Am 23. Mai 2017 fand die vierte Ausgabe des Unternehmerischen Inspirationsabends im Inncubator am Wifi Campus Innsbruck statt. Das Event richtete sich insbesondere an Studierende der geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fächer. Review über einen spannenden Abend mit der inspirierenden Daniela Maizner.

Good News: Unternehmer werden kann jeder!

Die Organisatorin Kathrin Treutinger, selbst Gründerin und Kennerin der heimischen Startup-Szene, moderierte den Inspirationsabend und gab einen Einstieg in die Welt des Unternehmertums: „Viele glauben, man wird Unternehmer um reich zu werden“, so Treutinger. Dabei gebe es einfachere und weniger steinige Wege dafür. Aber die Freiheit, die man besitze, wenn man sein eigener Chef werde, das sei der größte Ansporn um den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen.

Dalingua.at: Daniela Maizner – wie alles begann

Die Speakerin des Abends begann ihre berufliche Laufbahn als Buchhalterin bei einem amerikanischen Unternehmen. Schon während ihres Studiums am MCI entdeckte sie ihr Talent für Sprache und Texte, als sie die Diplomarbeiten ihrer Mitstudierenden korrigierte. Bald kamen weitere Kommilitonen auf sie zu und boten ihr sogar Geld an. Maizner wollte nie Führungskraft innerhalb einer Firma sein und immer schon ihr eigenes Ding durchziehen. Auch deshalb zog es sie schließlich in die Selbstständigkeit. Sie kündigte ihren Job, ging wieder an die Uni und studierte Translationswissenschaften. Noch im Studium machte sie sich selbstständig. Seit Anfang 2016 kann sie davon leben und arbeitet in ihrer Homeoffice in Axams. Neben Dolmetschen und Übersetzen unterrichtet sie Deutsch als Fremdsprache und korrigiert und schreibt Texte auf Anfrage.

Kritik: Unnötige Demotivation im Studium

Maizner äußert sich kritisch gegenüber ihrer Ausbildung und den Lehrkräften: „Gleich im ersten Kurs wird den Studenten teilweise verklickert, sie würden besser schauen, reich zu heiraten“. Viele Dozenten würden erst gar nicht versuchen, ihre Studenten zu motivieren, oder den potentiellen Gang in die Selbstständigkeit zu thematisieren. Auch gewisse Fach-Dogmen sieht Mazner widerlegt, etwa dass man nur mit einer Sprache arbeiten dürfe, wenn man diese auch studiert habe. Sie hat sich selbst auf Spanisch und Russisch spezialisiert, arbeitet heute aber vor allem mit Englisch und Spanisch. Das mangelnde Selbstvertrauen von Geiwi-Studenten ist laut Maizner ein hausgemachtes Problem, da immer die Rede davon sei, man müsse sich vor der Gesellschaft für „Irgendetwas“ rechtfertigen.

Kundenakquise auf dem Polterabend

Netzwerken ist das A und O. Daniela Maizner hat ihre guten Kunden fast ausschließlich über Mundpropaganda bekommen. Manchmal ist es auch Zufall oder eine unerwartete Gelegenheit: „Die guten Sachen sind oft dort versteckt, wo man sie nicht vermutet.“ So hat Maizner einen ihrer besten Kunden – eine Werbeagentur mit regelmäßigen Aufträgen – auf dem Polterabend einer Freundin für sich gewinnen können. Der klassische und legitime Weg, um in der Übersetzungsbranche Kunden zu akquiriern, sind eigentlich Agenturen. Maizner sucht lieber den persönlichen Kontakt: „Ich möchte die Leute auch wirklich kennenlernen, für die ich arbeite“.

Grundsätzlich kann man zwei wichtige Arten von Kunden unterscheiden:

  1. Die „Lückenbüßer“: Aufträge, die nicht so viel einbringen, aber regelmäßig kommen. Grundsätzlich gilt: „Ein schlechter bezahlter Auftrag ist immer noch besser als gar kein Auftrag“. Allerdings sollte man sich seine Zeit optimal einteilen und nicht allzu viel Energie für wenig Output verschwenden. Langfristiges Ziel: Schlechtere Kunden durch bessere tauschen.
  1. Die „Cash Cows“: Das sind die wirklich dicken Fische, denn sie zahlen viel für vergleichsweise wenig Aufwand. Maizner nennt ein konkretes Beispiel: „Eine Agentur, für die ich arbeite, lässt jedes Wort von Freelancern durchlesen. Ich bekomme fast jeden Tag etwas, und verrechne meinen Stundensatz von 60 Euro. Das ist bereits eine eingespielte Sache, ein gut geöltes Rad. Und sehr gut bezahlt.“

Traut euch!

Wichtig bei der Kundenakquise: Immer und überall potentielle Kunden sehen und sich optimal verkaufen. Man sollte sich ein eigenes Label geben und selbstsicher auftreten. „Niemand wird dich konkret fragen, ob du denn tatsächlich studiert hast oder etwas wirklich drauf hast. Solange du deinen Job gut machst, werden alle zufrieden sein.“ Und wenn man in einer Sache nicht so sattelfest ist, kann man jederzeit jemanden um Hilfe fragen. Ratsam ist es auch, sich eine Nische zu suchen und sich zu spezialisieren.

Tipps für Geiwi-Gründer: „Sobald man Ziele schriftlich festhält, erreicht man sie statistisch gesehen eher“

Zu wissen, wieviel Zeit ich für einen Job brauche, ist für Geisteswissenschaftler unabdingbar. Die wesentliche Arbeit manifestiert sich durch geistige Tätigkeit und nicht durch Arbeit mit Material oder technische Dinge. Der größte Kostenfaktor ist also der Aufwand von Zeit. Wichtig ist es, ein Gefühl zu entwickeln, wieviel Zeit man für etwas benötigt. Man sollte deshalb immer die Dauer einer Arbeit, etwa beim Übersetzen eines Textes, dokumentieren. Daraus kann man dann die Wirtschaftlichkeit ableiten: „Wenn ich diese Werte kenne, kann ich viel sicherer agieren und viel besser beurteilen, ob ein Projekt zu mir passt“.

Außerdem sollte man einen guten Steuerberater aufsuchen. Er kann dir Tipps und Tricks verraten, wie man Investitionen von der Steuer absetzt: „Gute Steuerberatung rentiert sich, auch wenn es etwas kostet. Man spart dadurch so viel, dass es sich auf jeden Fall rechnet“.

Link

http://www.dalingua.at/

Kontakt und Nachfragen rund ums Gründen

-Daniela Maizner unter office@dalingua.at

-Kathrin Treutinger unter kathrin.treutinger@uibk.ac.at

Fotos: Startalps.co