Zugegeben, wenn die SOWI in den universitären Räumlichkeiten (und das auch noch zu doch schon relativ fortgeschrittener Stunde) zur Startup Class lädt, besteht zumindestens soweit der Verdacht auf Lehrveranstaltungsatmosphäre, dass man sich ziemlich sicher bei dem Gedanken erwischt, den Abend vielleicht doch lieber in Gesellschaft eines kühlen Biers zu verbringen. Wer gestern vor dieser Entscheidung stand und dem inneren Drängen nach Zweiterem nachgegeben hat, dem dürfen wir jetzt hochofiziell mitteilen, dass er die falsche Wahl getroffen hat.
Tatsache ist nämlich, dass die Startup Class alles andere ist, als ein strapazierender Monolog voll trockener Theorie. Das Konzept ist gleichermaßen simpel wie effektiv: Man nehme zwei junge, innovative Unternehmer und bitte sie, einem hochmotivierten Publikum frei und ungezwungen von ihren Erfahrungen zu berichten – wie sie zu ihrer Idee gekommen sind, welche Hindernisse es zu überwinden gab, was ihnen Motivation gegeben hat durchzuhalten und wie sie schlussendlich dort hin gekommen sind, wo sie heute stehen.
Gestern hatten Andreas Idl von Cropster und Mark Stüttler von den Tiroler Glückspilzen das Vergnügen. Ganz besonders spannend dabei war, dass die beiden etwas gemeinsam haben, wenn auch auf völlig verschiedene Art und Weise – sie beide waren nämlich mit ihren Ideen auf der Suche nach ganz besonderen Herausforderungen: Andreas Idl, ehemals ein unterforderter Programmierer, der beschlossen hat, spontan nach Kolumbien zu ziehen, und sein Team haben sich mit Cropster aufgemacht, eine der etabliertesten Branchen, nämlich die Kaffeeindustrie, zu revolutionieren und schaffen mit ihrem Softwareservice nie dagewesene Möglichkeiten im Qualitätsmanagement und der Prozessteuerung über die gesamte Wertschöpfungskette des Business rund um die schwarze Bohne. Mark Stüttler dagegen hat beschlossen, ein völlig neues Kapitel in der Landwirtschaft aufzuschlagen und dem „Individuum mit der zweitgrößten Artenvielfalt unserer Erde“ (so nennt er den Pilz) zu dem Stellenwert zu verhelfen, den es verdient. Mit der Züchtung von biologischen Speisepilzen, Forschungen im medizinischen Bereich und der Entwicklung von Verfahren zur Regeneration verseuchter Böden, befindet er sich damit auf einem vielversprechenden Weg, der mit einer experimentellen Magic Mushroom Farm im Wiener WG Zimmer begonnen hat. Alles in allem ein äusserst inspirierender Abend. Mehr wollen wir auch gar nicht mehr verraten und oh – damit alle, die gestern daheim geblieben sind, es auch wirklich bereuen: es gab Buffet. Nächstes mal Pflichttermin, wir freuen uns schon.