5 Innovative Marketing Konzepte für dein Startup im Alpenraum

Ein Freitag im Spätherbst, auf der Seegrube. Der Himmel ist tiefblau, die welken Blätter knirschen unter Wanderschuhen und breiten, erdverkrusteten Mountainbikes. Im Hintergrund dudelt eine Ziehharmonika, freundliche Kellnerinnen balancieren Bierkrüge, Touristen in Jeans ihre Selfiesticks. Im Tal schmiegen sich Innsbruck und umliegende Dörfer an die Abhänge, vor der herrlichen Bergkulisse. Hier verschwimmen die Berge mit der Stadt. Diese Symbiose mit der Natur beflügelt nicht nur die Kreativität angehender Tiroler Unternehmer, sie bietet auch Raum für kreative Marketingkonzepte für bereits Bestehendes.  Fünf innovative Ideen – nach Budget sortiert, natürlich in aufsteigender Reihenfolge.

1. Für Langatmige: Werbe-Jodeln

Bei geringem Budget, großem Lungenvolumen und noch größerem Selbstvertrauen empfiehlt sich Strategie Nummer eins: Jodeln. Die Werbebotschaft sollte dabei kurz und knackig sein, und kann mit Juchizer, Almschrei und gerne auch Gitarrenbegleitung vertont und vorgetragen werden. Den Text sollte man unbedingt auswendig lernen, damit es authentisch und spontan wirkt. Ratsam ist es, sich für die Darbietung einen freistehenden Felsen in unmittelbarer Nähe zu einer steilen Felswand zu suchen. Denn hier ist ein lautes Echo garantiert. Dieses Konzept ist herkömmlichen Konzepten überlegen, denn über das Zielpublikum und deren Vorlieben muss man sich kaum Gedanken machen – die Botschaft erreicht sämtliche potenzielle Kunden im Umkreis von etwa 800 Metern. Auch in Einkaufszentren, in der Altstadt oder auf öffentlichen Veranstaltungen kann gejodelt werden, wobei hier – wegen fehlender felsiger Steilwände – der Echoeffekt kleiner ist. Dazu kommt: die Töne und Schwingungen sind nicht nur gut fürs Geschäft, sondern auch für die Seele – das behauptet zumindest die Salzburger Jodelschule auf ihrer Webseite. Gründer, die das Jodeln noch nicht beherrschen, können hier ein Jodeldiplom absolvieren. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 39 Euro. Auch der Zeitaufwand ist gering: man muss sich nur eineinhalb Stunden Zeit nehmen, perfekt für Jungunternehmer mit straffen Zeitplan. Holareiduljööööö!

2. Für Minimalisten: Panorama Kino

Selbstverständlich kommt auch der introvertierte Alpengründer nicht zu kurz, der ebenso über ein bescheidenes Marketingbudget verfügt. Auch Kettenraucher und Unmusikalische lassen das Jodeln besser sein. Ihnen kann zur zweiten Strategie geraten werden: dem Panorama Kino. Ein bisschen handwerkliches Geschick ist hier gefragt, außerdem benötigt man Bretter und einige Stühle. Aus den Brettern baut man sich dann einen gigantischen Bilderrahmen, platziert ihn vor einem sehenswerten Ausblick und stellt Stühle davor. Das wars bereits, ein Panorama Kino ist entstanden! Edelweiß (das Bier, nicht die Blume) hat es vorgemacht: unter dem Motto „Fern-Schauen auf gut österreichisch“ wurden im Salzburger Hinterglemm die von hölzernen Kinobänken aus die Aussicht Bestaunenden mit kühlem Weizenbier versorgt. Zusätzlich schaltete das Unternehmen, das von einer Werbeagentur beraten wurde Anzeigen, und machte mit Postern, personalisierten Einladungen, Wegweisern und Infotafeln auf die Aktion aufmerksam. Diese Strategie eignet sich jedoch nicht nur für Getränke, sie kann auch zur Bewerbung sportlicher Accessoires sowie diverser Dienstleistungen und Genussmittel eingesetzt werden.

3. Für Stabile: Bauchladen

Die dritte Strategie spricht vor allem die sportlichen Alpinisten unter den Gründern an, denn hier ist Balance und Stabilität gefragt! Hier geht es nämlich darum, Tester oder kleine Werbegeschenke zu verteilen – mithilfe eines Bauchladens. Ob im Sommer, Frühling oder Herbst beim Wandern oder Bergsteigen, oder aber im Winter beim Schifahren oder Snowboarden, das Konzept funktioniert in jeder Jahreszeit und wird potenzielle Kunden im Nu für jegliche fantastische Idee begeistern. Auch hier sind die Ausgaben bescheiden, knausrige Werbende können sich den Bauchladen auch selber basteln. Hierzu braucht man eine hölzerne Obstkiste (die liegen oft neben Hintereingängen von diversen Supermärkten) und eine Konstruktion zur Befestigung am Oberkörper. Um diese ergonomisch zu gestalten kann man beispielsweise die Rückenseite eines Wanderucksacks verwenden. Eventuell kann man sich auch von Junggesellenabschieden etwas abschauen: dort wird nämlich häufig auf diese Art und Weise Schnaps an Passanten verkauft. Fest steht: nur kleine Dinge lassen sich in einem Bauchladen transportieren, hier ist also Kreativität gefragt.

4. Für Genießer: Bergjause

Genussvoll geht es weiter: mit der vierten Strategie, der Bergjause. Eine allseits bekannte Weisheit lautet: in der Natur schmeckt alles besser. Was gibt es auch Schöneres als ein ausgiebiges Picknick auf saftigen Almwiesen oder sonstigen Grünflächen? Für Produzenten genüsslicher Produkte und Getränke empfiehlt es sich deshalb, Bergjausen zu verteilen. Selbstverständlich muss hier mit Verpackungsmaterialien achtsam umgegangen werden, eine Vermüllung sollte nicht die Konsequenz dieser Werbeaktion sein. Auch die Auswahl des Zielpublikums erfordert Planung: Verteilt man die Bergjause an einem Samstag an der Hungerburgbahn, so muss man sich bewusst sein, dass man zum Großteil Touristen beglückt. Geht man allerdings unter der Woche in den Hofgarten oder an das Innufer, so dürfte die Mehrheit der Beschenkten in Innsbruck wohnen.

5. Für Draufgänger: Laserprojektion

Zu guter Letzt kommen Risikofreudige, Hochstapler und Action-Fans auf ihre Kosten. Denn als fünfte Strategie wird eine Projektion der Marke oder des Logos mittels Laserstrahlen vorgeschlagen. Je ebener und steiler die Oberfläche, desto besser die Ergebnisse. Das Non-Plus-Ultra dieses Konzeptes: ein leuchtendes Logo inmitten der imposanten Nordkettenkulisse. Natürlich muss im Vorfeld geklärt werden, auf welchen Oberflächen die Projektion wann und wie lange aufscheinen darf.

Es ist spät geworden, an diesem Freitag im Spätherbst, die Sonne ist hinter den Bergspitzen verschwunden und die meisten Frischluftfetischisten haben sich in ihre Wohnungen zurückgezogen. Beflügelt, befreit, die Köpfe voll spannender Ideen. Hoffentlich!

Foto: Maria Retter