Networking und Inspiration: Am 20.10.2017 fand die Start-Up Class #13 im Inncubator am WIFI Campus Innsbruck statt.  Das Team von Startalps.co war natürlich vor Ort.

Das Konzept der Start-Up Class ist einfach: Zwei Speaker erzählen je 20 Minuten von ihren Gründungsgeschichten, danach gibt es Raum für Fragen aus dem Plenum. Anschließend gehen alle noch gemeinsam auf ein Bier. Das ist Networking in entspannter Atmosphäre.

„Gemeinsam zum Erfolg“

Stefan Engl eröffnete als Vertreter der Jungen Wirtschaft (JW) den Abend. Er informierte über die Arbeit der JW und rief alle dazu auf, die aktuelle Kampagne „Mission Breitband“ zu unterstützen. Partner der Veranstaltung ist seit jeher auch Icons, Österreichs größte studentische Unternehmensberatung. Deren Motto: „Gemeinsam zum Erfolg“. Nicht zuletzt richtete sich der Gastgeber Robert Schimpf, Leiter des InnCubators an die zahlreichen Gäste. Er informierte die Anwesenden über die Arbeit des InnCubator-Teams und berichtete stolz von der Eröffnung der neuen Räumlichkeiten.

Speaker 1 – Fabian Rauch: „I don’t know shit“

Fabian Rauch hat schon sechs Unternehmen gegründet, darunter eine eigene Webdevelopmentagentur, eine Taxi App, ein E-Commerce Unternehmen (onloom) und eine Community Plattform (squabble). Er selbst sieht sich gar nicht als besonders kreative Person im eigentlichen Sinne. Aber er ist kreativ darin, Startups zu gründen. Rauch ist jetzt 32 Jahre alt – immer noch ein junger Unternehmer – hat aber schon einiges erlebt. Aktuell beschäftigt er sich intensiv mit Growth Marketing.

How about growth

Allen Kunden, die er consulted, offenbart Rauch einen ersten Leitsatz: „You don’t know shit“. Er meint damit, dass man am Anfang des Unternehmensprozesses praktisch nichts über seine Kunden weiß. Man muss seine Produkte erst testen, Daten generieren und diese dann analysieren. Das kann einige Monate dauern. Aber es ist unabdingbar. Der Vorteil: Nach den Testserien hat man bereits die Kontaktdaten von potentiellen Kundengruppen.

Das brauchen Gründer

Rauch zählt noch die weiteren Parameter für eine erfolgreiche Gründung auf. Neben einem guten Daten-Tracking brauchst du Folgendes: Ziele, die klar definiert sind – es muss also auch bekannt sein, was zu tun ist, um die Ziele zu erreichen. Du brauchst eine Strategie, die klar durchdacht ist. Und nicht zuletzt brauchst du die richtigen Leute, „sonst geht es nicht“, sagt Rauch.

Speaker 2 – Julian Hosp: „Geben, geben, geben – und dann irgendwann nehmen“

Der zweite Speaker des Abends ist eine facettenreiche Person. Julian Hosp kommt aus Mils in Tirol, ist aber heute in der Welt zu Hause. Er war jahrelang Profi-Kitesurfer, studierte dann parallel dazu Medizin in Innsbruck und arbeitete als Chirurg. Dann wurde er Unternehmer – mit Leib und Seele. Hosp ist heute groß im Blockchain Geschäft. Seine Firma TenX hat unlängst ein Investment von 80 Millionen US-Dollar bekommen.

Großer Hai im kleinen Becken

Hosp geizte an diesem Abend nicht mit guten Ratschlägen. Sein erster betraf die Wahl der Branche. Es sei viel leichter, ein „großer Hai im kleinen Becken“ zu sein, als ein „kleiner Fisch im Ozean“, sagt Hosp. Was er damit meint? Ganz einfach: Jeder sollte versuchen, eine Nische zu entdecken und dann in dieser Nische sehr schnell sehr gut werden. Dann könne man als großer Hai den „Teich“ dominieren. Hosp erlebte diese Herangehensweise beim Kitesurfen. Als er damit begann, gab es weltweit wenige, die darin wirklich gut waren. Julian Hosp war schnell sehr gut, und zählte – mangels Konkurrenz – bald zu den zehn besten Kitesurfern der Welt.

Outside of the Box?

Bevor Julian Hosp Unternehmer wurde, studierte er volle sechs Jahre Medizin und promovierte auch. Viele haben ihn gefragt, ob das denn nicht verschwendete Zeit gewesen sei, da er heute nicht mehr als Arzt arbeite. Er hätte doch gleich Unternehmer werden können. Hosp sieht das gänzlich anders. Nur durch diese ganzen Erfahrungen, auch sein Studium, könne er jetzt tatsächlich „outside of the box“ denken. Weil er seine „Box“ kennt. Er hält nichts davon, alles stehen und liegen zu lassen, um plötzlich Unternehmer zu werden. Egal was man studiere, man solle es beenden und wenn möglich parallel damit beginnen, sein Business zu starten. Niemals aber solle man ein Studium abbrechen, wenn es nicht zwingend notwendig sei.

Das ideale Gründerteam

Wie finde ich meine Co-Founder – diese Frage stellen sich wohl alle Gründungsinteressierten. Julian Hosp hat dafür einen ganz besonderen Rat parat. Das Gründerteam sollte so unterschiedlich wie nur möglich sein. „Geh‘ raus und such dir zwei Leute, mit denen du immer streitest“, rät Hosp. Der Clue dahinter: Solange man über die Grundelemente einer Gründung übereinstimmt, ist alles in Ordnung. Ansonsten sollte man aber ständig verschiedene Blickwinkel haben. Das geht nur, wenn nicht alles abgenickt wird. Der konstruktive Streit zwischen vollkommen unterschiedlichen Persönlichkeiten im Team ist deshalb Pflicht.

Mehr Mut zur Meinungsadaption!

Das Wichtigste Attribut des Unternehmers ist laut Julian Hosp aber die Flexibilität. Wenn sich die Faktenlage ändert oder neue Informationen zur Verfügung stehen, dann müsse man sofort reagieren. Vielen falle das schwer. „Die Menschen wollen nicht nachgesagt bekommen, dass sie ihre Meinung schneller wechseln als die Unterwäsche“, erläutert Hosp. Er plädiert dafür, immer offen zu bleiben und wenn nötig, seinen Weg und seine Meinung zu adaptieren – und zwar ohne Hemmungen.

Foto: Startalps.co