Interview mit Daniel Neururer von XQZT Skis

Authentizität, das ist die große Stärke von Daniel Neururer. Zusammen mit seiner Freundin, der studierten Architektin Maria Wibmer, hat der Volkswirt ein Startup gegründet, das exquisite Ski in Handarbeit herstellt. Circa 15 Stunden dauert die Arbeit an einem einzigen Stück. Aber es lohnt sich. Wer nach einer hochwertigen, stylischen Ausrüstung sucht, um durch das weiße Gold zu wedeln, der wird bei XQZT fündig werden. Warum die beiden mit ihrer Produktion die Tiroler Esche schützen, mit Leib und Seele für ihre Sache brennen und absolut nichts zu verbergen haben, erfahrt ihr hier.

Was war eure Motivation, euer eigenes Ding in dieser Branche zu versuchen? Welche Ratschläge würdet ihr anderen angehenden Gründerinnen und Gründern mitgeben?

Genau, sein eigenes Ding zu machen ist sicher eines der Hauptmotive. Wir wollten einfach ein Produkt anbieten, das im Gegensatz zu industriell gefertigten Produkten steht. Anderen Gründern würde ich raten, sich nur mit etwas zu beschäftigen, für das sie sich auch selbst begeistern können. Die Motivation, einfach nur Geld zu verdienen, wäre mir zu wenig. Außerdem sollten Gründer wirklich genau überlegen, mit wem sie gründen bzw. mit wem sie ein Team bilden wollen.

Auf eurer Website erfährt man, dass ihr sehr unterschiedliche Ausbildungen genossen habt. Offenbar scheint ihr euch aber sehr gut zu ergänzen? Wie kam es zur Gründung dieses Startups?

Genau, wir sind in Bezug auf die Ausbildungen und in Bezug auf die Persönlichkeiten sehr verschieden. Wir wussten allerdings schon, dass wir uns sehr gut ergänzen, da wir privat schon lange ein Paar sind. Zur Gründung kam es, weil wir eben schon länger was Eigenes machen wollten und wir sind schlussendlich eher zufällig bei den Ski gelandet. Wir haben einfach gesehen, dass es in Amerika viele gute kleine Skimarken gibt und da haben wir uns gefragt, was man eigentlich braucht, um top Ski zu bauen.

Welche Rechtsform habt ihr bei der Gründung eigentlich gewählt und warum?

Wir haben die einer GesbR gewählt – also jeder hat ein Gewerbe angemeldet und dann haben wir uns zu einer GesbR zusammengeschlossen. Dies war administrativ und kostentechnisch am besten.

Die Ski-Branche hat in Österreich viel Tradition. Die großen Konzerne haben ein gewisses Selbstverständnis. Wie kann man sich da am Markt behaupten und positionieren?

Definitiv Klasse statt Masse. Wir zielen dabei auf Kunden ab, die in Sachen Design und Performance einfach was anderes wollen als die großen Firmen bieten können. Abgesehen davon, gibt es nicht mehr wirklich viele Firmen, die Ski in Österreich bauen und uns ist es wichtig, dass wieder Ski in Österreich gebaut werden. Aber wie gesagt, wir positionieren uns sicher als Firma für Ski-Liebhaber.

Hilft da der Stil eines jungen, innovativen und „hippen“ Startups, der „neue Gründergeist“, und der Trend zu Produkten aus der Region, der derzeit zu spüren ist?

Ich würde sagen ein bisschen schon, ja! Die von dir aufgezählten Trends helfen definitiv – im Gegensatz dazu steht halt die generelle Skepsis der „Österreicher“ gegenüber dem Neuen. Damit meine ich, dass man gerade am Anfang sehr viel arbeiten muss, um zu beweisen, dass man auch als Mini-Firma mit den großen konkurrieren kann (vor allem in Bezug auf die Qualität).

Wie verhält sich der Markt für „maßgeschneiderte“ Ski in Tirol bzw. in Österreich derzeit? Gibt es da schon mehrere „player“ oder ist er noch ein „blue ocean“?

In Tirol gibt es noch eine Firma, die ein vergleichbares Produkt anbietet – wobei diese sich mehr auf Workshops spezialisieren. Österreichweit gibt es drei, vier ähnliche Konzepte.

