Im ersten Interview unserer Serie „Entrepreneurs in und um Innsbruck“ stellt uns Patrick Pixner, Gründer und CEO der M-Pulso GmbH, sein Startup näher vor.

Wie alles begann, welche Hürden sie bereits erfolgreich gemeistert haben und welche speziellen Empfehlungen Patrick für unsere Gründerszene parat hat, erfährt ihr in diesem Blogbeitrag. 

Bernhard: Kannst du dich und euer Unternehmen kurz vorstellen?

Patrick: Mein Name ist Patrick Pixner und ich bin generell 12 Jahre schon im IT-Bereich unterwegs, immer schon mit dem Fokus auf mobile Lösungen. Vor ziemlich genau 6 Jahren habe ich mit dem Andreas Werner zusammen die Firma M-Pulso gegründet, auch mit dem klaren Fokus, dass wir uns in Tirol als der Partner für mobile Entwicklung positionieren wollen. Und auch bedingt durch das Umfeld wollten wir damals schon zwei Themenbereiche fokussieren. Zum einen ein Projektgeschäft, weil man es einfach braucht um bei uns zu überleben. Zum zweiten wollen wir aber doch noch eigene Themen fokussieren und dort zu schauen wie verschiedene Modelle funktionieren können.

Da gibt es verschiedene Ausprägungen davon. Ein Beispiel wäre unsere Hotel App, welche wir mit renommierten Hotels im Umfeld schon umgesetzt haben (z.B. Stanglwirt, Kralerhof Leogang). Das ist ein klassisches Verkaufsprojekt. Man findet einen Kunden, konfiguriert auf die individuellen Anforderungen, im Hintergrund läuft jedoch immer das gleiche System.

Die Zweite Schiene ist das Thema, wo wir versuchen verschiedene Bereiche intelligent zu verbinden. Unser Paradebeispiel ist dabei die Lawine Tirol App. Diese haben wir gemeinsam mit der Tiroler Tageszeitung, sowie dem Lawinenwarndienst Tirol umgesetzt. Das Projekt betreuen wir schon seit dem Anfangsstadium, wo es ursprünglich darauf ausgelegt war die Lawinenkommisionsmitglieder, also die Leute vor Ort, welche die Lawinengefahr beurteilen und Straßensperren errichten, Infos aufs Handy bekommen und somit vor Ort besser die Lage beurteilen können. Das war immer schon gut aufbereitet, aber jetzt eben werden diese gut aufbereiteten Daten einem größerem Publikum verfügbar gemacht. Mit der Tiroler Tageszeitung haben wir einen guten Partner mit entsprechender Breitenwirkung gefunden. Das hat sich auch in den Downloadzahlen niedergeschlagen. Wir zählten in der ersten Wintersaison über 20.000 Downloads, was für ein Thema, das auf Tirol thematisch beschränkt ist, schon sehr gut ist. Dieses Jahr kamen noch einmal rund 10.000 neue User hinzu. Das zeigt schon, dass wenn man die richtigen Sachen zusammenbringt, man auch bei uns gut aussteigt.

Zum Dritten haben wir noch das Thema App-Dienstleistung. Vor kurzem haben wir zum Beispiel meins.at gestartet, also die Schnäppchenbörse von der Tiroler Tageszeitung.

Bernhard: Du hast jetzt gesagt, dass eure Kunden die Tiroler Tageszeitung, Hotels usw. sind. Warum habt ihr euch dazu entschieden auf Businesskunden zu gehen, anstatt vom Endkonsumenten?

Patrick: Wenn man mal von Spielen absieht, gibt es im Wesentlichen 2 Modelle, wie man Geld verdient mit einer App. Zum einen über Werbung und zum zweiten über das, dass der Kunde selber bezahlt. Werbung ist schnell erklärt. Man macht einfach Einschaltungen in der App, die man dann verkauft. Da braucht man einen entsprechenden Partner, der bereit ist dafür Geld auszugeben. Das hängt natürlich unmittelbar damit zusammen, wie viel man Leute herbringt. In der Lawine Tirol App sind zum Beispiel auch Werbeeinschaltungen, jedoch von unserem Kooperationspartner. Dabei werden gleich mehr Leute angesprochen und erreicht.

