Unternehmerische Energie hatten die Jungs von Naked Optics schon lange in sich gespürt. Vor drei Jahren fiel den passionierten Skifahrern dann am Ende der Welt – um genauer zu sein mitten in Asien  – die perfekte Idee in den Schoß, um ihren Traum vom eigenen Unternehmen zu verwirklichen. Denn warum sollte der Verkauf von Skibrillen über etliche teure Zwischenhändler abgewickelt werden, wenn durch einen Direktvertrieb qualitativ hochwertigste Goggles zu einem Bruchteil des Preises angeboten werden können? Ein Bericht über drei Senkrechtstarter.

Nur drei Mitarbeiter? Ich bin überrascht, als mir Chris bestätigt, dass die gesamte Belegschaft des Unternehmen Naked Optics, welches nun seit gut zwei Jahren den österreichischen, deutschen und niederländischen Markt mit Top-Skibrillen zu unschlagbaren Preisen versorgt, aus den drei jungen Gründern besteht. 27, 27 und 25 Jahre alt sind die drei Jungs, die in ihrem jungen Leben neben ihren Studien im Bereich Wirtschaft und Sport bereits einiges auf die Beine gestellt haben. Denn mit ihrem äußerst erfolgreichen Einstieg in den Skibrillenmarkt, haben sie nicht nur diese beiden Leidenschaften verbunden, sondern auch den Traum vom eigenen Unternehmen verwirklicht.

Doch nun noch mal ganz von vorne – was machen die Jungs von Naked Optics denn eigentlich genau und welche Geschichte steckt hinter der Geschäftsidee? „Super Skibrillen zum fairsten Preis für ein junges Publikum anbieten“ – das nennt Chris als Idee und Ziel des Startups. Ihren Anfang nahm diese Idee bei einer Asienreise der Gründer vor dreieinhalb Jahren. Dort, auf dem Kontinent der billigen Produktionskosten, konnten sie mit dem nötigen Quäntchen Glück einen Kontakt zu einem Hersteller, der Skibrillen für die bekanntesten Marken der Szene produziert, abgreifen. Wohl wissend, wie hoch die Preise für Markenskibrillen sind, formte sich in den Köpfen der drei Jungs eine Idee, die so einfach wie genial war: wenn man die Zwischenhändler umgehen und die Brille direkt an den Kunden bringen könnte, sollte eine bestmögliche Weitergabe des Preisvorteils möglich sein.

Vor der Umsetzung der Idee wurde natürlich erst einmal eine ausgiebige Testphase gestartet. Für eine komplette Saison wurden die No-Name-Skibrillen von den drei zukünftigen Gründern samt Freunden und Familie bis auf’s Äußerste getestet – und sie hielten dem Test stand! Denn auch wenn das Aussehen der Brillen zunächst noch zu wünschen übrig ließ, standen sie in der Qualität den Brillen der großen  Marken in Nichts nach; nicht zuletzt wegen der Anstrengungen der Jungs, die Brillen so lange abzustimmen und anzupassen, bis sie ihre hohen Standards mehr als zufrieden stellten. Das war der Startschuss für die endgültige Umsetzung der Idee, und in der nächsten Saison starteten die drei Skifans mit einer Order der Mindestbestellmenge und zwei Modellen in verschiedenen Farben. Und sie schienen einen Nerv getroffen zu haben – innerhalb kurzer Zeit waren einige Modelle bereits ausverkauft.

Doch was macht das Unternehmen Naked Optics so erfolgreich?

Direktvertrieb statt Zwischenhändler! Wie bereits erwähnt, spart sich Naked Optics die Kosten für teure Zwischenhändler und bezieht die Skibrillen direkt vom Hersteller. Aus dem Lager, welches ebenfalls ausgelagert ist, wird das Produkt direkt an den Kunden verschickt. So können die Kosten minimiert werden.

Klare Abgrenzung der Zielgruppe! Naked Optics spricht durch seine günstigen Preise, den frechen Namen und die hippen Farben vor allem ein junges Publikum an. Eine verstärkte Corporate Identity soll dies noch intensivieren.

