In der Markthalle in Innsbruck kann man nun schon seit einem Jahr verpackungsfrei, regional und biologisch einkaufen. Liebe & Lose nennt sich das Geschäft von Georg Dominguez. So hip und in der nachhaltige und biologische Lebensstil auch sein mag, Liebe & Lose ist gescheitert. Mit einem Insolvenzverfahren am Hals hat Liebe & Lose weitergekämpft, einiges verbessert und feiert am 2. September bei einer Wiedereröffnungsfeier sein Überleben.

Wenn Georg Dominguez, der Eigentümer und Initiator von Liebe & Lose, zurückschaut, dann fallen ihm einige Fehler ein, die seine Geschäftsidee vom verpackungsfreien Einkaufen zu Fall gebracht haben. Gegründet wurde die GmbH Liebe & Lose bereits vor drei Jahren. Mit einer Crowdfunding Kampagne kam bald genügend Kapital zusammen und das Geschäft in der Markthalle in Innsbruck wurde am 5.Oktober 2015 eröffnet. Liebe & Lose besteht aus drei Teilen, dem Shop sowie einem Catering-  und einem Lieferservice.

„Ich wollte ziemlich zeitnah zur Crowdfunding Kampagne das Geschäft eröffnen. Das war ein eklatanter Fehler“, sagt Georg Dominguez.

Im Internet ist seine Geschäftsidee auf Begeisterung gestoßen. Er hat diesen Hype für bare Münze genommen, doch leider war davon in der Realität wenig spürbar. Er habe sofort gemerkt, dass es schwieriger werde als gedacht. Die Weihnachtsmonate waren noch gut, im Januar ist dann alles zusammengebrochen. Im März dann das Insolvenzverfahren.

„Wir waren zu groß aufgestellt, haben einen höheren Umsatz erwartet und dementsprechend zu viele Mitarbeiter eingestellt“, resümiert Dominguez.

Das anfängliche Sortiment war groß, regional und fast ausschließlich biologisch. Gute Produkte anzubieten, das war nicht der Fehler, meint Dominguez. Aber es gebe zu wenig kaufkräftiges Publikum, die bereit seien, ein paar Euro mehr für regionale und biologische Produkte auszugeben. Deswegen wurde das Angebot für die Wiedereröffnung entschlackt. Aus dem Sortiment rausgefallen sind Süßigkeiten, Essig & Öl sowie fast alle Bioprodukte im Trockenbereich, wie Cerealien und Müsli. Die Preise wurden mit den Lieferanten nachverhandelt, dabei musste sich Liebe & Lose von einigen trennen, andere kamen hingegen dazu. Getrennt haben sie sich auch von den zehn Mitarbeitern, die sich mit dem Zero Waste Konzept nicht identifizieren konnten, so Georg Dominguez. Nun stemmen sie zu zweit die Arbeit im Shop, dem Catering- und Lieferservice. Eine wichtige Neuigkeit für die Käufer ist das Pfandsystem. Viele sind unvorbereitet ins Geschäft gekommen und konnten nichts einkaufen. Unvorbereitet in dem Sinn, dass sie keine Gefäße dabei hatten. Nun gibt es jedes Produkt auch schon abgefüllt in Gläsern.

„Unsere Idee mit dem verpackungsfreien Einkaufen folgt der Zero Waste Bewegung und wird immer aktueller. Das haben wir auch an dem Zuspruch nach unserem Scheitern gemerkt“, erzählt Dominguez. Die Community hat Liebe & Lose die Treue gehalten. Verbesserungsvorschläge von ihnen wurden gut durchdacht und wenn möglich umgesetzt. Liebe & Lose konzentriert sich nun auf das, was gut funktioniert hat. Das sind die hausgemachten Produkte und das selbstgekochte Mittagessen to stay oder to go. Bei der Vertical Garden Wand gibt es nun einen Gastronomiebereich. Direkt am Inn eine Terrasse. Zudem werden Workshops angeboten, bei denen man die Prinzipien des Zero Waste erlernen kann. „Denn nur wer das Lebenskonzept versteht, der wird auch längerfristig bei uns einkaufen“, schlussfolgert Dominguez. „Überm Berg sind wir vielleicht in einem Jahr“, meint der Inhaber von Liebe & Lose. Sein Kampfgeist ist immer ungebrochen geblieben, sagt er. Von Anfang an gut gelaufen sind der Catering- und Lieferservice. Diese bestehen losgelöst vom Shop und ausgegliedert von der GmbH „Das war ganz wichtig, dass wir ein zweites Standbein hatten“, sagt Dominguez. Trotz Anlaufschwierigkeiten blickt er optimistisch in die Zukunft von Liebe & Lose. Eine neue Filiale wird wahrscheinlich 2017 in Wien eröffnet werden.

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