Das zweite ist das Thema mit dem Verkaufen. Da ist auch wieder das gleiche. Man muss das einem möglichst großen Publikum zur Verfügung stellen. Wie macht man das? Es gibt verschiedene Modelle, so wie das Freemium Modell, wo die App selber gratis ist, aber du mit In-App-Sales entsprechenden Zusatzcontent freischalten lassen kannst. Da ist das Problem, dass dir die App-Stores schon recht viel von der Marge wegnehmen, im Schnitt so ca. 30%. Und du musst trotzdem schauen, dass du das so gut wie möglich bewirbst, dass du so viel wie möglich Downloads generieren kannst. Und das ist halt generell ein schwieriges Thema, weil in welchen Bereichen sind die Leute bereit Geld auszugeben? Das sind zum großen Teil Spiele und zum anderen großen Teil alles, was in den Office Anwendungen rauskommt plus Navidienste und solche Sachen. Hier eine Marktlücke zu finden ist extrem schwierig. Ist aber doch ein Thema das wir uns anschauen wollen, weil wir bei Kundenprojekten schon eine Idee davon bekommen haben, wie das funktionieren kann. Also was wir zum Beispiel jetzt öfter schon gesehen haben ist, dass Quizapps gut funktionieren. Sowohl eigenständige Projekte, als auch das berühmte Quizduell. In diesem Bereich ist noch ein großer Spielraum offen. Da werden auch in den nächsten paar Wochen von uns ein paar Quizapps rauskommen, die dann kostenpflichtig zum Herunterladen verfügbar sind, wie zum Beispiel das Weinquiz.

Bernhard: Wieviel habt ihr derzeit Mitarbeiter und wie seit ihr aufgestellt?

Patrick: Wir sind derzeit 7 Mitarbeiter insgesamt. Es gibt den Otto Kelz als zweiten Geschäftsführer, der für die ganzen Finanzthemen zuständig ist und fürs Controlling. Er wird uns von der Curator Holding gestellt und bereitet uns diese Dinge auf. Dann haben wir drei Entwickler auf Festanstellung plus eben Andreas Werner als technischen Leiter und eine Assistenzkraft, wobei das jetzt keine klassische Sekretärin ist, sondern wirklich auch in das Businessdevelopment und den Vertrieb eingebunden ist. Und dann gibt es noch mich als Geschäftsführer, quasi auch Mädchen für alles. Wenn halt irgendwo der Hut brennt. Was mir auch wichtig ist, ist den Anschluss an die Technik nicht zu verlieren. Und zumindest ein bisschen zu programmieren, halt wirklich nur ein sehr kleines Zeitfenster. So sind wir aufgestellt, was die Fixbelegschaft betrifft, aber je nach dem gibt es natürlich auch aus dem Netzwerk Leute, die man dazu nimmt.

Bernhard: Wie habt ihr den ersten Mitarbeiter eingestellt und was braucht es, damit man denkt, jetzt stelle ich eine zusätzliche Arbeitskraft im Betrieb ein.

Patrick: Das hat sich eigentlich sukzessive entwickelt. Also von null auf hundert jemanden einzustellen ist gerade am Anfang schwierig und war für uns undenkbar. Da war eher die Konstellation so, dass wir ein Projekt hatten, wo wir zumindest in einem gewissen Ausmaß Unterstützung gebraucht haben. Und dann haben wir auf Werksvertragsbasis einen damaligen Studenten für ein paar Stunden entsprechend angestellt und das hat sich bei uns vom Stundenbedarf eben immer weiter gesteigert bis wir eine Fixanstellung im Teilzeitverhältnis von 20-24 Stunden eingestellt haben. Das nahm dann so seinen Lauf.

Bernhard: Springen wir nochmal etwas weiter zurück. Und zwar, was waren bei dir bzw. vielmehr bei euch die Hürden bei der Gründung.

Patrick: (lacht) Ja, wir haben uns echt gut vorbereitet und das Ganze recht gut durchgeplant, was die Gründung betrifft, und trotzdem hat es immer wieder Überraschungen gegeben. Zu Beginn bist du einmal überrascht, was im österreichischem Bürokratiedschungel alles so möglich ist. Was wirklich schwierig war, war die richtigen Sachen zur richtigen Zeit zu bekommen. Zum Beispiel, wenn beim Firmenbuchantrag ein Wort falsch ist, dann muss man wieder einen Nachantrag stellen und wieder beglaubigen lassen. Auch auf den Gewerbeschein haben wir wochenlang gewartet und auch mehrmals nachfragen müssen. Da kann dir schon passieren, dass wenn du anrufst, dir gesagt wird, dass die Zuständige Dame für den Buchstaben P leider auf Urlaub ist. Das sind dann halt schon so Sachen, die einem von wichtigeren Dinge abhalten.

Bernhard: Wie hat sich das bei euch auf die Motivation ausgewirkt? Hindert dich das dann das durchzuziehen?

Am Anfang ärgert man sich ein bisschen. Aber gerade zu Beginn musst du ja brennen, dass etwas weitergeht und so ein richtiger “Ablöscher” ist das in dem Fall nicht. Man muss auch schauen, wo holt man sich die Betreuung, die man auch braucht. Wir hatten von Anfang an zum Beispiel auch einen Steuerberater, der uns betreut hat. Das kostet zwar etwas, aber zahlt sich natürlich im Endeffekt auch aus.

Bernhard: Ihr habt als OG gestartet, später dann die Rechtsform GmbH gewählt. Warum?

