….oder EU, OG, KG, GmbH…

Um selbstständig zu sein, benötigt es ein Unternehmen. Doch was verbirgt sich hinter einem „Unternehmen“? Pauschal kann diese Frage selbstverständlich nicht beantwortet werden. Vom rechtlichen Standpunkt aus ist das zentrale Unterscheidungsmerkmal die Rechtsform. Diese bestimmt neben den Anforderungen an den Geschäftsführer und die eventuellen Gesellschafter auch Haftungsfragen, sowie steuerrechtliche Vorgaben und hat daher weitreichende Konsequenzen für das Unternehmen und die Unternehmer dahinter. Sollte ein Unternehmen auf neue Situationen reagieren müssen, so ist eine Umgründung in eine andere Gesellschaftsform möglich (aber meist nicht billig).

Einzelunternehmer

Die mit ca. 251.000 Unternehmen beliebteste Unternehmensform in Österreich ist der Einzelunternehmer. Gerade für kleinere Betriebe und neue Selbstständige[1] ist dies eine Möglichkeit, unkompliziert und schnell Selbstständigkeit zu erlangen, da das Unternehmen mit der Gewerbeanmeldung bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde erfolgt und mit ca. 100 €[2] deutlich billiger ist, als andere Rechtsformen. Da das Einzelunternehmen von einer natürlichen Person betrieben wird, bringt dies weitreichende Konsequenzen im Steuerrecht mit sich. Der natürlichen Person werden die Erfolge (sowie die Misserfolge) des Unternehmens direkt zugerechnet. Das bedeutet einerseits, dass die Gewinne nach dem Steuertarif des EStG[3] zu versteuern sind, bei Negativeinkommen (Euphemismus für Verluste) diese jedoch ausgleichsfähig mit anderen Einkünften sind. Ein weiterer Nachteil des EU ist, dass der Inhaber persönlich und unbeschränkt (auch mit seinem Privatvermögen!) haftet. Dies erhöht zwar unter Umständen die Bonität des Unternehmens, birgt jedoch bei kapitalintensiven Startups gewaltiges Risiko.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Möchte man mit einem Partner ins Unternehmerleben starten, so bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten an: Die einfachste (und loseste) Verbindung ist jene einer GesbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Hier schließen sich zumindest zwei NP zusammen die ihre Arbeit oder ihr Kapital einbringen, um gemeinsam ein wirtschaftliches Ziel zu verfolgen. Ein schriftlicher Vertrag ist ratsam, jedoch kann die GesbR auch durch konkludentes Zusammenwirken entstehen. Wie auch beim EU und bei anderen Personengesellschaften haften die Gesellschafter auch hier persönlich und unbeschränkt. Wenn die GesbR die Umsatzgrenze von 700.000 € überschreitet, so ist sie zum Firmenbuch anzumelden und als OG (Offene Gesellschaft) oder KG (Kommanditgesellschaft) weiterzuführen.

Offene Gesellschaft & Kommanditgesellschaft

Die OG unterscheidet sich von der GesbR dadurch, dass sie erst durch die Firmenbuchanmeldung entsteht. Sie haften persönlich, unbeschränkt und solidarisch. Zur Vertretung ist jeder Gesellschafter befugt. Änderungen können jedoch im Gesellschaftsvertrag vereinbart werden. Die Gewinne der OG werden direkt den Gesellschaftern zugerechnet und bei diesen versteuert. Für den Fall, dass sich ein Gesellschafter lediglich mit einer bestimmten Summe am Unternehmen beteiligen möchte, empfiehlt sich hierbei die Gründung einer KG. Für sie gelten dieselben Voraussetzungen wie für die OG, mit dem Unterschied, dass der Kommanditist lediglich bis zur Höhe seiner Einlage haftet. Bei allen Personengesellschaften ist in der Firma der entsprechende Zusatz GesBR, OG oder KG hinten anzuführen.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Eine weitere Möglichkeit sich unternehmerisch zu betätigen, ist die Gründung einer Kapitalgesellschaft, allen voran die allseits bekannte (und beliebte) GmbH. Im Vergleich zu Personengesellschaften ist sie mit mehr (finanziellen) Aufwand verbunden. Die Gründung erfordert neben einem Notariatsakt, Gesellschaftsvertrag, Firmenbucheintragung, der Ernennung des Geschäftsführers, auch die Entrichtung von Stammkapital für die GmbH[4]. Diese Kosten gilt es bei der Entscheidung zu einer GmbH zu beachten. Zu empfehlen ist auch, dass das Stammkapital voll einbezahlt wird, da die Gesellschafter in der Höhe der Stammeinlage haften, auch wenn diese noch nicht voll einbezahlt ist. Auch zu beachten sind die laufenden höheren Kosten einer GmbH wie die mindest – Körperschaftssteuer (KöSt) in der Höhe von 1.750 € vierteljährlich, die auch bei Verlusten zu entrichten ist[5] sowie die höheren Buchführungskosten aufgrund der Bilanzierungspflicht.

