Im dritten Teil des Interviews mit Marcello Schermer geht es um das unternehmerische Potenzial Innsbrucks und den Vergleich zum Tech Startup Hotspot – dem Silicon Valley.

Was würdest du sagen was ein Ökosystem wie das Silicon Valley ausmacht?

Es ist eine Kombination aus Talent, das von den Universitäten kommt, es ist wichtig, dass es genug Geld gibt, dass die Firmen Zugang zu Geld haben. Es braucht einfach Geld, um eine Firma zu starten und dann braucht es das politische System. Nicht zwingend im Sinne von Förderungen, sondern vielmehr im Sinne von nicht im Weg stehen. Es ist viel wichtiger, dass einem keine Steine in den Weg gelegt werden, als dass jemand gefördert und gepusht wird. Natürlich kann auch das gut und wichtig sein, aber viel wichtiger ist es, dass eine Firma sich entfalten kann ohne dass sie sich mit großartig vielen politischen Lizensierungen auseinandersetzen muss. Uber ist da ein ganz großes Thema. Die haben ein Startup an den Grenzen der Legalität gegründet und in Europa wird ihnen das Leben unfassbar schwer gemacht. Da hinkt das Recht hinterher. Jeder sagt, es ist illegal, aber eigentlich ist es vielmehr seiner Zeit und dem Recht voraus. Und anstatt dass man sagt, ok wir schauen wie wir das Recht anpassen können, sagt man nein es geht nicht. Interessant ist auch, dass die ganzen großen Internetunternehmen eigene Teams haben, die sich nur mit dem deutschen Recht befassen, weil Deutschland ein sogenanntes „Pain in the Ass“ ist was Datenschutz angeht. Daher brauchst du eigene Teams, die sich nur auf Deutschland konzentrieren, das da alles passt. Und da hat keiner was davon, da trägt die Regierung dazu bei, dass sich junge Unternehmen nicht verbreiten können. Klar gibt es Rechteinhaber, die bezahlt werden wollen, aber im Endeffekt müsste ja die Schlussfolgerung sein: „Setzten wir uns zusammen und schauen, wie wir das gemeinsam machen können“ anstatt: „Nein machen wir nicht.“ Aber das passiert leider nicht.

Glaubst du dass sich ein Ökosystem in Tirol entwickeln kann?

Das glaube ich auf jeden Fall. Es gibt ja schon viel. Für solch kleine Standorte wie Tirol ist immer wichtig zu überlegen was für ein Ökosystem? Startup Ökosystem ist da viel zu unspezifisch. Was wollen wir denn sein? Wollen wir Facebook Klone auf die Welt bringen oder schauen wir was hat Tirol zu bieten? Tirol hat gute Gesundheitsfirmen, gute Kliniken, eine gute Medizinuni. Vielleicht kann man sich da positionieren. Oder wir haben total viele Mittelständler, vielleicht kann man schauen, dass man in dem Bereich was macht, wo Familienfirmen profitieren können.

Man muss sich die Nische suchen, es macht kein Sinn zu sagen wir wollen das zweite Silicon Valley sein.

Da fehlt alles, da fehlt das Geld, da fehlt der Platz,… es ist schön, das als Ambition zu haben. Aber das hat noch nie funktioniert. Was funktioniert ist zu sagen: was können wir besonders gut, was können wir Startups anbieten, das kein anderer anbieten kann und dann das zu fördern. Dann wirst du halt ein Silicon Valley für Medizin Unternehmen. Was auch nicht schlecht ist. Ist vielleicht weniger cool wie ein Startup Ökosystem für die Tech Industrie, aber weitaus realistischer.