Bei Startups haben wir unweigerlich folgende Assoziationen: Techis die mit dem Laptop auf dem WG-Sofa sitzen und mit einer Tasse Matcha-Latte an irgendetwas Großem tüfteln. Helle Köpfe Mitte zwanzig wollen in Jeans und Star-Wars T-Shirt unsere Zukunft gestalten, statt in Anzug und Krawatte von 8 bis 5 den Bürostuhl zu wärmen. Der tägliche (Müßig)Gang ins Büro gilt allgemein als Alptraum, deshalb wird in hippen Cafés, angesagten Co-Working Spaces oder von zu Hause aus gearbeitet. Die Hierarchien sind flach, die Produktentwicklung fokussiert und dennoch agil. Doch wie viel ist an diesen Klischees wirklich dran?

In Kalifornien machen es die glorifizierten Big Player der Startup-Szene vor. Sie haben sich Disruption auf ihre Fahnen geschrieben, sie mischen mit ihrer Vorstellung einer besseren Welt die gesamte Arbeitswelt auf. Im Silicon Valley wird das Unvorstellbare entwickelt und das Unmögliche verwirklicht. Die Angst vor dem Schritt ins Ungewisse gibt es nicht. Ein Startup zu gründen bedeutet in erste Linie, sich auf die Reise zu begeben, auf den „Highway to the danger zone“. Destination unbekannt. Im Gepäck kaum mehr als eine zündende Idee.

Startup Unternehmer sind jung, unkonventionell und innovativ. Ihr Ziel? Die Welt verbessern. Eine edle Vision, frische Snacks in Meetingräumen und Brainstorming beim Tischfußball reichen aber nicht aus, um ein neu gegründetes Unternehmen als Startup zu betiteln. Innovation, Alter und Wachstum sind laut dem Deutschen Startup Monitor der Schlüssel, um sich von einem herkömmlichen Unternehmen zu unterscheiden.

Doch was steckt hinter diesen Begriffen?

Innovation

Der englische Begriff Startup bedeutet im Deutschen soviel wie „Neugründung“. Dennoch kann nicht jedes neu gegründete Unternehmen automatisch als Startup bezeichnet werden. Wer würde schon auf die Idee kommen, den neuen Gemüseladen um die Ecke als Startup zu bezeichnen. Genau, niemand. Fährt der Händler aber mit seinem Food-Truck durch die Innenstadt, verkauft nicht nur sein selbstangebautes Bio-Gemüse, sondern zaubert wöchentlich neue Lunchvariationen (am besten vegan oder paleo) daraus, die gestresste Helden des Alltags selbst abholen oder auf Vorbestellung direkt ins Büro geliefert bekommen, dann kommen wir dem Grundgedanken eines Startups schon näher. Warum? Er ist innovativ. Der Gemüsehändler ist zwar nicht in den für Startups typischen Branchen wie IT, Telekommunikation oder Social Media tätig, dennoch ist sein Ansatz neu. Seine Herangehensweise an die Unternehmensgründung ist revolutionär, nicht evolutionär.

Demzufolge weiß der Gemüsehändler nicht, wohin ihn seine Reise mit dem Food-Truck führen wird. Die Fahrt ins Unbekannte bringt trotz der innovativen Idee und der löblichen Absicht Veränderung zu bewirken ein großes Risiko mit sich. Die Welt verändern, das klingt einerseits naiv, und lässt andererseits einen gewissen Hang zum Größenwahn vermuten. Doch sind es nicht genau diese Blauäugigkeit und dieses Selbstvertrauen, die nötig sind, um Risiko in Fortschritt umzuwandeln?

Womit wir schon beim nächsten Alleinstellungsmerkmal eines Startups wären: die jungen Wilden, wer sonst?!

Young, wild and free

Startup-Gründer sind die Rockstars unter den Unternehmern. Sie wagen den Sprung ins kalte Startup-Becken. Zögern oder gar Selbstzweifel? Fehlanzeige. Und das ist auch gut so. Wer sonst würde sich auf ein derart waghalsiges Abenteuer begeben, wenn nicht jemand, der noch zu jung ist, um sich um die Zukunft und das eigentliche Ziel Gedanken zu machen. Jugendlichkeit hat den Vorteil, dass sie auch eine gewisse Sorglosigkeit und eine große Portion Idealismus mit sich bringt, die mit höheren Alter rapide abnimmt. Schließlich kommen auch die wildesten Gemüter irgendwann zur Ruhe.

Deshalb spielt das Alter bei Startup-Unternehmen eine Schlüsselrolle. Das Alter bezieht sich hierbei nicht allein auf die Gründer oder Mitarbeiter, sondern auch auf das Unternehmen selbst. Der Begriff Startup bezeichnet vor allem Unternehmen in ihrer Anfangsphase. Nach fünf Jahren im Business spricht kaum mehr jemand von einem Startup. Ist erst mal klar, wohin die Reise gehen soll, ist die danger zone überwunden: jetzt gibt es seinen genauen Fahrplan mit Haltestellen und Zielen. Doch um in die safe zone zu gelangen, braucht es vor allem eins: das dritte Schlüsselkriterium für ein Startup: Wachstum.

Wachstum

Schnell zeigt sich, ob die zündende Idee ein Blindgänger war oder eine Bombe, die mit voller Wucht auf dem Markt einschlägt. Idealerweise tritt Fall zwei ein. Durch die Explosion entsteht eine enorme Wachstumswelle: innerhalb kürzester Zeit fährt nicht nur ein Lunchmobil durch die Stadt, sondern zwei oder gar drei. Die Kunden sind zufrieden, das gesunde Mittagessen ist in aller Munde. Warum? Wir wollen überrascht werden (vor allem diejenigen von uns, die von acht bis fünf im Büro sitzen), der junge Gemüsehändler hat das geschafft. Mit biologischen Produkten, veganer oder Paleo-Ernährung könnte er den Geist der Zeit nicht besser treffen. Der Gemüsehändler selbst steht mittlerweile in seiner eigenen Show-Küche und experimentiert mit jungen Talenten an neuen Rezeptideen und zieht alte Gemüsesetzlinge, die er online an ernährungsbewusste Hobbygärtner verkauft.

Der Sprung ins kalte Wasser hat sich gelohnt. Der Gemüsehändler weiß nun wo seine Reise hingehen soll und arbeitet mit seinem Team an den nächsten Haltestellen. Und wenn er keine Lust dazu hat, setzt er sich mit dem Laptop und einer Tasse Matcha-Latte aufs Sofa und macht sich auf die Suche nach Inspiration, oder vielleicht nach einer neuen revolutionären Idee?