Warum in Tirol noch kein Unicorn gesichtet wurde und Yetis die Alpenregion bevölkern    

Unicorns (engl. Einhörner) sind selten – in Europa gibt es zurzeit genau 47, davon alleine 18 in Großbritannien, 6 findet man bei unserem Nachbar in Deutschland und in Österreich, einschließlich Tirol, ist noch keines gesichtet worden. Die Rede ist hier nicht von einem Pferd mit einem Horn auf der Stirn, welches wir aus vielen Fabelgeschichten oder wahlweise auch aus einer Barbieverfilmung und ähnlichen Zeichentrickfilmen kennen. Es geht um Startups – Startups, die mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet wurden.

Bei einem Blick auf die geografische Verteilung der Unicorns in Europa wird klar, dass der wirtschaftliche Erfolg eines Jungunternehmens maßgeblich vom Startup Ökosystem bestimmt wird und beeinflussen kann, ob es in der Lage ist ein Unicorn zu werden, denn wir finden Unicorns fast ausschließlich in Mittel- und Nordeuropa. Umso mehr muss man sich die Frage stellen, warum in Tirol noch kein Unicorn gesichtet wurde.

Klein gegen groß

Es wäre wohl vermessen Innsbruck mit den führenden Startup Städten Europas wie London oder Berlin zu vergleichen. Alleine die Einwohnerzahl macht es deutlich – beide Hauptstädte haben ein Einzugsgebiet von mehreren Millionen Bewohnern, wohingegen in ganz Tirol gerade einmal 728 000 Menschen leben, davon 122 000 in Innsbruck. Jungunternehmen scheinen nicht zuletzt auch aus diesem Grund hier eher einem anderen Fabelwesen zu ähneln – dem Yeti, der genauso selten ist wie ein Einhorn, dafür aber auch etwas schwierigeren, eisigeren Bedingungen trotzt.

Finanzierung in Tirol

Um letztlich wirklich ein Unicorn zu werden, benötigt ein Startup Unternehmen zunächst einmal eine große Menge Kapital und damit auch Investoren. Doch verirrt sich einmal ein Business Angel in die Alpenregion, so liegt das meistens nicht an den hiesigen Yetis, sondern vielmehr daran, dass er in Tirol Urlaub macht. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass nur etwas mehr als ein Fünftel der Jungunternehmen durch Investoren finanziert wird.

Yetis im Untergrund

Es liegt aber nicht nur am fehlenden Interesse der Investoren, dass es kein Unicorn in Innsbruck gibt. Denn auch wenn der Kern der Startup Szene in Innsbruck sicherlich hervorragend vernetzt ist und eine sehr gute Onlinepräsenz besitzt, fällt auf, dass einige Yetis nur aus dem Untergrund operieren. Häufig fehlt eine Website, viele besitzen keine Facebookseite und bei einigen kann man online noch nicht einmal Adresse oder Kontaktdaten einsehen. Wie soll im 21. Jahrhundert ein Unternehmen also erfolgreich, geschweige denn ein Unicorn werden, das (fast) vollkommen unbekannt ist?

Vom Yeti zum Unicorn in Tirol?

Nach all diesen negativen Punkten scheint es fast aussichtslos, dass sich einmal ein Yeti in ein Unicorn verwandelt, doch es gibt auch einige Punkte, die dafür sprechen, dass Jungunternehmen nicht nur in Tirol überleben, sondern auch sehr erfolgreich sein können, denn an Knowhow und Ideen mangelt es hier sicherlich nicht. Sowohl das MCI, als auch die Universität Innsbruck prägen hier die Szene deutlich – kein Wunder bei mehr als 30 000 Studenten in Innsbruck. So verfügen auch 82% der Gründer über einen akademischen Abschluss, 65% besitzen mindestens einen Magister oder Master und 17% sogar ein Doktorat / PhD. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren an der Universität Innsbruck verstärkt der Fokus auf Entrepreneurship gelegt wurde und auch Projekte wie startalps.co durch die Universität gefördert werden.

Aber nicht nur die akademische Bildung, sondern auch zahlreiche Startup Events wie Skinnovation oder der Start-Up Day sprechen dafür, dass sich einiges in Innsbruck tut. Hier besteht nicht nur die Möglichkeit vom Peer-Learning anderer Unternehmer zu profitieren, unternehmerische Grundlagen zu lernen, sich in der Startup Szene Tirols zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen, sondern auch innovative, vielversprechende Ideen werden dort angeregt. So richtet sich beispielsweise besonders der Ideengarten an Studierende, die sich eine Zukunft als Entrepreneur vorstellen könnten.

Die Zukunft ist auch genau das richtige Stichwort. Momentan gibt es kein Unternehmen in Tirol, was in den nächsten Jahren in der Lage wäre ein Unicorn zu werden. Dies bedeutet aber nicht, dass es nicht möglich wäre. Das italienische Unicorn „Yoox“ macht es vor – es hat seinen Hauptsitz in Zola Predosa, einer Gemeinde mit gerade einmal 18 593 Einwohnern – warum also sollte es auch kein Unicorn in Innsbruck geben? Sicherlich sind anderen Standorte noch deutlich attraktiver, aber die Hauptstadt der Alpen holt auf und die Tiroler Startup Szene wird mit Sicherheit noch weiter wachsen. Ob sich eines Tages allerdings einmal ein Yeti in ein Unicorn verwandelt, bleibt offen.