Die wichtigsten Take-aways

Man hat eine gute Idee, alles ist geplant und man ist voller Motivation. Doch eines fehlt: Geld. Man könnte es sich natürlich auch von der Bank leihen, das ist aber nicht immer der optimale Weg. Hier kommt Crowdfunding ins Spiel. Crowdfunding wird gerne als einfacher Weg gesehen, an dieses Geld zu kommen. Doch wie einfach ist es wirklich? Wie viel Aufwand steckt dahinter? Worauf kommt es an? Geht es dabei um mehr als nur um Geld?

Wir haben mit einem gesprochen, der es wissen muss. Georg Dominguez, der Gründer des verpackungsfreien Supermarktes Liebe & Lose, hat mit uns über seine Erfahrung mit Crowdfunding gesprochen. Er hat seine Idee zum Teil über eine sehr erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne finanziert.

„Es ist ein Riesenaufwand“

Es gibt schon viel zu tun, bevor die Kampagne überhaupt begonnen hat. Zu Beginn muss ein Video gedreht werden, wie viel Aufwand das ist, hängt vom Video ab. Ein professionell gedrehtes Video kostet viel Zeit und Geld, es muss aber nicht unbedingt so aufwändig sein. Der Gründer dazu: „Man kann das Video natürlich auch locker mit dem Handy drehen, das hängt ganz vom Charakter der Kampagne ab. Ich kenne einige, die damit sehr erfolgreich waren.“ Aber selbst dann muss man sich gut überlegen, was man in dem Video sagt und wie man es sagt. Es sollte auch im Vorhinein geplant werden, wann welche Informationen herausgeben werden. „Im Prinzip muss man sich eine ganze Timeline zurechtlegen“, so Georg weiter.

Die Kampagne will täglich betreut werden. Die User haben nämlich unzählige Fragen, die beantwortet werden müssen. Außerdem müssen regelmäßig Updates veröffentlicht werden, die Spender wollen ja schließlich wissen, wie es um das Projekt bestellt ist. Mit einer Crowdfunding-Kampagne sind auch die sozialen Netzwerke verbunden, auch hier muss man auf Fragen antworten und regelmäßig Neues posten. „Da muss man einfach reagieren“, weiß Georg Dominguez.

„Wichtig ist eine gute Idee“

Der Erfolg der Kampagne hängt letztendlich von der Idee ab. Nicht das tolle Video, nicht der Text und nicht die Dankeschöns überzeugen die Menschen, sondern die Idee. Meistens bekommen die Spender etwas für Ihre finanzielle Mithilfe am Projekt, sei es ein Gutschein, ein Rabatt auf ein Produkt oder ein exklusives Treffen mit dem Gründer. Aber auch diese Dankeschöns hängen von der Zugkraft der Idee ab: „Wenn die Idee total stark ist, kann man natürlich auch sagen, dass die Spender überhaupt nichts bekommen.“ Ist die Idee nicht so stark, kann der Wert der Dankeschöns fast vollständig dem Wert der Spende entsprechen. Das sollte man sich am besten auch alles schon vor dem Start der Kampagne überlegen.

Besonders wichtig ist es aber auch, authentisch zu sein. „Viele Crowdfunding-Plattformen achten darauf, dass es sich bei den Projektstartern wirklich um Menschen und nicht um irgendwelche Unternehmen handelt.“, sagt der Liebe & Lose-Gründer. Diese Menschen sollten eine tolle Idee und einen Traum haben, an Durchhaltevermögen sollte es aber ebenso wenig fehlen wie an der Bereitschaft, viel Zeit in die Kampagne zu investieren.

„Der Marketingeffekt war riesig“

„Nur ein sehr kleiner Teil des Geldes, das wir aufbrachten, kam vom Crowdfunding“, erklärt Georg. Der Marketingeffekt ist aber riesig gewesen, genau dafür benutzen viele Crowdfunding-Kampagnen. Sie geben auch nützliches Feedback: „Man bekommt ein Gefühl dafür, ob die Idee gut ist und ob das gewollt ist.“ Das ist nicht nur für einen selbst wichtig, sondern auch für Investorengespräche abseits der Crowdfunding-Kampagne.

Zusätzlich zum Geld, das durch die Kampagne aufgebracht wird, bekommt man also Informationen über den potenziellen Markt – man merkt, ob das Produkt überhaupt gekauft werden wird oder nicht. Diese Information wird man von Facebook zum Beispiel nicht bekommen, denn ein Like ist schnell vergeben, sagt aber nichts darüber aus, ob jemand das Produkt tatsächlich haben will oder nicht. Im Gegensatz dazu steht das Investieren in Crowdfunding-Projekte. Bevor man Geld in etwas investiert, schaut man es sich sehr gut an. Anders als ein Facebook-Like bedeutet ein Beitrag zu einem solchen Projekt also wirklich, dass sich der Spender das überlegt hat und dass er wirklich Interesse an dem Produkt hat. Georg sagt: „Die Crowdfunding-Kampagnen sind wahrscheinlich effektiver als jeder andere Kanal der sozialen Netzwerke. Einfach, weil es komplett ehrlich ist. In der heutigen Zeit, in der jeder auf sein Geld schaut, wird niemand Geld in etwas investieren, das ihm total egal ist. Im Endeffekt ist es das Marketing-Tool schlechthin.“

Was man sonst noch beachten sollte

Es hängt von der Art der Kampagne ab, ob man das Geld versteuern muss und wenn ja, wie – das sollte man am besten vor dem Start schon klären. Wenn die Kampagne erfolgreich war, muss man üblicherweise einen kleinen Teil des Geldes an die Plattform abgeben, es ist plattformabhängig, wie hoch dieser Beitrag ist. Bei startnext liegt er bei mindestens einem Prozent – wenn man will, kann man mehr geben.

Georg zu den Kosten: „Letztendlich entstehen die Kosten aber auch durch die Zeit, die man investieren muss, denn das ist ja Zeit, in der man nicht arbeiten kann.“

Wenn man aber gut vorbereitet ist und den Aufwand betreiben will und kann, dann hat man mit einer Crowdfunding-Kampagne nicht nur einen Weg, an Geld zu kommen sondern auch ein sehr effektives Marketing-Tool.