Unabhänigkeit durch private Finanzierung

Die Anfänge der Firma reichen zurück bis 2007: Roland Wolf und Marija „Mary“ Iljazovic, beide in der Optikerbranche im Vertrieb tätig, begannen an einem neuen Scharnier und einer speziellen Verglasung für Brillenfassungen zu tüfteln. Die Brüder der beiden, Christian Wolf und Martin Iljazovic, stießen bald dazu. 2009 gewann man auf der internationalen Messe OPTI den ersten Preis, den Silmo d’Or in der Kategorie „Technik und Innovation“. Mittlerweile arbeiten 30 bis 40 Leute im Familienbetrieb im Außerfern. Die Geschichte von ROLF Spectacles.

Die Anfänge

Der Wille zur Selbständigkeit war die Antriebsfeder. Im Keller des Wolf’schen Elternhauses wurde gearbeitet, kulinarisch unterstützt von der Familie Iljazovic. Zuerst waren technische Aspekte im Vordergrund, später kamen die Naturmaterialien Holz, Stein und Horn ins Spiel. Man hatte eine Nische gefunden und in der Branche Schritt für Schritt Anerkennung gewonnen. Nun galt es, die Präzision in der Fertigung zu perfektionieren. Um größere Mengen zu produzieren, brauchte es entsprechende Maschinen und geeignete Räumlichkeiten.

Private Finanzierung

Zuerst verwendeten die Gründer ihre eigenen finanziellen Mittel. Das bedeutete laut Christian Wolf aber „extremen Verzicht“. Von 2009-2011 war es finanziell sehr knapp. Der im Rahmen einer CAST-Veranstaltung erarbeitete Business-Plan reichte der Bank nicht. Da war die Unterstützung der Eltern notwendig. Erst durch die väterliche Bürgschaft kam es zum Bankkredit. Roland Wolfs zukünftiges Erbe wurde für die Bürgschaft verwendet. Das bedeutete ein rein privates Risiko. Aber ohne Risiko und ohne Mut würde es nicht funktionieren, so Christian Wolf. Andererseits sei so die Motivation entsprechend höher, wirtschaftlich zu arbeiten. Diese Art der Finanzierung könne aber auch erschwerend sein, wenn zu wenig Eigenkapital da wäre. Das ROLF-Team hatte das Glück, dass das Produkt „stark“ war. Die Finanzierung reichte für den Ankauf der Maschinen, die den hohen Anforderungen an die Qualität und der Menge der Fertigung gerecht wurden. Außerdem wurde mit dem Kapital der Vertrieb aufgebaut. Durch die private Finanzierung blieb man unabhängig, was dem Team sehr wichtig war, Investoren kamen deshalb auch nie in Frage.

Der Standort

Bei der Suche nach einem geeigneten Firmengelände gab es von der Gemeinde keine Unterstützung, im Gegenteil, man machte es dem engagierten Team eher schwer. Die Beziehung zu den örtlichen Politikern ist aufgrund der mangelnden Kooperation kühl. Das heutige Firmengelände in Weißenbach am Lech wurde schließlich einem deutschen Unternehmer abgekauft. Die Geschäftsführung, der Vertrieb, die Buchhaltung, das Marketing, das Design und auch das Office – alles befindet sich in einem Haus. Eine Auslagerung kommt für ROLF Spectacles nicht in Frage. Auch werden die Etuis, Trays und der Messestand im Hause ROLF gefertigt.

Das Produkt

Christian Wolf nennt die ROLF-Brille „ein Produkt ohne Kompromisse“. Verwendet werden die natürlichen und nachhaltigen Materialien Holz, Stein und Horn. Das Innovative an den Brillen ist das Holzscharnier, es werden keine Schrauben, kein Plastik und kein Metall verwendet. Innovativ ist auch die Verglasungstechnik.

2009 gab es drei bis vier Firmen, die mit Holzbrillen arbeiteten, jetzt gibt es über 100. Die Konkurrenz ist groß. Viele Firmen bieten eine andere Qualität, billigere Produkte, weniger Service und sie vertreiben breiter, was dem Ruf von Holzbrillen nicht immer zuträglich ist. ROLF Spectacles setzt auf Exklusivität und sehr hohe Qualität.

