Wenn sich die Eliten der Wirtschaft treffen…
als Jungunternehmer auf dem Tiroler Wirtschaftsforum

Jedes Jahr im Herbst ist es wieder soweit: die „Elite der Tiroler Wirtschaft“ versammelt sich zur kollektiven Weiterbildung. Klingt vielleicht komisch, ist aber so. Ich bin nun schon seit einigen Jahren in verschiedensten Rollen beim Tiroler Wirtschaftsforum mit dabei und konnte im Zuge dessen, schon eine Reihe an mehr oder weniger bekannten Rednern erleben. Diese Speaker sind meist selbst Unternehmer, erzählen von ihrem Aufstieg und motivieren die Zuhörer mit ihrer Lebensgeschichte.

Warum geht jemand, der eigentlich beim Kunden bzw. im Laden sein sollte, auf so ein Event, bezahlt auch noch gutes Geld dafür? Was sollte derjenige von anderen Enterpreneuren lernen können, wenn heute schon alles in Büchern oder via YouTube und Co. zu finden ist?

Networking – Weg zum unternehmerischen Erfolg

Klar, der Networking-Aspekt ist wohl ein essenzieller beim Tiroler Wirtschaftsforum. Jeder bekommt sein Schild auf die Brust gepinnt und darüber hinaus eine Gesamtliste aller Teilnehmer mitsamt  der Firmennamen.

Was alle der Entrepreneure auf der Bühne eint:
Sie hatten die Chuzpe, den Mut, die Courage… sich in dieses Abenteuer genannt Entrepreneurship (respektive Unternehmertum) zu wagen. Ich denke dabei gern an den Johannes Gutmann, der es mit seinem Sonnentor als Andersdenker mittlerweile zu einem stark wachsenden Franchise-Unternehmen geschafft hat, indem er meist lokale und hochwertige Bio-Gewürze und Tees mit glaubwürdigem Marketing und unter fairen Bedingungen (für alle Parteien in der Lieferkette) anbietet. Und dabei auch menschlich überzeugt.

Genauso wie ein Josef Zotter. Der Chocolatier. Ein solch Andersdenker, der, sobald sich eine Schokoladensorte „zu“ gut verkauft, diese vom Markt nimmt und durch eine neue, innovative Geschmacksrichtung ersetzt.
Jeder BWLer würde dabei die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. ABER: Er ist erfolgreich damit.

Oder ein Highlight in 2015 war für mich der Ali Mahlodji. Er verkörpert den Startup Geist für mich besser als die meisten anderen. Und: genau wie die anderen erfolgreichen Protagonisten ist es sein Herzblut, seine Liebe, seine bis zum  tiefsten Grund seines Herzens gehende Aufgabe, die er für sich gefunden hat und  der er 24/7 leidenschaftlich nachgeht. Seine Präsentation hat mich damals zu Tränen gerührt, weil er es beherrscht, die Emotionen zu transportieren.

Emotion, Ausstrahlung, Energie

Da sind wir schon bei einem „Geheimnis“ das diese kleinen Großen, jedenfalls aber erfolgreichen von dem Durchschnittlichen bzw. Underperformern unterscheidet: sie schaffen es, dich zu infizieren. Nicht immer mit der Idee. Vielleicht magst du gar keinen Tee oder Schokolade. Und trotzdem: Sie kriegen dich mit der Emotion und der kraftvollen Energie, die sie ausstrahlen.

In diesem Jahr sprachen wieder einige Redner, vor allem zur Digitalisierung, Automatisierung und was mit unserer Arbeitswelt passieren wird. Dazu kam noch der Musiker & Produzent Leslie Mandoki, der den kreativen Part beisteuern sollte und nach der Trump-Wahl auch so einiges reflektierende für unsere soziale Aufgabe mitzugeben hatte:
Wir dürfen und müssen uns um Bildung kümmern. Und darum, wieder Chancen zu eröffnen, dass WIR Kreativen voller Ideen steckend durch Finanzspritzen und Mentorship einfacher vorankommen.

Die Startup Lady

Und da komme ich nun zu derjenigen Dame, die dann in die Denke und Welt der Startups einführte: Die Business Angelina Selma Prodanovic. Mit ihrem Unternehmen Brainswork bietet sie für Startups Beratung und Unterstützung an, sodass diese möglichst schnell ihre Probleme lösen können. Viele kennen sie auch noch aus der Österreich-Variante des Shark Tank bzw. Die Höhle der Löwen, bei der sie in der ersten Staffel als „Löwin“ (Jurymitglied) am Podium über die Investment-Entscheidungen bei den Pitches saß. Ihre Eröffnungsfrage war für viele der alt eingesessenen Unternehmer im Raum schon eine Provokation:

„Würden Sie das was Sie heute tun, auch dann noch tun, wenn Sie dafür nichts bezahlt bekämen?“
Nach einigem erstaunten Raunen legt sie noch eins drauf:
„Würden Sie dafür sogar bezahlen?“

Sie würde es. Und das tun auch die, die ihr Leben in Startup-Ideen investieren. Startups sind nach ihrer Definition die ultimativen Problemlöser für spezifische Probleme. Dies kann heute über Services genauso wie über gamifizierte Apps stattfinden (vgl. Runtastic, über die zigtausende nun ihre Fitness verbessern und überwachen, über die Gamification-Umsetzung auch super motiviert mehr Sport betreiben. Nicht mehr der ROI (Return on Investment) sei der treibende Faktor, wenn wir über Startups sprechen, sondern der ROF, der Return on Fun. Ein Startup sei dabei über drei Ressourcen gefüttert:

  1. Financial (Geld)
  2. Social (Netzwerke) und
  3. Human (also Wissen & Können)

Der Unterschied zum „Gründer ist hierbei vor allem der, dass Startups auf ein Skalierbares Geschäftsmodell setzten. Sie sind von Anfang an so aufgestellt, um international wachsen zu können. Zudem sieht sie den Trend zu immer mehr Freelancern die ihre Dienste billig anbieten als eher negativ an.

Ein alternativer Prof. erklärt die Finanzwelt

Das Finale der Veranstaltung bestritt diesmal der Vizepräsident der Frankfurt School of Finance & Management. Klingt jetzt vielleicht langweilig, doch wenn ihr ihn euch anseht (mit Dreadlocks bis zum Boden) könnt ihr euch vorstellen, dass dem nicht so war. Nur so viel dazu: In Nanosekunden werden Aktienkäufe und –Verkäufe getätigt, Milliardensummen werden von Algorithmen hin- und her verschoben. Mit Wirtschaft, deren eigentlicher Sinn vielleicht einmal Wertschöpfung gewesen war, haben diese Transaktionen gar nichts mehr u tun. Und genau dort haben sei die Schuld der großen Finanzkrisen der letzten Jahre zu verorten, so der Professor… im Übrigen wurden die Gesetze, die solcherlei Finanztransaktionen überhaupt erst möglich und legal machten, von der Clinton-Regierung beschlossen. Dies könnte auch ein Grund sein, wieso manche nicht ihr Kreuz bei Frau Clinton gesetzt haben.

Selma Prodanovic  war für uns die sich mit dem Erfolg von Jungunternehmern befassen wohl der spannendste Charakter. Und sympathisch obendrein.