Patrick: Im Wesentlichen sind wir 4 Jahre als OG gefahren und waren dann vor der Entscheidung ob wir da jetzt so weitermachen wollen. Es hat sich halt recht gut linear entwickelt. Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon zwei Mitarbeiter und haben dann gesagt, was wollen wir machen? Wir haben uns schon länger dafür interessiert, was es noch so gibt, dass wir auch noch weiter wachsen können. Dann hat sich recht kurzfristig eine passende Konstellation ergeben, wo wir eben auch neue Gesellschafter mit reinholten. Und dann ist das so, wie ein Professor von mir einmal gesagt hat, dass man mit den Gesellschaftern in einer OG wie verheiratet ist. Da muss das Vertrauen schon sehr stark da sein. Mit zwei Leuten noch handle-bar, aber für die nächste Stufe hat es dann einfach die GmbH gebraucht.

Bernhard: Was war bei euch der Trigger, also der Zündungspunkt, wo ihr gesagt habt, jetzt starten wir durch, jetzt gründen wir.

Patrick: Also ich habe mit meinem Gründungspartner schon vorher in einem Unternehmen zusammengearbeitet, wo wir echt coole Sachen gemacht haben. Also wenn ich mich zurückerinnere, wir haben zum Beispiel für das Oktoberfest ein Wap-Portal, ein Flirtportal gemacht. Damals noch für Schwarz-Weiß-Handys. Und ich war auch in China auf einer Messe für technische Betreuung für einen Prototyp, den wir damals entwickelt haben, was im Wesentlichen das macht, was WhatsApp jetzt macht. Also einen Instant Messenger Service … kann man sich gar nicht vorstellen, das ist jetzt 11 Jahre her.

Das heißt es waren einfach sehr viele Ideen da, die von dem Unternehmen damals nicht aufgegriffen worden sind, wo wir dann gesagt haben der Markt gibt extrem viel her, es ist eventuell noch zu früh, aber da ist es einfach spannend da was zu machen. Uns war es aber auch extrem wichtig, mit dem ehemaligen Arbeitgeber positiv einvernehmend zu handhaben, weil wir waren auch nicht die unwichtigsten Mitarbeiter. Deshalb haben wir auftragsmäßig noch für die ehemalige Firma gearbeitet und Projekte weiter betreut. Da waren beide Seiten zufriedengestellt.

Bernhard: Ihr habt also gekündigt und gleich eine Firma gestartet?

Patrick: Also der Ablauf war so, dass wir uns schon länger mit dem Gedanken getragen haben etwas zu starten. Das war im Jahr 2008. Wir haben uns dann gut informiert, welche Möglichkeiten gibt es bzw. welche Fördermöglichkeiten sind vorhanden. Dann sind wir auch mit dem CAST in Berührung gekommen und haben dann die Entscheidung gefasst, wir wollen ein CAST Gründerteam werden und arbeiten auch einen Businessplan aus usw. und dann haben wir gekündigt beim ehemaligen Arbeitgeber.

Bernhard: Weil im Zuge von Startups immer wieder von Scheitern bzw. Failure gesprochen wird, hat es bei euch mal einen Moment gegeben wo ihr gesagt habt wir geben auf.

Patrick: Das gibt es immer wieder. Sowohl als Unternehmen im Gesamten als auch in einzelnen Projekten selber. Vor allem wenn es größere Projekte sind, sind es oft Sachen, die nicht in deinem Einflussbereich liegen, wofür du aber am Ende dann doch verantwortlich bist. Aber ganz generell gibt es gerade in der Anfangsphase Zeiten, wo es besser läuft und alles super ist. Und dann gibt es Zeiten, da ist einfach alles sch***. Das lässt sich auch nicht umschreiben, sondern es ist wirklich sch***. Und da muss man auch dann wirklich durchbeißen und seine Hausaufgaben machen, dass man in dem Fall entsprechend durch tauchen kann. Auch wenn es ein Thema ist, das meistens als technikaffiner Gründer weniger interessant sind, nämlich seine Finanzen einfach richtig durchzurechnen und zu planen und immer wieder anzupassen. Es ist zwar einmal eine Arbeit das aufzusetzen, aber dann im laufenden Betrieb bringt dir das viel.

Bernhard: Zum Abschluss, welche Empfehlungen hast du für Gründer, bzw. solche, die sich überlegen zu gründen?

Patrick: Also mein wichtigstes Learning ist, dass einfach alles viel länger dauert, als man denkt. Man sollte sich auch immer einen gewissen Puffer einplanen. Weil es da oft auch gar nicht mal um die eigene Performance geht, sondern auch um Entscheidungswege und andere Dinge, welche man selber auch gar nicht beeinflussen kann.

Man muss natürlich auch diszipliniert sein – noch viel mehr als in anderen Bereichen. Natürlich kann man auch mal einen feinen Tag machen, wenns einem gar nicht zusagt. Aber in dieser Zeit steht dann halt alles und das gilt es halt dann wieder unterzubringen.

Weiterführende Links 

Webseite von M-Pulso
Lawine Tirol App
Meins.at