Sponsoring von Skilehrern! Im Gegensatz zu anderen Ski-Brands, welche sich größtenteils auf das Sponsoring bekannter Athleten konzentrieren, sponsert Naked Optics vor allem Skilehrer. Dies hat verschiedene Gründe: zum einen nehmen die Skilehrer innerhalb der Gruppe eine Führungsposition ein und sind ein Vorbild für ihre Schüler. Zum anderen können so möglichst viele Personen, auch verschiedener Nationalitäten, innerhalb kurzer Zeit erreicht werden, da die Gruppen meist wöchentlich wechseln. Hinzu kommt, dass die Skilehrer die Brillen quasi ständig testen und so ein sehr gutes Feedback geben können, was den größten Mehrwert für den Kunden darstellt.

Vollständige Automatisierung der Prozesse! Dadurch, dass die Jungs von Naked Optics ausschließlich die Prozesse verwalten, die die Skibrille vom Hersteller in Asien zum Kunden bringen und mit dem Produkt selbst kaum noch in Berührung kommen, wird die Arbeit in solch einem kleinen Team möglich. Langfristig wollen sie maximal 1-2 Mitarbeiter zusätzlich einstellen, sagt Chris.

Lean Startup! Einen weiteren Baustein des Erfolgsgeheimnisses der Gründer bildet der Aufbau des Unternehmens nach dem Prinzip des Lean Startups. Hierbei wird das Unternehmen zunächst so einfach wie möglich aufgebaut und ein Großteil der Aufgaben durch die Gründer selbst übernommen, um weitestgehend auf externe Finanzierung verzichten zu können. Hinzu kommt ein enger Kundenkontakt, da durch Feedback das Startup optimiert werden soll.

Diesen Grundsätzen verdankt Naked Optics seinen größten Erfolg bisher: einen guten und stabilen Ablauf der Firmengründung, die ohne große Finanzierung und neben Studium und Job gestemmt werden konnte. Bereut haben die drei Jungs den Schritt in die Selbstständigkeit daher nie. Ganz ohne Zweifel und Probleme lief aber auch diese Vorzeige-Gründung nicht ab: der Zwiespalt zwischen der Notwendigkeit, mehr und mehr Zeit in das Projekt zu stecken, um eines Tages davon leben zu können, und  anderen Verpflichtungen waren laut Chris mitunter sehr belastend. Hinzu kamen kleine Stolpersteine wie das Ausbleichen eines Brillen-Modells.

Für andere motivierte Firmengründer oder solche, die es werden wollen, hat Chris ein paar Tipps auf Lager:

Kleine Innovationen verwirklichen! Für junge Menschen, die den Wunsch haben, ein eigenes Unternehmen aufzubauen, aber die an der Ideenfindung scheitern, hat Chris einen einfachen Rat: „Wenn man das Gefühl hat, dass man selber etwas auf die Beine stellen will, sollte man einfach mal los starten, auch wenn man keine großartige Innovation hat; es reicht, Produkte, die bereits auf dem Markt sind, minimal zu verbessern.“

Nebenbei starten! Zudem hält es Chris für ratsam, ein Startup neben einem Studium oder einem anderen Job aufzubauen – denn selbst für die erfolgreichsten Gründer ist es schwierig, von Anfang an von den erwirtschafteten Einnahmen zu leben.

Feedback einholen! Auch die ausgeklügeltste Idee bringt letztendlich nichts, wenn das Produkt am Ende nicht vom Kunden gekauft wird. Daher rät Chris den jungen Gründern, das Produkt so schnell wie möglich zum Kunden zu bringen, um so Anregungen schneller umsetzen zu können.

Bei dem Erfolg der kleinen Firma ist es nicht verwunderlich, dass die Jungs von Naked Optics die Erfahrung, die Idee vom eigenen Startup zu verwirklichen, nur empfehlen können: die ersten zwei Jahre seien eine extrem spannende, lehrreiche und lustige Zeit mit vielen bereichernden Begegnungen gewesen, die über die stressigen Momente triumphiert hätten, so Chris. Die drei sind sogar der Meinung, dass ein paar tausend Euro besser in ein Startup investiert sind als in einen MBA, da man die verschiedenen Seiten des Managements von Grund auf und hautnah kennenlernt.

Dann mal los!