Interview mit Julian Wittig von maha Lifestyle

„maha“ –  ein Begriff, der für Größe und Reichlichkeit steht, erklärt mir Julian. Also der perfekte Name für ein Unternehmen, das eine Vision bewegen will. Die Vision, die Alpen und den Skisport in jedes Wohnzimmer zu bringen. Funktionieren soll dies durch einen Youtube-Kanal voller Skitutorials und Bergimpressionen, dem maha Lifestyle Channel eine Neuheit in der sonst so ausgeschöpften Welt von Youtube. Um diesen Traum zu verwirklichen, zog es Julian und seine beiden Mitgründer wie einen Großteil der Skifanatiker nach Innsbruck, die Hauptstadt der Alpen. In einem aufschlussreichen Interview berichtete mir der Berg- und Fitnessfan vom Traum Selbstverwirklichung, der Welt der digitalen Medien und coolen Sponsoring-Verträgen.

„Alle Skilehrer, alle sportbegeistert, alle freiheitssuchend“, so beschreibt Julian das Gründer-Team. Mit seinen guten Kumpels Bastian und Marius fand Julian die perfekten Geschäftspartner für die Umsetzung seiner Idee. Die drei kennen sich – wie sollte es auch anders sein – natürlich vom Ski fahren. Doch nicht, wie die meisten von euch jetzt wahrscheinlich denken, in den Alpen – sondern auf den eher etwas bescheidenen Pisten des Sauerlandes. Denn die drei Gründer wuchsen in der Nähe von Olpe im Westen Deutschlands auf, was ihre Begeisterung für den Skisport allerdings nicht bremsen konnte, da sie als Skilehrer im lokalen Skiverein tätig waren. Eine gehörige Portion Risikobereitschaft brachten die drei Kumpels zudem mit, da sie mit ihrer Ausbildung/Studium in den Bereichen Wirtschaftsingenieurwesen und Informationselektronik im Rahmen ihres Startups nur noch wenige Berührungspunkte haben. Doch das Risiko hat sich ausgezahlt!

Aber was machen die Jungs denn nun genau? Julian erklärt mir die Firmenidee und deren Geschichte ganz geduldig: während seiner Schulzeit fasste er den Entschluss abzunehmen und mit dem Fitnesstraining zu beginnen und nutzte dazu die Plattform Youtube, um sich Anregungen für diesen Lebenswandel zu holen. Dieser war dann auch äußerst erfolgreich und mittlerweile ist er sogar lizenzierter Fitnesscoach. Um etwas an die Youtube-Community zurückzugeben, entschloss sich Julian, da er ja ebenfalls als passionierter Skilehrer tätig ist, das Wissen, was man im Skikurs vermittelt, einer breiten Masse über Videos weiterzugeben.

Was mich sehr überrascht hat, ist die Tatsache, dass diese Ski-Tutorials auf Youtube tatsächlich eine Marktlücke darstellen. Denn obwohl die Plattform voll ist von Videos von Freeski-Profis und solchen, die meinen, welche zu sein ist, gab es keinen authentischen Kanal, der Technik-Basics vermittelt – bis maha Lifestyle kam! Das Ziel der Videos ist zudem die körperliche Vorbereitung von Hobbyskifahrern auf einen erfolgreichen und verletzungsfreien Skiurlaub. Doch eine Tatsache, die mir gar nicht so bewusst war, ist: Wie verdient man mit so einem Youtube-Kanal denn eigentlich Geld?

PRODUKTPLATZIERUNGEN: Eine wichtige Einnahmequelle für jeden Youtube-Kanal bietet natürlich die Werbung für Produkte im Kanal. Maha versucht allerdings diese zu minimieren und nur für Produkte zu werben, von denen sie zu 100% überzeugt sind – schon alleine, um dem Image der Firma nicht zu schaden.

ONLINE-INFO-CONTENT: Zudem hat Julian das Fit for Ski-Programm entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Online-Fitnessprogramm mit motivierenden Videos, welche den Kunden fitnesstechnisch optimal auf den Skiurlaub vorbereiten. Durch verschiedene Level und Progressionen, welche durch Trigger wie Pausenzeiten und Last erreicht werden, eignet sich das Programm für nahezu jeden Skifahrer. Für knappe 30 Euro hat ist das Programm zu haben.

SPONSORING: Durch die Reichweite, die dir Jungs mittlerweile erreicht haben, sind auch Sportriesen wie GoPro oder K2 auf sie aufmerksam geworden, die sie regelmäßig mit der notwendigen Ausrüstung versorgen und auf spannende Events einladen. Yeah!

