„Probieren so innovativ wie möglich zu sein“.

Julian Berghofer, 19, ist angehender Jungunternehmer und Student der Vienna University of Economics and Business. Er repräsentiert bereits die vierte Generation im Tiroler Traditionsunternehmen ADLER-Lacke aus Schwaz. Mit uns spricht er über seine Erwartungen und Ziele, junges Unternehmertum und den Wirtschaftsstandort Tirol.

Julian, du hast deine Matura in St. Gilgen absolviert. Inwiefern wird einem dort bereits ein gewisses Maß an „Internationalismus“, das in der heutigen Wirtschaft für eine Firma eigentlich unabdingbar ist, beigebracht? Erzähl uns kurz von deiner bisherigen Ausbildung.

Ich war vier Jahre in der St. Gilgen International School und in diesen vier Jahren habe ich nicht nur sehr gut Englisch gelernt, sondern auch ein großartiges internationales Netzwerk von Kontakten aufgebaut. Ich glaube, dass solche internationalen Kontakte in Zukunft sehr wichtig sein werden, sowohl persönlich, als auch für das zukünftige Arbeitsleben.

Networking ist für einen Unternehmer etwas Wichtiges. Apropos, fühlst du dich eigentlich selbst schon als „Unternehmer“?

Ein „Unternehmer“ ist für mich jemand, der ein Unternehmen besitzt oder leitet. Ich selbst werde wahrscheinlich erst in ein paar Jahren ein Unternehmen leiten und besitzen. Deshalb sehe ich mich selbst noch nicht als „Unternehmer“. Trotzdem traue ich mich schon jetzt zu sagen, dass ich auf eine sehr unternehmerische Art und Weise denke.

Kannst du erläutern, was du mit der „unternehmerischen Denkweise“ meinst? Braucht ein Unternehmer zum Beispiel auch Visionen?

Damit meine ich, dass ich meine eigenen Ziele vor Augen habe und auf diese Ziele hinarbeite. Ich glaube, dass jeder Unternehmer seine eigenen Ziele oder Visionen anstrebt und die erfolgreichsten Unternehmer sind jene, die ihre Visionen durch harte Arbeit verwirklichen. Deshalb auch das Zitat auf der ADLER-Website des US-amerikanischen Wirtschaftsmanagers Charles E. Wilson: „Wer keine Vision hat, vermag weder große Hoffnungen zu erfüllen, noch große Vorhaben zu verwirklichen“.

Wir wollen ja auch den Habitus des angehenden Unternehmers als jungem Menschen verstehen: Was machst du eigentlich in deiner Freizeit? Wie schaltest du am besten ab?

Meine Freizeit verbringe ich am liebsten mit der Familie und Freunden. Auch Sport spielt für mich eine sehr große Rolle, da ich mit Sport am besten abschalten kann. Reisen zählt auch zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. Ich persönlich finde, dass Reisen sehr gewinnend ist, denn man lernt nicht nur neue Kontakte kennen, sondern man begreift auch diverse kulturelle Unterschiede zwischen verschieden Ländern, welche in der Zukunft sehr wichtig sein können.

Deine Mutter Andrea Berghofer ist ADLER-Geschäftsführerin. Sie leitet das Unternehmen bereits in dritter Generation, du bist ein Vertreter der Vierten. Dein Urgroßvater hat das Unternehmen in den 1930er-Jahren als kleines Farbengeschäft in der Schwazer Innenstadt gegründet. Dein Opa Günther Berghofer, bis 2001 Geschäftsführer, hat ADLER-Lacke zur internationalen Marke aufgebaut. Familiär umgibt dich also einiges an Unternehmer-Tradition. Inwiefern fühlt man sich da verpflichtet, diese Tradition weiterzuführen und die Firma zu übernehmen?

Das stimmt, ich bin mit der Firma aufgewachsen und war immer sehr interessiert was dort vor sich geht…

Anders gefragt: Hast du jemals einen Druck verspürt, dass dein beruflicher Werdegang bereits vorgezeichnet ist, und du ihm quasi nicht „entkommen“ kannst?