Die GmbH wird im täglichen Betrieb nicht zwingend durch den Inhaber vertreten, sondern durch den Geschäftsführer. Bei einer GmbH kommt es auch zu einer (beinah völligen) Trennung von Gesellschaft und Gesellschaftern. Der Erfolg wird direkt der GmbH zugerechnet und auch bei dieser versteuert (nicht wie bei der natürlichen Person mit dem ESt- Satz.). Zuerst werden 25 % KöST in Abzug gebracht und bei einer Ausschüttung an die Gesellschafter werden Gewinne nochmals mit 27,5 % KESt[6] versteuert.

Was ist jetzt aber mit der Weihnachtsmann & Co KG? Diese gibt es wirklich – zumindest theoretisch. Eine GmbH & Co KG ist eine Mischung aus einer KG und GmbH, wobei die GmbH der unbegrenzt haftende Gesellschafter der KG ist. Hat man die oberen Zeilen konzentriert gelesen wird man sich jetzt wundern, da ebendort über die begrenzte Haftung der GmbH berichtet wurde. Genau das ist der Grund, warum der Zusatz & Co KG wichtig ist, da hiermit auf die begrenzte Haftung des „unbegrenzt haftenden Gesellschafters“ hingewiesen wird. Durch diese Konstruktion soll die unbegrenzte Haftung der Kommanditisten umgangen werden. Vor allem, wenn sich größere Investoren am Unternehmen beteiligen bietet sich diese Gesellschaftsform an.

Man sieht bei diesem kurzen Überblick, dass die Gestaltungsmöglichkeiten enorm sind, dadurch aber auf die individuellen Bedürfnisse von Start- Ups eingegangen werden kann. Generell gilt es, die Erfolgszurechnung zu beachten, die sich bei Personengesellschaften (EU, OG, KG) direkt auf die Gesellschafter durchschlägt und bei Kapitalgesellschaften (GmbH, GmbH & Co KG, AG) auf die Gesellschaft selbst. Daraus resultierend spielt die Haftungsfrage eine weitere wichtige Rolle, die es zu beachten gibt. Gerade bei einem hohen Investitionsvolumen am Beginn eines (zB produzierenden) Start- Ups kann dies oft maßgebender sein als die Frage der Steueroptimierung.

PS: Die Weihnachtsmann & Co KG startet wieder am 19.11.2016 im Fernsehen.

Weiterführende Information und nützliche Links:
https://www.wko.at/Content.Node/Service/Wirtschaftsrecht-und-Gewerberecht/Gesellschaftsrecht/Unternehmensrecht/Gesellschaftsformen/Einzelunternehmen.html

https://www.wko.at/Content.Node/Service/Wirtschaftsrecht-und-Gewerberecht/Gesellschaftsrecht/Unternehmensrecht/Gesellschaftsformen/Infoblaetter.html

Beiser, Finanzen und Steuern, 14. Auflage

[1] Siehe Artikel xxx vom xxx.
[2] Die Kosten variieren je nach angemeldetem Gewerbe. Details dazu auf https://www.gruenderservice.at/Content.Node/gruenden/Kapitalbedarf/Gruendungskosten.html
[3] Steuertarif von 18 % bis 55 % abhängig vom Einkommen der natürlichen Person. Die ersten 11.000 € Einkommen p.a. sind jedoch immer steuerfrei (Steuerfreibetrag).
[4] Das Stammkapital einer GmbH beträgt 35.000 €, wovon die Hälfte bar einzubezahlen ist. Bei der Gründungsprivilegierten GmbH müssen am Anfang 5000 € bar einbezahlt werden und das Stammkapital binnen 10 Jahren auf 35.000 € erhöht werden.
[5] In diesem Fall wird sie jedoch auf Gewinne der kommenden Perioden angerechnet.
[6] Die daraus resultierende kumulierte Endbesteuerung von 45,6125 % kann durch Investitionen und andere Modelle deutlich gesenkt werden. Auch stellt sie den Steuersatz bei Vollausschüttung der Gewinne dar.