10 Fragen an den Leihladen Innsrbuck

Nachhaltigkeit scheint immer wichtiger in unserer Wertegemeinschaft zu werden. Viele Menschen sind motiviert, durch eigene Projekte, solche Ideale in unserer Gesellschaft zu fördern. Eine davon ist Deborah Größwagen, die mit mehreren FreundInnen Anfang 2016 einen Leihladen in Innsbruck gründete. Mit dem Konzept einer „Sharing Economy“ Gemeinschaft will man dem stetig wachsenden Massenkonsum entgegensteuern. Wir haben Deborah getroffen und ihr 10 Fragen über ihr Projekt gestellt. Hier erfahrt ihr, warum der Leihladen eine gelungene Alternative gegenüber der vorherrschenden Kaufökonomie darstellt.

Wie entstand die Idee einen Leihladen zu gründen?

Nachhaltigkeit und der sorgsame Umgang mit Gütern wird in Zukunft, aufgrund von Ressourcenknappheit, immer wichtiger werden. Ich beschäftige mich grundsätzlich gern mit Projekten, die solche Werte in unserer Gesellschaft fördern. Im Juni 2015 traf ich die GründerInnen des Leihladens in Wien und war sofort begeistert. Durch dieses Treffen war ich motiviert auch einen Leihladen in Innsbruck zu realisieren. Kurze Zeit später hatte sich bereits ein Grundteam gebildet und wir überlegten uns, wie wir unser Vorhaben am besten umsetzen könnten.

Ich war ziemlich überrascht den Leihladen in der Lebenshilfe zu finden. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Wir bekamen eine Empfehlung vom Netzwerk „Transition“, einer Plattform für alternativen Lebenswandel und Weltoffenheit, die uns nahelegte, die jeweilige Zweigstelle der Lebenshilfe zu kontaktieren. Wir stießen auf offene Ohren, und kurze Zeit später bekamen wir einen Raum im Gebäude zur Verfügung gestellt. Den Verein hatten wir bereits im Vorfeld gegründet und freuten uns darauf endlich den Leihladen für die Menschen in Innsbruck zur Verfügung zu stellen.

Welches Konzept verfolgt ihr?

Wir wollen, dass ungenützte Gegenstände, die beispielsweise in Kellern oder Dachböden herumliegen, wieder einen Nutzen bekommen! Es gibt viele Menschen die solche Sachen brauchen könnten, sich diese aber aufgrund von Kostengründen nicht leisten können, oder nicht neu anschaffen möchten. Da setzten wir an: Wir wollen solche Gegenstände kostengünstig zur Verfügung stellen, damit jede und jeder darauf Zugriff hat. Außerdem ist es uns ein Anliegen, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu fördern und den Menschen Alternativen zur ständig wachsenden Kaufökonomie zu bieten, um damit langfristig Ressourcen zu sparen.

Welches Buisnessmodell verfolgt ihr?

Wir finanzieren uns durch Mitgliedschaften und Spenden die wir bei Veranstaltungen sammeln. Unser Ziel ist, durch einen gebührenfreien Verleih, möglichst viele Gegenstände in  Umlauf zu bringen. Wer bei uns etwas ausleihen will, muss jedoch eine Mitgliedschaft abschließen und bezahlt einen Jahresbeitrag  nach eigenem Ermessen zwischen 24-36 Euro. Wer diesen Beitrag bezahlt, darf so oft und so viel ausleihen wie er oder sie möchte. Dieses System haben wir auch von dem Leihladen in Wien übernommen.

Wie funktioniert der Verleih? Wie lange darf man die Gegenstände ausleihen?

Wer etwas ausleihen will, kommt einfach zu unseren Öffnungszeiten (jeden Mittwoch und Sonntag von 16:00 – 19:00) zu unserem Leihladen und kann sich nach Belieben Gegenstände ausleihen. Die Mitglieder können dann die Sachen für zwei bis vier Wochen ausleihen, nach Absprache auch länger.

Gab es auch Missbrauch? Was passiert beispielsweise bei Diebstahl oder Beschädigung?

Glücklicherweise gab es bis jetzt noch keinen nennenswerten Zwischenfall. Selbstverständlich haben wir uns bereits in der Anfangsphase damit beschäftigt, wie wir mit solchen Situationen umgehen. Bei Diebstahl können wir beispielsweise auf die Kontaktdaten, die wir bei der Mitgliederregistrierung aufgenommen haben, zurückgreifen. Im Falle einer Beschädigung unterscheiden wir strikt zwischen grober Fahrlässigkeit, oder ob es zu Schäden durch Nutzung gekommen ist. Da wir gebrauchte, teilweise sehr alte, Gegenstände verleihen, verlangen wir keine Entschädigung bei einem Schadensfall durch gewöhnlichen Gebrauch. Sollte es zu einem Schaden durch Fahrlässigkeit kommen, wollen wir, dass das betreffende Objekt mit etwas Gleichwertigem ersetzt wird.

Wie bewerbt ihr den Leihladen ?

Wir organisieren regelmäßig verschiedene Events in der Lebenshilfe bei denen wir uns vernetzen und Interessierte über den Leihladen informieren, wie beispielsweise den Pradler Sonntagstreff der jede Woche stattfindet. Wir veranstalten beispielsweise im kommenden April ein „Repair Cafe“, bei dem jeder, der etwas zu reparieren hat, herzlich eingeladen ist. Außerdem versuchen wir durch unseren Bekanntenkreis, Mundpropaganda oder durch Netzwerke wie „Transition“ unseren Bekanntheitsgrad zu steigern.

Was ist die größten Herausforderung ? Was habt ihr bei dem Projekt gelernt?

Die größte Herausforderung ist Leute zu finden die regelmäßig den Leihladen nutzen, sowie bei den Veranstaltungen mitwirken. Außerdem müssen wir uns stetig bemühen unser Sortiment zu erweitern. Vor allem in den Bereichen Organisation, Kommunikation und Vereinsarbeit konnten wir viel dazulernen. Gerade bei Events ist viel organisatorisches Können gefragt und irgendjemand muss sich ja auch darum kümmern, dass Leute auftauchen. Auch in anderen Bereichen müssen wir dazulernen, wie beispielsweise Webdesign, da wir in Zukunft auch eine gute Internetpräsenz sicherstellen wollen.

Welche Ideale verfolgt der Verein?

Unser Leihladen soll nicht nur ein Ort sein, an dem man sein Werkzeug ausleiht. Wir wollen eine Gemeinschaft kreieren, die mehr auf gemeinschaftlichen Besitz Wert legt, und somit ein Gegenpol zum ständig wachsenden Massenkonsum darstellt. Wir wollen auch durch unsere Veranstaltungen, regelmäßige Sonntagstreffs und Vorträge, dass Bewusstsein für Nachhaltigkeit und den sorgsamen Umgang mit Ressourcen fördern.

Gibt es noch etwas dass ihr dringend in eurem Sortiment braucht?

Da unser Standort in Tirol ist, ist Winter Equipment natürlich immer von Vorteil und auch  Sportartikel sind immer gern gesehen. Werkzeug wird bei uns am meisten ausgeliehen und daher sind wir auch immer für solche Gegenstände dankbar. Aber, am allerwichtigsten: Wir brauchen ein Waffeleisen!