Das Gründerzentrum des IDM (Innovation, Development, Marketing) Südtirol ist seit bald 20 Jahren in Südtirol aktiv und unterstützt Gründerinnen und Gründer auf dem Weg zum Erfolg. Startalps hat mit Petra Gratl von IDM Südtirol gesprochen.

Was ist das IDM- Gründerzentrum, was macht es und wie ist es entstanden?

Das Gründerzentrum wurde 1998 als BIC Business Innovation Center gegründet. Später wurde es in den TIS Innovation Park umgewandelt, wo neben dem Gründerzentrum noch Themencluster entstanden sind – Lebensmittel, Bau, Holz. Mittlerweile ist das TIS Gründerzentrum zusammen mit der EOS, BLS und SMG in der IDM Südtirol verschmolzen. Wir als Gründerzentrum bestehen natürlich immer noch. Seit 1998 haben wir über 120 Unternehmen betreut, von denen die meisten noch erfolgreich am Markt tätig sind. Wir arbeiten auf zwei Schienen, einmal die Schiene Startups. Wir bieten Startups Unterstützung von der Idee bis hin zum eigenen Unternehmen und auf der anderen Schiene Projektinkubation. Das bedeutet, dass wir bestehenden Unternehmen die Möglichkeit bieten, bei uns Forschungs- und Entwicklungsprojekte physisch anzusiedeln. Durch die Nähe zu unseren Fachexperten, die wir hier in der IDM-Development haben, profitieren sie von der Präsenz hier.

Wenn ich jetzt ein Startup gründen will und ich komme zu euch. Was macht ihr mit mir zusammen?

Wenn Sie mit einer innovativen Idee im Kopf zu uns kommen, dann machen wir ein Erstgespräch bei dem immer ein Fachexperte dabei ist. Durch unsere Fachexperten im Hause – Physiker, Ingenieure, etc. – bekommen Sie bereits in diesem Gespräch nicht nur ein Input in Bezug auf das Geschäftsmodell sondern auch in Bezug auf die technische Seite. Wenn die Idee dann für gut befunden wird, dann geht es in den sog. Präincubator. Das ist eine Vorbereitungsphase. Hier helfen wir den Unternehmern einerseits das Unternehmen aufzubauen, andererseits helfen wir auch bei der physischen Produktentwicklung. Unternehmensaufbau bedeutet dabei Definition des Geschäftsmodells, das Finden der idealen Finanzierung, Schreiben des Businessplans, Definition der gesamten Unternehmensstrategie bis zur Suche von Teammitgliedern. Bei der Produktentwicklung helfen wir das Produkt fertig zu entwickeln und wir schauen ob es die richtige Normen Zertifizierungen erfüllt.

Darüber hinaus stellen wir den angehenden Unternehmern auch unser Startup-Lab zur Verfügung. Wir haben auch ein Fab-Lab hier, wo man physisch auch an den Prototypen arbeiten kann.

Wenn dann alles geplant ist, folgt der nächste Schritt, der Business-Incubator. Diese Phase dauert bei uns drei bis fünf Jahre lang. Die Unternehmen haben in dieser Zeit verschiedenste Dienstleistungen zur Verfügung. Die Unternehmen können bei uns Werkstätten, Labore und Büros uns anmieten und sie können Expertengespräche, Coaching, Tutoring, Weiterbildung in Anspruch nehmen. Wir helfen auch bei der Suche von Privatinvestoren und bei der Suche von öffentlichen Finanzierungen. Auch technische und sektorspezifische Dienstleistungen, wie Machbarkeitsstudien, Marktrecherchen können die Unternehmen hier in Anspruch nehmen.

Der Präincubator ist kostenlos. Beim Business-Incubator muss man bezahlen. Wenn man kein Büro anmietet, und nur die Dienstleistungen in Anspruch nimmt, dann kostet das 1200 Euro pro Jahr.

Können Sie jetzt aus ihrer Erfahrung sagen, was die Hauptschwierigkeiten bei Startups in Südtirol sind?