Der Start in das Youtube-Geschäft war für die drei aber alles andere als leicht. Anfangs bestand ihr Unternehmen aus „Learning-by-doing“ auf der vollen Strecke, das Schneiden von Videos mussten sie sich erst mal selbst beibringen. Hinzu kam, dass es sich um ein ziemlich kostenintensives Unterfangen handelte: bis sie eine gewisse Reichweite erreicht hatten, dauerte es eine Weile und vor dem Beginn der Sponsorverträge mussten die Jungs Trips und Equipment aus der eigenen Tasche bezahlen. Auch die Ressource Zeit war ein Problem, da die drei Jungs zu Beginn ihrer Unternehmerkarriere noch Vollzeitstudenten waren bzw. arbeiteten. Die Arbeit mit dem digitalen Medium Youtube bringt außerdem das Problem mit sich, dass ältere Menschen oft die Bedeutung des Social Media Content nicht verstehen, wie auch die Eltern der Jungs. Auch wegen fehlenden Berührungspunkten zur Unternehmerwelt  standen diese dem Projekt ihrer Kinder eher skeptisch gegenüber und wünschten sich für diese einen sicheren Job.

Doch ihre Zweifler kann die maha-Meute mittlerweile vom Gegenteil überzeugen: die Klicks des Kanals gehen durch die Decke, und so sind auch Kooperationen mit vielen großen Firmen wie  Intersport, Sportscheck oder K2 entstanden. Das Highlight der Jungs war jedoch die Einladung von GoPro auf eine Finka auf Mallorca zum Launch der neuen GoPro und die Aufnahme in die GoPro Family. Dieser Erfolg ist wohl der vollkommenen Überzeugung von ihrer Idee geschuldet. Julian schrieb beispielsweise seine Bachelorarbeit über das Marketing von Fit for Ski, und auch ihre Nebenjobs wählten die Jungs ausschließlich in der Skibranche. Der Studienabschluss und der Umzug nach Innsbruck, der Hauptstadt des Skisports macht es nun für die Unternehmer leichter, richtig durchzustarten und sich zu 100% der Umsetzung ihrer Idee zu widmen.

Von so motivierten Gründern kann man natürlich einiges lernen. Julian verrät mir ein paar Tipps, wie ein Startup langfristig erfolgreich sein und wachsen kann:

VERÄNDERUNG – Damit das Unternehmen wachsen kann, hält Julian es für wichtig, dass auch die Gründer sich weiterbewegen, verändern und anpassen – denn „der Unternehmer ist der Spiegel des Unternehmens“. Dabei kann eine Weiterbildung durch Seminare und Bücher extrem weiterhelfen.

ZUSAMMENHALT – Auch das Team ist gerade bei einem jungen, wachsenden Unternehmen von größerer Bedeutung. Julian stellt fest, dass man „sich gut kennen und eine Vertrauensbasis haben sollte“. Außerdem sind eine sehr offene Kommunikation und ein respektvoller und ehrlicher Umgang wichtig, bei wichtigen Entscheidungen sollte man auf einen Nenner kommen. Also Augen auf bei der Geschäftspartnerwahl!

SELBSTVERTRAUEN – Zu guter Letzt muss man als junger Unternehmer zwar viele Niederlagen einstecken, doch gerade diese Niederlagen hält Julian für notwendig;  vielen Menschen sei gar nicht bewusst, dass Niederlagen die nötigen Herausforderungen für wirklich großen Erfolg sind. Seiner Meinung nach sollte man nie den Kopf hängen lassen und gerade dann Gas geben, wenn es mal nicht so gut läuft – nach dem Motto „jetzt erst recht!“.

Aber eine Frage stellt sich natürlich bei den Gründern eines Ski-Channels: Was machen die jungen Unternehmer eigentlich im Sommer? Zu langweilen seinen sich die Jungs jedenfalls nicht –  Julian erklärt mir, dass der Prozess des „Unternehmer-Werdens“ im Fokus ihrer Aktivitäten steht. Dieser besteht zu einem großen Teil aus der Entwicklung neuer Produkte, wofür im Sommer mehr Zeit ist als im vollgepackten Winter, wo jeden Tag neue Skigebiete auf dem Programm stehen. Genau wie im Winter wollen die drei außerdem auch im Sommer Menschen motivieren. Julian hat sich dazu etwas Besonderes ausgedacht, nämlich einen eigenen Vlog, mit dem er Leute in das Leben eines Unternehmers mitnehmen möchte. Ich wurde auch kurzerhand eingebunden und habe gemerkt, dass es gut ist, anderen Leuten das Vloggen zu überlassen.

Zu guter Letzt interessierten mich auch mal wieder die Zukunftspläne der Jungs. Wie für jeden Youtube-Kanal steht auch für maha Lifestyle das Gewinnen neuer Abonnenten im Fokus, um so mehr Reichweite und mehr Käufer zu bekommen. Dies führt direkt zum nächsten Ziel, nämlich der Skalierung des Fit for Ski Programms. Alles in Allem ist jedoch die Motivation aller Aktivitäten das Erreichen der langfristigen Unternehmensvision „Die Alpen in jedes Wohnzimmer zu bringen“. Daher sehen die Gründer ihr Unternehmen auch als eine Art Selbstverwirklichung an, denn sie haben realisiert, dass „ihre persönlichen Ziele im Leben nicht mit denen eines Angestellten vereinbar sind“, welches Julian provokant als „gesicherte Armut“ bezeichnet. Nicht verwunderlich ist daher, dass Julian die Gründung des ersten eigenen Unternehmens trotz Hürden und unerwarteten Ereignissen „supercool“ fand. Schaut doch mal in seinen Vlog – vielleicht kann er ja auch euch überzeugen!