Benedikt Handler ist ein Tiroler Jungunternehmer und Gründer von zirb.. Als Gründer eines Startups, welches Raumlüfter aus Zirbenholz herstellt, erzählt er, wie er seine Leidenschaft für Handwerk und Natur zum Beruf machte.

Mit den Raumbelüftungssystemen aus Zirbenholz bringt die Firma zirb. nun bereits seit ca. eineinhalb Jahren Zirbenduft in bis zu 100m² große Räume. Doch wie ist es eigentlich zu dieser Idee gekommen?

Die Idee entstand bei der Bergwanderführerausbildung, als mir eine Biologin erzählte, dass der Zirbenduft beruhigend wirkt und dementsprechend schlafverbessernde Eigenschaften hat. Ein Freund hatte sich auch unter diesem Wissen Zirbenbretter ins Schlafzimmer gestellt und seitdem eine Stunde weniger geschlafen.

Wie wurde diese Idee umgesetzt?

Das Handwerkliche war schon immer ein Hobby von mir. Es hat etwas unter dem Studium gelitten, ist aber mit dieser Idee neu belebt worden und so sind auch die ersten Prototypen für die Raumbelüftungssysteme aus Zirbenholz in Eigenbau entstanden.

Im Februar 2015 wurde gemeinsam mit Studienkollegen Carl Sinbrunner und Niko Stildorf genau aus dieser Idee das Startup zirb. geboren. Wurde dadurch dein Hobby zum Beruf?

Nicht unbedingt mein Hobby zum Beruf, aber ich habe meinen Beruf dadurch so gestaltet, dass ich ein Hobby – sprich das Handwerk – in meinen Alltag und Beruf einfließen lassen kann. Das ist eine rießen Freude für mich, da es eine sehr umfassende Art des Arbeitens ist.

Welche anderen Hobbies hast du?

Wenn es die Zeit zulässt, bin ich gern und viel in den Bergen und da kommt die Idee ja auch her. Also ‚Hobby zum Beruf gemacht‘ im Sinne der Vision, die wir verfolgen, trifft völlig zu, denn wir wollen mit unseren Produkten die Natur und den modernen Alltag wieder besser miteinander verbinden und die Natur in den Raum bringen. Draußen in der Natur zu sein ist definitiv ein ganz zentraler Bestandteil meines Lebens. Konkret bedeutet das: sehr viel Sport im Freien wie Mountainbiking, Laufen, Klettern, Skifahren, Eisklettern und Tourengehen.

Wie sieht dein beruflicher Alltag aus?

Es ist deutlich mehr zu tun als auf den ersten Blick erkenntlich ist, wenn man das Produkt sieht. Im beruflichen Alltag sind sicher 80% klassische Office Arbeit und Management. Wirklich handwerklich gefordert ist man erst in den Experimentierphasen, in welchen das Produkt weiterentwickelt wird, sowie Add-Ons oder neue Produkte entwickelt werden.

Eines dieser Add-Ons stellt das brandneue zirb.Öl dar. Das patentierte Ölfläschchen verfügt über eine spezielle Filtermembran, wodurch kontinuierlich Öl an die Luft abgegeben wird und der Zirbenduftt intensiviert wird. Steckt hinter diesem Add-On eine lange Entwicklungsphase?

Ja, das Öl erforderte eine sehr lange Phase des Experimentierens und Testens, weil sehr viele verschiedene Ansätze versucht wurden. Dabei hat sich für mich sehr viel verbunden: Das Handwerkliche, aber auch ein chemisches und physikalisches Basiswissen aus der Schule, das man wieder auffrischen musste, um sich mit den verschiedenen Mikrofiltrationsmembranen, Lösungsmitteleigenschaften und Klebetechniken auszukennen. Es war eine sehr interessante, intensive und anstrengende Zeit, aber es ist unterm Strich ein echt cooles Produkt herausgekommen.

Stellt die handwerkliche Tätigkeit das Schönste an deinem Beruf dar?

Die Frage nach dem Schönsten an meinem Beruf ist für mich relativ einfach zu beantworten. Das ist die gestalterische und kreative Freiheit und das Wissen darum, selbst derjenige zu sein, der verantwortlich für die Situation ist und alle gestalterischen Mittel ergreifen kann, um die Situation zu verändern. Das ist manchmal sehr belastend weil man niemand anderem die Schuld zuschieben kann; gleichzeitig ist man niemals in der Opferrolle, weil man immer selber die Entscheidung treffen kann, etwas zu tun oder nicht zu tun.

Ist die enorme Verantwortung als Gründer eines Unternehmens auch gleichzeitig die größte Herausforderung?

Ja, sicher eine der größten. Die größte Herausforderung für mich ist allerdings im eigenen, persönlichen und privaten Bereich die Balance zu halten. Wenn man so für eine Sache brennt, ist es schwierig loszulassen und genügend Raum für andere Dinge freizuschaufeln, die aber genauso wichtig sind. Dazu zählt auch, manchmal auf sich selber zu schauen, genügend Ruhe zu finden, sich um seine Freundschaften und Beziehungen zu kümmern etc.

Welche beruflichen Ziele hast du?

Die nahe Zukunft ist für mich insofern wichtig, weil wir obwohl wir noch so jung sind, bereits ein recht großes Team sind. Ich würde mir wünschen, dass wir von den Umsatz- und Auftragszahlen weit genug sind, dass wir alle -inklusive uns Gründern- soweit bezahlen können, dass wir das weiterhin als Vollzeittätigkeit tun können.

Langfristig glaube ich, dass wir ein recht großes Marktpotential haben und dieses würde ich gern nützen und auch international erschließen, denn das Thema Natur in den Raum zu bringen ist global vor allem in den Städten ein ganz, ganz wichtiges. Die Leute wünschen sich das sehr, gleichzeitig ist Frischluft und Luftqualität vielerorts ein massives Problem und da glaube ich einfach, dass wir einen sehr wichtigen Beitrag leisten können.

Welchen Tipp würdest du zukünftigen Jungunternehmern geben, die ihr Hobby zum Beruf machen möchten?

Ich glaube, das Wichtigste ist ein Team zu haben und sich nicht alleine auf so einen weiten Weg zu machen.