Katrin und Katharina – beides ehemalige Studentinnen des Management Centers Innsbruck gründeten in München ihr Social Startup Kuchentratsch. Mit SeniorInnen werden in ihrer Backstube in München Kuchen nach Oma´s Rezept gebacken und an Firmen- sowie an Privatkunden vertrieben. „Die SeniorInnen erleben Gemeinschaft, übernehmen Verantwortung und sind Teil eines kleinen, aber feinen, Unternehmens.“

Wie kamt ihr zu eurer Idee?

Katharina war schon immer klar, dass sie sich selbstständig machen möchte und dass sie Probleme lösen will. Ich habe nie mit dem Gedanken gespielt mein eigenes Unternehmen zu gründen. Aber sie hat mich dann sehr schnell mit ihrer Idee überzeugt. Meine Oma ist auch viel alleine, backt sehr gern und vor allem gut. Ich fand Katharina´s Idee super, weil sie große Probleme in unserer Gesellschaft anspricht – die Altersarmut und die Vereinsamung im Alter.

Was waren eure ersten Schritte?

Im Dezember 2014 haben wir uns das erste Mal zusammen gesetzt und das Logo, die Facebook Page und die Homepage entworfen. Von Dezember bis Februar wurden wir durch das Social Impact Start Stipendium unterstützt und bekamen einem Office Space hier in München, wo wir uns zweimal die Woche getroffen haben. Ich habe nebenbei an der LMU noch ein paar Kurse belegt und Katharina hat ihren Bachelor am MCI fertig gemacht.

Im April 2014 haben wir offiziell gegründet und im Juni haben wir dann mit einem Backtag pro Woche gestartet. Seit März 2015 haben wir unsere eigene Backstube und backen jetzt dreimal die Woche. In Zukunft würden wir dann gerne fünf Tage die Woche backen.

Warum seid ihr damals nach München gegangen (wenn´s doch in Innsbruck viel schöner ist 😉 )?

Zum einen kommt Katharina aus München und zum anderen war es der Kuchenmarkt. München ist der optimale Markt: die Leute haben ein großes Bewusstsein für Ernährung und sind sehr traditionsverbunden und beispielsweise nicht so ausgeflippt wie in Berlin. Die Münchner geben viel Geld für Lebensmittel aus und sind nicht geschockt, wenn der Kuchen 30 Euro kostet (was wenn man überlegt nicht viel für einen ganzen Kuchen ist). Zudem gibt es viele Firmen, die Kuchen abnehmen und viele Privatkunden die hauptberuflich arbeiten und die einfach keine Zeit zum Backen haben.

War Innsbruck nie eine Option für euch?

Nein. Innsbruck war nie ein Thema für uns, weil zum Testen München einfach die perfekte Stadt war. Es ist größer wie Innsbruck und es gibt mehr Firmen, mehr Stiftungen, mehr Vereine. Zudem konnten wir hier die Pilotphase mit Bekannten von Katharina starten, und hatten daher keine großen Probleme, die Geschäftsidee zu testen.

Aber natürlich ist Innsbruck eine Überlegung wert, ob als Franchise oder als eigenes Unternehmen. Es gibt auf jeden Fall Städte, wie Innsbruck, Zürich und Stuttgart, die für uns sehr interessant sind, weil sie sehr offen sind und trotzdem traditionelle Werte wichtig sind.

Was waren eure größten Hürden zu Beginn?

Wir waren uns nicht bewusst, dass Kuchenbacken ein Handwerk ist und wir nur zwei Möglichkeiten hatten: entweder einen Bäckermeister einzustellen, den wir aber per Tarif bezahlen müssten, und das ist als Startup undenkbar, oder eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Ich musste dann eine Prüfung im Kuchenbacken und eine Theorieprüfung ablegen. Erst dann konnten wir uns bei der Handwerkskammer eintragen; das hat dann alles sehr lange gedauert. Die zweite Hürde war dann die perfekte Location für uns zu finden, die natürlich auch bezahlbar sein musste.

Du hast gesagt, dass Gründen eigentlich nie dein Traum war?

Nein, absolut nicht. Ich habe mich während des Studiums immer gefragt, warum ich die Entrepreneurship Kurse besuchen muss. Aber letztendlich hat mich die Idee überzeugt.

Ich geh nicht gerne Risiken ein und ich fand damals den Gedanken in einer Agentur zu arbeiten nie schlimm. Aber ich glaube mittlerweile wäre der Weg zurück schwierig. Ich bin total froh darüber, wie es gekommen ist.

Wenn man sein eigenes Unternehmen hat, kann man super viel machen, man kann viele Dinge selbst entscheiden und wenn man mal auf die Schnauze fliegt, dann ist das auch nicht so schlimm und es ist deine eigene Erfahrung.

Was willst du Studenten mitgeben, die mit dem Gedanken spielen zu gründen?

Einfach machen. Einfach mal ausprobieren. Vor allem nach dem Studium hat man noch keine Verpflichtungen. Es ist eigentlich der perfekte Zeitpunkt, um einfach mal auszuprobieren und wenn´s nichts wird, dann geht davon die Welt auch nicht unter. Man kommt vom Studentenleben, da ist es auch nicht so wichtig, wenn man zu Beginn noch nicht so viel Geld hat.

Beitragsbild (c) Simon Koy

Portrait (c) Moritz Roeder