Für Innovation bekam die Firma ihren ersten Preis und Innovation ist für sie auch weiterhin unerlässlich. Es gibt zwei bis drei Leute, die ausschließlich in der Forschung und Entwicklung arbeiten.

Die Positionierung auf dem Markt

Als Flagshipstores gibt es den ROLF shop reutte (seit 2011) und den ROLF shop wien im 1. Bezirk am Franziskanerplatz (2015). Hauptmärkte sind die Schweiz, Deutschland, Österreich, die Niederlande und Belgien. Über 600 FachoptikerInnen vertreiben ROLF-Produkte in 46 Ländern weltweit. Weiters hat das Vertriebsbüro in New York drei Angestellte, dort hat man viel Geld investiert und hofft auf entsprechende Ergebnisse. In Asien arbeitet man mit einem Distributor. Nach vielen Messeerfahrungen beschränkt man sich heute auf vier internationale Messen im Jahr.

Der Vertrieb erfolgt exklusiv, nur mit selbständigen, kleinen FachoptikerInnen. Dort gehen KundInnen hin, die Wert auf Qualität und Exklusivität legen und etwas mehr Geld ausgeben. Hochwertige Beratung und Service sind sehr wichtig. Das wiederum öffnet leider auch der Konkurrenz die Türen.

Die Bedeutung von Tirol für die Firma

Tirol sei international eine starke Marke, passe gut zum Produkt und sei deshalb für ROLF Spectacles von großer Bedeutung, erläutert Christian Wolf. Die Natur und die Berge, die Einfachheit und die Erholung, mit diesen Bildern könne man im Marketing der Firma bestens arbeiten. Die Produktion erfolge ausschließlich in Tirol, um sie in der eigenen Hand zu behalten. Es gab am Anfang auch die Überlegung, die Manufaktur in Deutschland aufzubauen. Die regionalen Politiker dort waren sehr entgegenkommend. Doch letztlich entschied man sich für Tirol und ist darüber sehr froh.

Die Zukunft

Das Ziel von ROLF Spectacles ist es, die Firma nach einer Wachstumsphase mittelfristig auf solide Beine zu stellen. Da die Konkurrenz in den letzten Jahren im Bereich Holzbrillen stark gestiegen ist, entstand die Motivation im Team, sich langfristig als Designschmiede auch für andere Bereiche zu öffnen. Die Köpfe sind voller neuer Ideen, im Bereich Brillen, aber auch in Richtung Accessoires. Sobald das Geschäft gut läuft, könne man die Fühler ausstrecken, und von der guten Infrastruktur, dem förderlichen Umfeld und den produktiven Leuten profitieren. Eine Brille erfordert sehr viel Präzision. „Wenn man es schafft, eine Brille zu machen, dann tut man sich auch bei anderen Dingen leichter“, meint der jüngere der Wolf-Brüder.

Ratschläge an Startups im Bereich Handwerkskunst

Laut Christian Wolf sind folgende Fragen wichtig: Was hab ich, was will ich und wohin will ich? Diese Orientierung im Vorfeld sei wegweisend. Man müsse den Markt genau kennen, um zu wissen, wo man sich positionieren möchte. Bei der Finanzierung solle man sich unbedingt die entsprechenden Förderungen abholen, was aber mit viel Bürokratie verbunden sei. Wenn man im Team arbeite, sei es vorteilhaft, die Kompetenzen aufzuteilen und im Vorhinein abzustecken, wer wofür verantwortlich ist, evtl. auch eine vertragliche Absicherung, was Anteile und Finanzen angehe. Begeisterung und Emotion seien wichtig, ebenso wie ein gutes Netzwerk, sowie Veranstaltungen in der Gründerszene und Fachmessen zu besuchen. „Fleißig sein und Know-how haben.“ Den Mut, etwas auszuprobieren, „auch wenn man mal draufzahlt“.

Zur Person

Name: Christian Wolf
Geboren am 12.1.1984 in Ehenbichl (Reutte)
Wohnort: Innsbruck und Reutte
Ausbildung: Studium der Architektur
Beruf: Marketing-Manager bei ROLF Spectacles
Lebensmotto: Geht nicht gibt’s nicht.

(c) Fotos: Eder Robert – photography & cinematography