Obwohl ich in einem traditionellen Familienunternehmen aufgewachsen bin, verspürte ich nie irgendeinen Druck seitens meiner Mutter oder meines Großvaters. Meine Mutter hat mir alle Türen offen gelassen und mir alle Möglichkeiten gegeben.

Auch Unternehmer haben heute Schwierigkeiten, ihre Kinder zur Nachfolge zu bewegen. Dieses Szenario kennt man aber vor allem von Bauern und Gastwirten, deren Nachkommen sich das „nicht mehr antun“ wollen, oder „ihr eigenes Ding“ machen…

Ich selbst war und bin sehr fasziniert und bin stolz auf das Unternehmen, das meine Familie aufgebaut hat und habe deshalb aus Eigenwillen beschlossen in mehreren Jahren ein Teil der Adler-Familie zu werden.

Geht es um Familienunternehmen in Tirol, fällt zuerst der Name Swarovski. Aber auch die Berghofers zählen zu den innovativsten Familien im Land. Was macht sie so erfolgreich?

Ich finde, dass ein erfolgreiches Unternehmen vor allem aus 2 Komponenten besteht: Zufriedene Kunden und zufriedene Mitarbeiter. Ein erfolgreiches Unternehmen darf auch keine Scheu zeigen neue Entscheidungen zu treffen.

„Familie“ steht für Ruhe, Vertrauen und Sicherheit. Daraus ergibt sich auch Qualität. Wäre das ein gutes Motto, um Kunden anzusprechen?

Ja da stimme ich voll und ganz zu. Ich finde das wäre ein sehr gutes Motto, denn das macht die Firma ADLER aus: Qualität, Sicherheit und Vertrauen.

Obwohl es in Österreich große Unternehmer-Traditionen und Erfindungsgeist gibt, hat das Land nicht unbedingt den Ruf eines Top-Standortes. Das trifft auch auf Tirol zu, wo der Tourismus alles zu überstrahlen scheint. Du warst in deiner Ausbildung nicht in Tirol. Wie ist dein Eindruck? Braucht es mehr Innovation, weniger bürokratische Hürden, oder einfach mehr Bereitschaft zum Risiko?

Meiner Meinung nach hat Tirol großes Potenzial zu einem Top-Standort. Tirol ist im Zentrum Europas und kann deshalb sehr gut als Wirtschaftsstützpunkt genutzt werden um Produkte zu exportieren. Wie du schon in deiner Frage erwähnt hast, gibt es leider zu viele bürokratische Hürden, die das Leben eines jungen Unternehmers mit einer „Startup“-Firma schwer machen. Ich glaube auch, dass viele Kleinunternehmen mehr Risikobereitschaft und Innovation zeigen müssen, um in der Zukunft eine größere Rolle im internationalen Markt zu spielen.

Startups als junge Unternehmen sind derzeit en vogue. Man hat das Gefühl, es gibt eine neue Lust am Gründen. ADLER ist ein etabliertes Unternehmen, dennoch erscheint es nicht „old-school“. Wie schafft man den Spagat zwischen dem Altbewährten und modernen Trends? Kann ADLER als nicht mehr ganz so junges Unternehmen auf der aktuellen Gründer-Welle mitsurfen und davon profitieren?

Die Firma ADLER schafft diesen Spagat, indem sie probiert so innovativ wie möglich zu sein. Ich bin fest davon überzeugt, dass neue Innovationen und firmeninterne Spin-offs einem Unternehmen helfen auf dem neuesten Stand zu bleiben. Spin-off ist eine Verselbständigung einer Abteilung oder eines Unternehmensteils. ADLER startet im September die ADLER Color-Line GmbH für das Online Geschäft. Solche Ideen und Innovationen ermöglichen der Firma ADLER auf der Gründer-Welle mitzusurfen.