Interview mit Johannes Postler

WAIQI – ein Name, der mittlerweile halb Innsbruck etwas sagt und das, obwohl das intelligente Ladegerät erst seit einem guten Jahr auf dem Markt ist. Das Prinzip der Jungs ist einfach: beständige Entwicklung, minimales Risiko und ein eingespieltes Team. Das klingt mal so gar nicht nach einem typischen Startup? Ist es auch nicht. Aber ein Beweis dafür, dass die besten Ideen oft nach ein paar Bier entstehen.

Jeder hat es sich wahrscheinlich schon das ein oder andere Mal gedacht – wie schön wäre es, das lästige Handyladekabel loszuwerden. Den gleichen Gedanken hatte auch Fabian nach ein paar Bier, nur dass der motivierte Physiker – im Gegensatz zum Großteil der Bevölkerung – umgehend anfing, diese Idee in die Tat umzusetzen, mit der tatkräftigen Unterstützung seines Freundes Johannes. Mittlerweile bietet das Ladegerät der Jungs von WAIQI dieses und viele weitere praktische Features, dazu sieht es top aus und wird so weit wie möglich in Tirol hergestellt. Das klingt zu gut um wahr zu sein? Johannes und Fabian haben es wahr gemacht.

Doch wer sind die beiden Gründer dieses Rundum-Sorglos-Pakets denn eigentlich? Die 28- und 31-jährigen Jungs lernten sich im Rahmen ihres Physikstudiums an der Uni Innsbruck kennen. Neben ihrer Begeisterung für Technik teilen die beiden die Liebe für den Outdoorsport. Generell wird bei WAIQI das Team großgeschrieben, betont Johannes. Die beiden Jungs ergänzen sich optimal in ihren Stärken und haben es immer lustig, die Zusammenarbeit funktioniert jeden Tag besser. Hinzu kommt, dass sich die beide auch rechtlich gegen eventuelle Konflikte abgesichert und für die Realisierung des Projektes keine Schulden aufgenommen haben – sicherlich eine gute Idee, wenn man seine Freundschaft durch eine gemeinsame Firmengründung nicht auf’s Spiel setzen will. Die besten Voraussetzungen also, um durchzustarten.

Tolle Funktionen, hippes Design, nachhaltige Herstellung – hier die Eckdaten des Wunderproduktes nochmal im Überblick:

FUNKTIONEN – Beim Prototyp des Produktes ging es vor allem um das Auskommen ohne das lästige Ladekabel. Mittlerweile sind viele weitere praktische Funktionen hinzugekommen, die das Leben der Benutzer erleichtern. So kann das Gerät anhand einer App tägliche Routinen erledigen, wie zum Beispiel das Einschalten des WLANs oder eines Weckers. Auch eine Vernetzung mit der Haustechnik ist mittlerweile möglich, sodass der Nutzer nicht mal mehr das warme Bett verlassen muss, um das Licht auszuschalten oder die Jalousien herunterzulassen – besonders durch diese Funktion hebt sich WAIQI von der Konkurrenz am Markt ab. Das I-Tüpfelchen ist jedoch die Gute-Nacht-Geschichten-Funktion, denn auch diese kann neuerdings vom Gerät vorgelesen werden!

DESIGN – „Technologie soll schön aussehen“, so fasst Johannes das Motto von WAIQI zusammen. Und wirft man einen Blick auf das schlichte, edle Design der Produkte, kann man erkennen, dass dies den Gründern auch äußerst gut gelungen ist. Der Schlüssel ist die Verwendung von Holz, welches nicht nur einen tollen Look liefert, sondern auch angenehm in der Hand liegt und sich gut bearbeiten lässt.

NACHHALTIGKEIT – Auch zur Nachhaltigkeit trägt die Verwendung von Holz bei, da es sich dabei um einen nachwachsenden Rohstoff handelt. Zudem achten die Unternehmer darauf, das Produkt lokal zu produzieren. Eine Ausnahme bildet die Technik, welche aus Kostengründen in China produziert werden muss. Alles in allem also eine gute Wahl für umweltbewusste Käufer!

Natürlich ist so ein top Produkt nicht von einem auf den anderen Tag marktreif. Die beiden Jungs gründeten daher vor 2 Jahren erst einmal eine OG und entwickelten das Produkt so lange weiter, bis es schließlich im Januar 2015 auf den Markt gebracht wurde; mittlerweile wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt. Generell lautet das Motto der beiden: langsames Wachstum und Risikominimierung – dazu zählt auch die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens. Anstatt einen Kredit aufzunehmen, finanzierten die beiden Gründer das Projekt von eigenen Ersparnissen und arbeiten daher beide weiterhin nebenbei. Finanzielle Unterstützung konnten sie zudem durch eine Kickstarter-Kampagne erlangen, hinzu kamen die Unterstützungen des Landes Tirol. Durch die niederschwellige Erreichbarkeit dieser Unterstützungen und die hohe Lebensqualität hält Johannes Tirol für einen guten Standort für Gründer, betont aber auch, dass WAIQI diesen nicht bewusst ausgewählt hat.

Die wohlüberlegte und risikovermeidende Strategie von WAIQI hat sich ausgezahlt – Johannes betont, dass das Unternehmen noch keinen wirklichen Rückschlag erlebt habe und auch die beiden Gründer nie an dem Erfolg von WAIQI gezweifelt hätten; vor allem, da es von Anfang an als Lernprojekt angesetzt war. Bis auf kleine Fehler, wie falsche Investitionen oder den (kosten-)aufwändigen Wechsel von einer OG zur GmbH, lief alles wie am Schnürchen. Das größte Erfolgserlebnis war der erfolgreiche Abschluss der Kickstarter-Kampagne. Laut Johannes war diese Kampagne um einiges nervenaufreibender als gedacht und die Jungs waren froh, als sie endlich vorbei und das Geld in der Tasche war.

Die Zukunft für die beiden Technikfreaks sieht also ziemlich rosig aus. Und da sie bisher einen solchen Erfolg damit hatten, wollen die beiden auch nach ihrem Motto „slow & steady“ weiterwachsen. Nichtsdestotrotz haben die Gründer „einen Haufen Ideen“, wie es Johannes ausdrückt. Vor allem die enge Zusammenarbeit mit Geschäftskunden steht auf dem Programm, da sich so besonders coole Projekte realisieren lassen. Auf lange Sicht würden die beiden Gründer gerne komplett von der Firma leben können, doch bis dahin lassen sie sie weiterhin als Lernprojekt laufen.

Auch wenn sich Johannes nur schwer auf allgemeingültige Tipps festlegen kann, so hat der erfolgreiche Gründer doch einen Rat auf Lager: er hält es extrem wichtig, mit Leuten über das geplante Produkt zu sprechen und es mit den Angeboten auf dem Markt zu vergleichen. Zudem sollte man seiner Meinung nach fasziniert sein von dem, was man machen will. Auf Biegen und Brechen nach einem Produkt für die Gründung des ersten eigenen Unternehmen zu suchen hält er daher für keine gute Idee. Die beiden WAIQI-Gründer hatten zumindest eine top Idee und fahren ziemlich gut mit ihrem Spagat zwischen Sicherheit und Innovation. Und auf die Innovationen darf man wahrlich gespannt sein!

(c) Foto: Jan Erik Euler