Italienische Grandezza und Südtiroler Bodenständigkeit

Kürzlich haben wir mit Daniel Sperandio von RE-BELLO gesprochen, dessen Unternehmen mehr Nachhaltigkeit und Verantwortung in die Modewelt bringen möchte. Es geht ihnen darum, „grün“ zu produzieren, aber dabei nicht unbedingt „grün“ zu wirken. Im Vordergrund steht immer auch der Style und die Schönheit – so wie es sich für Bella Italia gehört.

 Formation of a company

Der Gesellschaftspartner von Sperandio, Daniel Tocca, hat in Holland Unternehmensgründung studiert. Gleich nach seinem Abschluss machte er den Fehler, das Arbeitsangebot einer Multinational Company anzunehmen. Sein Gehalt war gut, aber ihm selbst ging es nicht gut. Er war mit seiner Arbeit nicht zufrieden. Denn eigentlich wollte er immer sein eigenes Ding machen und ein Unternehmen aufbauen.

Bereits in Holland wurde er auf nachhaltige Kleidung aufmerksam. Dabei identifizierte er zwei Gaps: Die Schnitte waren nicht modisch (Stichwort: Kartoffelsack-Style) und meist eher rau und unbequem. Er hatte also eine Marktlücke entdeckt, und sah ein großes Potential für nachhaltige, bequeme und stylische Mode. Daraufhin kontaktierte Tocca seine Freunde Daniel Sperandio und Emanuele Bacchin, um sie von seiner Idee zu überzeugen. Sie gefiel – und daher entschieden sich die drei für eine Unternehmensgründung. Der Mode-Bereich hat sie immer schon interessiert. Alle waren der Meinung, dass Nachhaltigkeit in Zukunft eine große Rolle spielen wird, deshalb wurde diese Nische fokussiert.

 Gründen in Südtirol

Als Gründer macht Sperandio gute und schlechte Erfahrungen.

Pro: Sehr positiv ist, dass man von Anfang an vier Märkte bedienen kann, nämlich Italien, Österreich, Deutschland und die Schweiz. Das liegt an der Zweisprachigkeit und an der geographischen Lage Südtirols. Außerdem gibt es verschiedene Unterstützungsprojekte für junge Unternehmensgründungen auf lokaler Ebene.

Contra: Eher negativ ist laut Sperandio, dass Market Trends in der Mode meistens in den großen Metropolen (allen voran Mailand) entstehen. Da hinkt man dann hinterher. Auch die Produktionsnetzwerke befinden sich meist außerhalb von Südtirol. Das ist vermutlich branchenspezifisch.

Marktpositionierung – der Laden läuft

Unter den nachhaltigen Labels ist RE-BELLO das einzige mit einer derart breiten Material- und Produktpalette. Neben den traditionellen Stoffen wie organische Baumwolle, Bambus und Bio-Wolle, werden auch PET Newlife, Eukalyptus, Beechwood, Olivenleder,  Upcycled Cashmere und sogar recycelte Fischernetze verwendet. „Aus diesem Grund sprechen wir bei RE-BELLO von RESPONSIBLE INNOVATION – das ist etwas konkreter als nur der Begriff der Nachhaltigkeit“, meint Sperandio.

Die Materialien stammen zum größten Teil aus Italien, Griechenland, der Türkei und sonstigen europäischen Ländern. Einige Stoffe müssen allerdings international importiert werden, etwa Bambus aus Asien und Merino-Wolle aus Südamerika.

Ab Februar 2017 wird das Unternehmen mit einem „Traceability Tool“ online gehen. Jeder Konsument, der ein RE-BELLO Stück kauft, kann dann auf die Webseite gehen, den Produkt-Code eingeben und alles über sein Kaufobjekt erfahren – vom Rohstoff bis zur Lieferung ins Shop.

Standort Bozen – ein Vorteil

Der Standort des Unternehmens ist Südtirols Hauptstadt Bozen. Warum? „Hier sind unsere Wurzeln“, meint Sperandio. „Genau, das lässt uns in Südtirol bleiben. Wenn wir uns in Rest-Italien vorstellen, sind wir dadurch glaubwürdiger und alle verbinden unser Konzept mit Südtirol.“

Stichworte, die den Italienern laut Sperandio zu Südtirol einfallen: Seriosität, Naturverbundenheit, Innovation, Verantwortung. Die Idee sei, dass man das italienische Gespür für Stil und Mode mit Tiroler Naturverbundenheit und Bodenständigkeit verbinde.

Revolution der Schönheit

RE-BELLO entstand in der Kombination von zwei ausdrucksstarken Begriffen: RE steht für Revolution, BELLO steht für Schönheit (auf Italienisch). „Wir wollen also die Schönheit und die Modewelt revolutionieren!“, sagt Sperandio. Diese „Revolution“ soll aber pragmatisch und intellektuell erfolgen. RE-BELLO möchte nicht mit Green Activists in Verbindung gebracht werden. Sie wollen das Konzept der „Responsible Innovation“ massentauglich machen – in kleinen Schritten und ohne Aktivismus.

Nah am Kunden

Den typischen RE-BELLO- Käufer zu beschreiben, ist nicht einfach. Bei der Zielgruppe kann man nicht von Konsumenten in einem bestimmten Alter sprechen. Es handelt sich mehr um einen Lifestyle, um Leute, die Wert auf Qualität und Transparenz legen. Aber auch Leute, die sich durch bewusstes und faires Einkaufen sozial positionieren wollen. Neue Kunden gewinnt man hauptsächlich im Shop, wobei es sehr wichtig ist, dass die Verkäufer überzeugend und kompetent agieren. Der Endkonsument muss vollständig zufrieden sein. Beim Marketing setzt RE-BELLO sowohl auf Online-Auftritte, als auch traditionelle Kommunikationsmedien.