Ich glaube in Südtirol sind die Hauptschwierigkeiten bei Starups dieselben wie sie auch sonst sind. Wir haben meistens den Fall, dass die Gründer Techniker sind und super tolle Produkte oder Dienstleistungen entwickeln, dann aber nicht so recht wissen, wie sie sich am Markt bewegen sollen und tun das auch nicht  gerne. Vertriebsgespräche sind etwas, das ihnen nicht gefällt und sie würden lieber im Büro sitzen und das Produkt noch einmal optimieren. Das ist eine Schwierigkeit mit der sich viele Startups konfrontiert sehen. Unsere Aufgabe ist es dann sie entweder dahingehend zu coachen, dass das besser funktioniert, oder ihnen Partner an die Seite zu stellen.

Petra Gratl zählt einige Beispiele von erfolgreichen Startups aus wie beispielsweise das Unternehmen Data tellers, das Infografiken für Verlagshäuser und Zeitschriften erstellt. Drivegum, ein Unternehmen das koffeinhaltige Kaugummis für Fernfahrer entwickelt oder Gipsy Way, ein Onlinehandel für Gebrauchtgegenstände oder Moskat, eine Uhr aus Holz, die demnächst auf den Markt kommen wird oder Limebear, ein digitales Platzhaltersystem für Warteschlangen bei italienischen Ämtern.

Woran erkennen Sie Innovationen?

Wir erkennen Innovationen natürlich nicht alleine, sondern immer dank unserer Experten unserer Fachexperten, die wir im Hause haben.
Es ist ja nicht nur wichtig, dass man eine gute Idee hat, mit Potential, sondern auch, dass man die Fähigkeiten hat, daraus ein Unternehmen aufzubauen. Denn es gibt viele gute Ideen, die einfach nicht genutzt werden oder falsch genutzt werden.

Welche drei Eigenschaften muss diese Person haben, die jetzt hierkommt und dann erfolgreich den Prozess durchläuft?

Ja ich denke, die Person sollte das Unternehmergen in sich tragen, also selbst etwas bewirken wollen, Risiko auf sich nehmen, einfach offen sein, eine offene Person muss das sein. Und ja aufgeschlossen sein für Neues und Neues wagen und nicht so produktverliebt sein.

Südtirol wird ja immer als Bindeglied zwischen Nord- und Süd dargestellt. Gibt es Vorteile, die der Standort hier in Südtirol hat?

Wir sind jetzt dabei ein Projekt zu starten, gemeinsam mit den Trientern und den Nordtirolern. Das Projekt heißt Startup-Euregio, wo es darum geht, die gesamte Europaregion Tirol näher zu vernetzen für Startups. Das heißt es werden neue Formate aufgebaut, die den Austausch zwischen den drei Territorien verstärkt.

Südtirol als Standort bietet schon Vorteile. Vor allem für deutsche oder österreichische Unternehmen bieten wir den Vorteil, wenn sie in den italienischen Markt eintreten möchten. Für die italienischen Startups bieten wir Vorteile, weil in Südtirol einfach alles sehr viel besser funktioniert als im restlichen Italien. Zum Beispiel es gibt Förderungen, die Banken arbeiten anders, es geht alles viel schneller.

Welche Formate sind innerhalb der Europaregion geplant?

Im Detail kann ich dazu natürlich noch nichts sagen, denn das müssen wir erst ausarbeiten. Es wird sich aber um Formate handeln, um die gesamte Gründerszene zu vernetzen, bis hin dann Acceleratorprogrammen bei denen es in die Tiefe geht bis hin zu Formaten mit Investoren.

Wir haben ja einzelne Investorennetzwerke und wir möchten diese auch zusammenbringen und dann auch für die Investoren etwas anbieten, dass sie mehr die Gelegenheit haben zu investieren und auch richtig zu investieren, denn wir haben gesehen, es gibt sehr viele Unternehmer, die gerne investieren möchten, aber nicht genau wissen, wie das funktioniert