Wie seid ihr auf euren Namen gekommen? Er ist auf den ersten Blick durchaus ungewöhnlich…

Ja, XQZT steht für exquisit! Wir wollten etwas Einfaches. Nur vier Großbuchstaben in diesem Fall, da wir so das Logo somit mit den unterschiedlichsten Werkstoffen auf unseren Ski einarbeiten können.

Woher bezieht ihr eure Materialen? Woher kommt das Know-how für die Herstellung?

Materialien beziehen wir so viel es geht lokal. „Leider“ haben verschiedenste Tests gezeigt, dass Bambus unser präferiertes „Holz“ ist, und dieses wächst halt nicht bei uns. Auf der anderen Seite ist das auch positiv, da die Esche aufgrund eines Pilzes sehr bedroht ist. Insofern helfen wir zumindest dabei, unsere Esche zu schützen, indem wir keine Ski daraus machen! Zum Know-how: Wir lieben Bergsport und sind dementsprechend in der Szene verwurzelt. Deshalb haben wir in unserem Freundeskreis wirkliche Top-Skifahrer, die uns in Bezug auf die Abstimmung der Ski sehr helfen.

Wieviel Kreativität braucht man, um neue Designs zu erdenken oder überhaupt zu kreieren? Wer macht das bei euch?

Kreativität schadet nie. Man muss zum einen kreativ per se sein, und zum anderen muss man auch die Skills haben, um seine Ideen dann umsetzen zu können (mit Autocat umgehen können, mit einem Laser umgehen können, etc.). Da ist Maria auf jeden Fall die Spezialistin! Wir arbeiten aber auch gerne mit Künstlern zusammen und lassen diese unsere Ski designen. Da beschränkt sich unser Part dann auf die technische Umsetzung.

Was sind so eure Marketingstrategien, und wie versucht ihr euch einen Kundenstamm aufzubauen?

Um ehrlich zu sein, haben wir bis jetzt nicht wirklich eine Marketingstrategie. Unsere Homepage ist derzeit noch nicht ganz „verkaufsfreundlich“ – dies wollen wir im nächsten Jahr definitiv ändern. Unseren Kundenstamm wollen wir dadurch erweitern, dass wir hart arbeiten und somit eine dementsprechende Reputation aufbauen. Wie gesagt, in Sachen Marketing wäre definitiv noch Luft nach oben. Aber ehrlich gesagt, geht man dann halt auch mal lieber selbst Skifahren (lacht)…

Aber habt ihr einen Schwerpunkt, etwa über social media – was ja recht günstig und einfach zu machen ist – oder Mundpropaganda…

Vielleicht ist Authentizität unsere Strategie? Ja, eigentlich wollen wir über Facebook schon aktiver sein. Aber wenn ich das Datum des letzten Eintrages sehe, muss ich wieder sagen, dass wir das noch verbessern könnten – kommt vielleicht noch. Wir statten auch opinion leader mit unseren Ski aus – somit setzen wir also auch auf Mundpropaganda.

Die für uns optimale Marketingstrategie haben wir noch nicht gefunden. Es gibt immer wieder Neukunden die sagen: Eure Ski sind einfach genial, aber leider wissen die meisten Leute gar nicht, dass es euch gibt!

Das würde ich aber als Luxusproblem sehen, das sich sicher lösen lässt. Abschließend noch zwei Fragen, von denen du eine schon halb beantwortet hast. Wer kauft eure Produkte und warum?

Wie gesagt, es sind Skifahrer die eine gewisse Leidenschaft für den Sport haben, einen schönen Skitag regelrecht „zelebrieren“. Und die Handarbeit schätzen und somit auch verstehen, wie der Preis unserer Produkte zu Stande kommt. Wenn in einen Ski ca. 15 Arbeitsstunden investiert werden, dann kann er halt nicht für 299,- Euro im Laden stehen!

Ich gehöre übrigens auch zu den begeisterten Fahrern… meine letzte Frage: Wo seht ihr euch in 5-10 Jahren?

Schön zu hören! In 5-10 Jahren, möchten wir mit derselben Freude Ski bauen. Ob wir dann mehr Ski verkaufen, ist uns ehrlich gesagt gar nicht so wichtig!