Das Handwerk ist so alt wie die Menschheit. Ein Startup beschreibt eine (Neu-) Gründung. Wie passen nun Handwerk und Startup zusammen? Der Steinbildhauer Tobias Nussbaumer aus dem Sarntal in Südtirol macht es mit seinem Startup Unternehmen „Steinobjekte“ vor. Er lässt Tradition mit Innovation kollidieren und trifft damit den Geist der Zeit.

Innovation und Startup, das sind Begriffe, die oft in einem Atemzug fallen. Genauso wie Handwerk und Tradition. Dass ein Startup traditionell sein kann und ein Handwerk innovativ, das klingt in vielen Ohren wie ein Oxymoron. Nichts als Vorurteile und Einschränkungen sind das. In der Tradition liegt häufig ein Schatz verborgen, weiß Tobias Nussbaumer. Immer mehr Menschen legen Wert auf Nachhaltigkeit und Regionalität, auf qualitativ hochwertige Produkte aus Naturmaterialien und Einzigartigkeit. Die Handwerkskunst erlebt ein Revival und fasst auch Fuß in der Startup Szene.

„Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden.“

Tobias macht Lampen. Das ist nichts Innovatives. Aus Südtiroler Natursteinen bohrt er sie. Nun wird es schon innovativer. „Das Neuartige ist die elegante technische Lösung der Konstruktion“, verrät Tobias. Die Steine findet er in den Sarntaler Alpen oder er kauft Laaser oder Göflaner Marmor. Die Mineralien der Steine sind teils lichtdurchlässig, wodurch eine besondere Atmosphäre in den Räumen entsteht. So einzigartig wie die Steine sind, werden dann auch die Lampen.

„Standard ist nicht meins“

Er, Baujahr 1989, Sarner und Meister der Steinbildhauerei, hat den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Der Traum vom Angestellten zum Unternehmer ist Realität geworden. Das Spezielle, Kreative, Einzigartige hat es ihm angetan. Als Freischaffender muss er sich keiner eintönigen Arbeit hingeben. Das Kreative und Handwerkliche hat er als Angestellter vermisst und nun als Selbstständiger kann er genau das ausleben. Wenn nicht jetzt, wann dann. Mit 40 wolle er nämlich nicht zurückschauen und sagen: Hätte ich doch nur!

„Frei und unabhängig sein, eine neue Herausforderung annehmen und meine Ideen verwirklichen, das reizt mich an der Selbstständigkeit“

Tobias Nussbaumer hat ein sicheres und selbstbewusstes Auftreten. Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Durchhaltevermögen, das brauche ein Startupler, meint er. Denn als blutiger Anfänger in der Branche der Selbstständigen ist es nicht ganz so einfach. Auch jetzt nach 1,5 Jahren Selbstständigkeit sieht er sich noch am Anfang.

Einen tüchtigen Aufwind hat er durch die Crowdfunding Kampagne Open Innovation Südtirol bekommen. Mit dem Stichtag, den 7. Oktober 2016 sind innerhalb von zwei Monaten 153 Prozent finanziert worden, mehr als 50 Hängelampen sind bestellt und Tobias ist mit seinen Wunderlampen bekannt geworden.

„Das Besondere an meinen Hängelampen ist die elegant technische Lösung“, sagt der Steinbildhauer. Die Lampen werden zylinderförmig gebohrt, sodass eine 5 mm dünne Steinschicht übrig bleibt. „Durch die Lichtquelle im Inneren der Lampe und die transluzenten Mineralien entsteht ein wunderschönes Lichtspiel der Natur, die Maserungen und Venen der Steine kommen in ihrer ganzen Schönheit und ihren Farben zur Geltung“, beschreibt Tobias seine Lampen. Er sei sicher nicht der Erste, der Steinlampen mache, muss er zugeben, aber er sei der Erste, der sie in einem derart leichten und eleganten Design gestalte.

Und er macht ja nicht nur Lampen, verratet er. Hauptsache kreativ und speziell muss es sein, dann ist er für vieles offen.

Tobias Nussbaumer zeigt, dass Tradition auf keinem Fall rückgewandt, konservativ und langweilig sein muss. Doch überzeugt euch selbst.