Alles ist langsam und stetig gewachsen.

Ein Buch bringt alles ins Rollen

„Dann kam das Buch“, erzählt Iris weiter, „weil sich die Kindergarten-Pädagoginnen eine Sammlung meiner Skripten wünschten“. Der freya Verlag hat ihr einen Vertrauensvorschuss gegeben und das Buch veröffentlicht. Der Erfolg blieb nicht aus: 120 Besucher bei der Buchpräsentation, 10 Wochen unter den Top 8 auf der Bestsellerliste in Vorarlberg, drei Wochen die Nummer 1 und innerhalb neun Monaten die erste Auflage verkauft.

Wie frau eine Listung im Spar erhält 

Im Frühling 2017 bot sich Iris die Möglichkeit, als Landesjugendreferentin beim Verein Obst- und Gartenkultur Vorarlberg (OGV) ihr Kräuterbuch dem Direktor und weiteren Vertretern von Spar Vorarlberg vorzustellen. „Ich hatte das Buch gemeinsam mit einem selbst gemischten Kräutertee, dem Prototyp vom Apfel Kind & Elfensterne, in eine Kräuternest-Sammeltasche gesteckt, um es ihnen so zu überreichen.“ Das Buch interessierte sie nicht, es verkaufe sich nicht im Spar. Aber der Tee gefiel. „Nun hieß es Probemischungen zusammenstellen und mit dem Einkaufsleiter alle Details besprechen: Plötzlich ging es um Stückzahlen, Preise und vor allem um Markenschutz und die Gründung einer GmbH“, berichtet Iris. Unterstützung gab es von der startupstube der FH Vorarlberg. Seit Mitte September sind die beiden Kräuterteemischungen Apfel Kind & Elfensterne sowie Fina’s Rosengarten im Sortiment der Spar-Filialen Vorarlbergs zu finden.

Gründen bedeutet auch durchhalten

Das Unternehmen Kräuternest nahm Fahrt auf. „Ich bin reinmarschiert mit dem Buch, bin raus mit einem Auftrag über 1.000 Dosen Tee, eineinhalb Monate später waren es 3.000 Dosen – Zuerst dachte ich, es ist mir in den Schoß gefallen, mittlerweile weiß ich, dass mir meine Arbeit der letzten Jahre mit Kindern und Kräutern diesen Vertrauensvorschuss ermöglicht hat“, so Iris. Starten bedeutet aber auch Durchhalten. „Es gibt keine 2.000 Euro ab dem ersten Monat, vielleicht sind es 500 Euro, aber eher musst du erst mal 5.000 Euro investieren. Es warten nicht an jeder Ecke Sponsoren und Gönner, sondern es kommt auf den Vertrauensbonus an, den man sich erarbeitet hat“, weiß Iris.  Die Zweifel, ob die Qualität und der Standard des eigenen Produktes wohl hoch genug seien, begleiten die Gründerin. „Erst wenn die Tees gekauft werden, kann ich aufatmen“, meint Iris.

Marketing und Social Media

Die bisherige Marketingstrategie beschränkte sich auf Interviews sowie Fotostrecken und Beiträge für Zeitschriften. „Ich mache im Kräuternest alles selber, da bleibt kaum noch Zeit für’s Marketing. Jetzt mit dem Tee habe ich gesehen: Ich brauche jemanden, der mich im Bereich Social Media unterstützt. Über drei Ecken und Freunde von Freunden bin ich auf eine junge selbstständige Frau gestoßen. Sie ist voll auf der Natur- und Umweltlinie – das gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich mit so jemandem zusammenarbeite“, berichtet Iris.

Autsch-Salbe, Wickelbox und s’Fachl

„Wenn der Tee läuft, warten noch andere Projekte, die das Kräutersortiment ergänzen sollen“, kündigt Iris an. Sie möchte das Thema rund um Familie, Kinder und Kräuter weiter ausbauen. Die Autsch-Salbe aus Spritzwegerich, die sie schon seit Jahren mit den Kindern zusammenmischt, soll in ihr Sortiment aufgenommen werden. Auch eine Wickelbox zur Anwendung traditioneller Wickel und Auflagen ist in Planung. Wo es die ganzen Sachen gibt? In regionalen Naturkost- und Bioläden, im Kräuternest-Webshop und im Fachl in Dornbirn.

Tante Resi meldet sich zu Wort

Für Iris hat Teetrinken zwar nichts mit Jahreszeiten zu tun, aber marketingtechnisch passt der Markteintritt nun gut in den Herbst. Um nicht nur den Tee unter die Leute zu bringen, sondern auch das Wohlbefinden, werde es bald einen Tea-Time Nachmittag geben, verrät Iris: „In einer gemütlichen Teehausatmosphäre dürfen die Kinder Traumkissen malen und die Erwachsenen ihren eigenen Tee mischen.“ Ihr zweites Steckenpferd – die Naturkosmetik – soll auch wieder mehr Platz im Kräuternest finden. Als Tante Resi bloggt Iris seit kurzem über grüne Kosmetik, die frau zu Hause selber mischen kann. Aber es soll auch Weibsbildnachmittage geben, kündigt Iris an: „Einmal im Monat soll es eine gemütliche Teehausrunde geben, wo Frauen kommen und sich ihre eigenen Cremen rühren können.“

Foto: Petra Fischer